Übersicht

Octocorallia sind eine Unterklasse der Anthozoa im Stamm der Cnidaria und umfassen über 3.000 beschriebene Arten. Charakteristisch ist die achtfache Symmetrie: die Polypen tragen acht gefiederte (pinnate) Tentakel und meist acht innere Trennwände. Zu den gut bekannten Gruppen gehören Weichkorallen, Gorgonien (Seefächer, Seepeitschen) und See­federn. Ein älterer Name für diese Gruppe ist Alcyonaria.

Merkmale und Bau

Die meisten Octocorallia sind kolonial und sessil, bestehen aus vielen Einzelpolypen, die durch eine gemeinsame Zwischengewebsschicht, das Coenenchym, verbunden sind. Polypskelett fehlt häufig als durchgehende Kalkwand; stattdessen stabilisieren oft winzige calcareous Sklerite das Gewebe. Bei einigen wenigen Taxa, etwa der Blaukoralle (Ordnung Helioporacea), existiert ein massives Kalkskelett. Die gefiederten Tentakel dienen der Nahrungsaufnahme und erhöhen die Oberfläche für die Aufnahme von Partikeln.

Skelett, Sklerite und Gewebe

Sklerite sind kleine, in der Gewebematrix eingebettete Kalkkörner oder -nadeln, die in Form und Größe stark variieren und wichtige Merkmale zur Identifikation darstellen. Die Zusammensetzung der Sklerite ist typischerweise calciumbasiert; ihre Dichte bestimmt, wie flexibel oder steif eine Kolonie wirkt. Das freie Coenenchym enthält oft Kanäle für Nährstofftransport und Zellen, die an Abwehr und Heilung beteiligt sind.

Ernährung und Symbiosen

Viele Octocorallia ernähren sich heterotroph von Plankton und organischen Partikeln; zahlreiche Arten beherbergen aber auch einzellige photosynthetische Algen (Zooxanthellen) und nutzen so zusätzlich die Fotosynthese. Das Ausmaß der Abhängigkeit von Symbionten variiert je nach Art und Lebensraum: lichtreiche, flache Arten profitieren stärker von symbiotischen Algen als Tiefseearten.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Octocorallia vermehren sich sowohl sexuell als auch ungeschlechtlich. Sexuelle Fortpflanzung erfolgt über Gametenfreisetzung ins Wasser oder durch innere Befruchtung mit anschließender Bildung von Planula-Larven, die eine pelagische Phase durchlaufen können. Ungeschlechtliche Vermehrung durch Sprossung, Knospung oder Fragmentierung trägt zur Ausbreitung und Regeneration von Kolonien bei. Bei vielen Arten dominieren Kolonien eines Geschlechts (Gonochorie), während andere hermaphroditisch sind.

Verbreitung und Lebensräume

Octocorallia kommen weltweit vor, von tropischen Flachwasserriffen bis in tiefe, kalte Meeresregionen. Besonders in der Tiefsee bilden Gorgonien und Weichkorallen wichtige Strukturelemente, an denen sich zahlreiche Fische und Wirbellose ansiedeln. Manche Arten bevorzugen harte Substrate; andere gehen lockere Verankerungen ein oder leben in sedimentnahen Bereichen.

Ökologische Bedeutung

Als Habitatbildner bieten große Kolonien Verstecke, Nahrungsquellen und Laichplätze und erhöhen die Habitatkomplexität. Sie tragen zur Artenvielfalt bei und können in der Tiefsee besondere Hotspots für Biodiversität schaffen. Zudem produzieren Octocorallia eine Vielzahl chemischer Verbindungen, die räuberabweisend wirken und pharmakologisch interessant sind.

Systematik und Beispiele

Innerhalb der Octocorallia werden mehrere Ordnungen unterschieden, zu den bekanntesten zählen die Alcyonacea (Weichkorallen und viele Gorgonien), Pennatulacea (See­federn) und Helioporacea (Blaukoralle). Zu den Familien und Gattungen gehören zahlreiche Formen mit unterschiedlichen Lebensstrategien und morphologischen Anpassungen.

Abgrenzung zu Hexacorallia

Wesentliche Unterschiede zu den Hexacorallia (Steinkorallen und Seeanemonen) sind die achtstrahlige Organisation der Polypen, das Fehlen einer durchgehenden kalkigen Wand bei den meisten Octocorallia und die Präsenz von Skleriten statt massiver Skelettbildungen. Hexacorallia zeigen zumeist eine sechs- oder vielfache Symmetrie.

Bedrohungen, Nutzung und Schutz

Viele Octocorallia sind bedroht durch Klimawandel, Erwärmung und damit verbundenes Bleaching der symbiotischen Algen, durch Verschmutzung, physische Zerstörung von Lebensräumen, Überfischung und Sammelaktivitäten für Aquaristik und Schmuck. Gleichzeitig sind sie Quelle bioaktiver Substanzen für die Forschung und haben wirtschaftliche Bedeutung in der Meeresaquaristik. Schutzmaßnahmen umfassen Lebensraumschutz, Regulation des Sammelns und Forschung zur Ökologie und Regenerationsfähigkeit.