Neandertaler 1 ist der Name des ersten gefundenen Fossils, das eindeutig als Neandertaler (Homo neanderthalensis) identifiziert wurde. Manchmal wird dieses Fossil auch Feldhofer 1 genannt, aber dieser Name ist weniger gebräuchlich.

Entdeckung und Benennung

Die Funde stammen aus der sogenannten Feldhofer Grotte im Neandertal (bei Düsseldorf) und wurden 1856 bei Steinbrucharbeiten entdeckt. Die Bedeutung dieser Knochen erkannte früh der Schulmeister Johann Carl Fuhlrott; zusammen mit dem Anatom Hermann Schaaffhausen trug seine Darstellung dazu bei, dass die Überreste als Überreste einer ausgestorbenen Menschenform anerkannt wurden. Später prägte der britische Geologe William King (1864) den wissenschaftlichen Namen Homo neanderthalensis. Diese Entdeckungen markierten den Beginn der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Neandertalern und waren grundlegend dafür, dass ausgestorbene Menschenarten als real und unterscheidbar akzeptiert wurden.

Anatomie und Erhaltungszustand

Es ist nicht der erste Fossilfund, bei dem Neandertalerknochen gefunden wurden, doch vor diesem Fund war die Bedeutung ähnlicher Funde häufig unklar. Das Fossil von Neandertaler 1 besteht aus Fragmenten eines Schädels, einem Fragment des linken Schläfenbeins, einem Teil des rechten Schulterblattes, dem rechten Schlüsselbein, beiden Humeri (Oberarmknochen), einer Speiche (Unterarmknochen), beiden Ellen (ein weiterer Unterarmknochen), fünf Rippen, einem fast vollständigen halben Becken und beiden Oberschenkeln. Diese Kombination von Schädel- und Skelettresten lieferte erstmals klare Merkmale, die Neandertaler von modernen Menschen unterscheiden: ein markant niedriger, breiter Schädeldachaufbau, ausgeprägte Überaugenwülste, robuste Knochen und eine insgesamt stämmigere Körperform im Vergleich zu den meisten heutigen Menschen.

Alter, Geschlecht und Lebensalter

Studien aus dem Jahr 1999 schlossen eine Radiokarbondatierung der Knochen ein: Es wurde festgestellt, dass die Knochen etwa 39.900 ± 620 Jahre alt waren. Dies bedeutet, dass dieser Neandertaler aus einer der letzten Neandertaler-Populationen in Europa stammte und zeitlich in die Phase fällt, in der Neandertaler und anatomisch moderne Menschen sich möglicherweise raum- und zeitlich überlappten. Neandertaler 1 war männlich. Zum Zeitpunkt seines Todes war er nach osteologischen Altersbestimmungen zwischen 40 und 42 Jahre alt, was für die damaligen Lebensbedingungen bereits ein relativ hohes Alter darstellt.

Bedeutung für Forschung und späterer Befunde

Der Fund von Neandertaler 1 war ein Meilenstein für die Paläoanthropologie: Er lieferte erstmals eine klar definierbare Referenz für die Anatomie der Neandertaler und ermöglichte Vergleiche mit später entdeckten Fossilien. Die Datierung dieses Fundes trug wesentlich zur Diskussion über das zeitliche Zusammentreffen von Neandertalern und modernen Menschen bei. In den Jahrzehnten danach wurden an Neandertalerfunden zahlreiche weitere Untersuchungen durchgeführt – darunter morphologische Vergleiche, archäologische Kontextanalysen und in jüngerer Zeit auch genetische Analysen an Neandertaler-Knochen allgemein –, die das Verständnis ihrer Biologie, ihres Verhaltens und ihrer evolutionären Stellung weiter vertieft haben.

Spätere Funde in der Umgebung

In den 1990er und 2000er Jahren wurden in der Nähe Knochen von zwei weiteren Neandertalern gefunden, die als Neandertaler 2 bzw. Neandertaler 3 bezeichnet werden. Neandertaler 2 hat das gleiche Alter, aber eine leichtere Statur. Neandertaler 3 war wahrscheinlich ein Teenager. Diese zusätzlichen Funde liefern weitere Details zu Variabilität, Körperbau und Altersstruktur der späten Neandertaler-Populationen in dieser Region.

Aufbewahrung und Ausstellung

Die Originalfunde wurden seit ihrer Entdeckung wissenschaftlich untersucht und in Museen aufbewahrt; darüber hinaus existieren zahlreiche Repliken und Abgüsse, die in Ausstellungen weltweit gezeigt werden. Die Feldhofer Grotte selbst ist heute nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten, doch die Fundstelle und ihr Name haben durch die Entdeckung bleibende Bedeutung für die Paläoanthropologie erlangt. Die Erforschung dieses Fundes wirkt bis heute nach und bleibt eine zentrale Referenz in der Diskussion um die Biologie und Lebensweise der Neandertaler.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Neandertaler 1 ist nicht nur das erste eindeutig identifizierte Neandertaler-Fossil, sondern auch eines der wichtigsten Exemplare für das Verständnis der Neandertaler als eigene, inzwischen ausgestorbene Menschenform.