Atlas war eine von der Convair Division of General Dynamics gebaute Rakete.
Ursprünglich wurde sie in den späten 1950er Jahren als ICBM konzipiert. Sie brachte die Raumkapseln des Mercury-Projekts auf den Weg und bildete die Grundlage für eine Familie erfolgreicher Trägerraketen, die heute von der United Launch Alliance gebaut werden. Die Atlas-Raketenfamilie wird heute als Startplattform für kommerzielle und militärische Satelliten und andere Raumfahrzeuge verwendet.
Geschichte
Die Atlas entstand in der frühen Phase des Raumfahrt- und Raketenzeitalters als militärische Interkontinentalrakete (SM-65 Atlas). Schon kurz nach ihrer Einführung wurde sie für zivile und wissenschaftliche Zwecke adaptiert. Berühmte frühe Einsätze waren die Starts der Mercury-Kapseln der NASA; dazu zählt unter anderem Mercury-Atlas 6, mit dem John Glenn 1962 als erster US-Amerikaner die Erde umkreiste.
Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Design kontinuierlich weiterentwickelt. Aus der ursprünglichen Militärversion gingen mehrere zivile Trägervarianten hervor, die als Träger für Satelliten, Raumsonden und bemannte Raumfahrt dienten. Herstellerwechsel und Kooperationen führten schließlich zu ULA, die spätere Atlas-Versionen betrieb und weiterentwickelte.
Technik und Bauprinzipien
- Bauweise: Die frühen Atlas-Modelle verwendeten die sogenannte "stage-and-a-half"-Konfiguration: Ein zentraler Sustainer-Motor mit zwei boostenden Seitenmotoren, die nach kurzer Brennzeit abgeworfen wurden. Späteren Versionen wichen hiervon ab zugunsten klassischer Mehrstufenaufbauten.
- Tankbau: Typisch war die Verwendung sehr dünnwandiger Drucktanks aus rostfreiem Stahl ("balloon tanks"). Diese Tanks mussten ständig unter Druck stehen, um ihre Form zu behalten, was Gewicht sparte, aber besondere Handhabung und Schutz gegen Beschädigungen erforderte.
- Oberstufen: Ein wichtiger Meilenstein war die Kombination mit der Flüssigwasserstoff-/Sauerstoff-Oberstufe Centaur. Centaur verlieh der Atlas hohe Leistungsfähigkeit für geostationäre Transferbahnen und interplanetare Missionen dank effizienter RL10-Triebwerke.
- Antriebe: Erste Atlas-Modelle nutzten ausschließlich amerikanische Triebwerke; spätere Varianten wie die Atlas V setzten u. a. das russische RD-180 in der ersten Stufe ein (in Partnerschaft mit US-Herstellern) und die bewährten RL10-Motoren in der Centaur-Oberstufe.
Varianten und Weiterentwicklung
Die Atlas-Familie umspannt zahlreiche Versionen, von den frühen Militärausführungen über zivile Träger bis zu modernen Varianten:
- Atlas D / Atlas E / Atlas F – frühe ICBM- und Startversionen
- Atlas-Agena – Kombination mit der Agena-Oberstufe für zahlreiche Satellitenstarts
- Atlas-Centaur – wichtige Entwicklung zur Nutzung der Centaur-Oberstufe; ermöglichte Start von Satelliten und Raumsonden
- Atlas I / II / III – schrittweise Verbesserungen in Leistung und Zuverlässigkeit
- Atlas V – moderne, modulare Trägerrakete der ULA, die verschiedene Nutzlastadapter und Boosterkonfigurationen anbietet
Die Weiterentwicklung gipfelte in Trägerraketen mit höherer Zuverlässigkeit, größerer Nutzlastkapazität und flexiblerer Missionskonfiguration. Zugleich wurden Materialien, Elektronik und Steuerungssysteme modernisiert.
Einsätze und Bedeutung
Atlas-Raketen haben ein breites Spektrum an Aufgaben erfüllt:
- Bemannte Raumfahrt (z. B. Mercury-Projekt)
- Militärische Einsätze, insbesondere als ICBM in den frühen Jahren
- Start von Wettersatelliten, Navigationssatelliten und kommerziellen Kommunikationssatelliten
- Wissenschaftliche und interplanetare Missionen dank leistungsfähiger Oberstufen
Die Kombination aus Zuverlässigkeit und Flexibilität machte die Atlas-Familie über Jahrzehnte zu einem Rückgrat der US-amerikanischen Trägerraketentätigkeit.
Startplätze
- Cape Canaveral (Florida) – zahlreiche Starts von Atlas-Raketen für zivile und militärische Missionen
- Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) – häufig genutzt für polare Umlaufbahnen und militärische Aufträge
Vermächtnis
Die Atlas-Rakete hat die Entwicklung moderner Träger maßgeblich beeinflusst. Technische Innovationen wie die balloon tanks und die Integration leistungsstarker Oberstufen (Centaur) setzten Standards. Obwohl die Reihe im Laufe der Zeit durch neue Systeme ergänzt und teilweise ersetzt wird (z. B. durch neue Wettbewerber und Nachfolgerprojekte), bleibt die Atlas-Familie ein historisch bedeutender und bis in die Gegenwart relevanter Bestandteil der Raumfahrtindustrie.
Heute gilt die Atlas-Familie als Paradebeispiel für technische Weiterentwicklung: Vom frühen ICBM zur vielseitigen Trägerrakete, die Forschung, Wirtschaft und nationale Sicherheit gleichermaßen bedient.



