Hexacorallia: Steinkorallen & Seeanemonen – Merkmale und Evolution

Hexacorallia: Steinkorallen & Seeanemonen – Merkmale, Evolution und Riffgeschichte. Entdecken Sie Symmetrie, Lebenszyklen und fossile Korallen, die Meere prägten.

Autor: Leandro Alegsa

Hexacorallia ist eine große Unterklasse der Anthozoen im aquatischen Stamm der Cnidaria. Diese Gruppe umfasst sowohl weichkörperige Polypen als auch die steinbildenden Korallen und ist weltweit in sehr unterschiedlichen Lebensräumen zu finden – von flachen tropischen Riffen bis in die Tiefsee.

Merkmale

Die Hexacorallia enthalten etwa 4.300 Arten, alles Polypen, und sind im Allgemeinen durch eine hexamere oder vielfach sechsfache Symmetrie gekennzeichnet. Das bedeutet praktisch, dass Mund, Tentakel und innere Trennwände (Mesenterien bzw. Septen) oft in Anordnungen stehen, die Vielfache von sechs bilden. Im Gegensatz zu den Octocorallia haben Hexacorallia nur einfache, nicht gefiederte Tentakel und in der Regel einzelne Reihen von Tentakeln.

Innerhalb der Polypen sind typische anatomische Merkmale der Hexacorallia:

  • ein zentraler Mund, der in eine teilweise durch Mesenterien gegliederte Karyon/Gastrovascularhöhle führt;
  • Mesenterien/Septa, die das Innere in Kammern unterteilen und bei vielen Gruppen in festen Kalkstrukturen befestigt sind;
  • Nematocyten (Streif- oder Nesselzellen), mit denen Beute gefangen und Feinde abgeschreckt werden;
  • bei koloniebildenden Formen eine Verbindung der Polypen über ein gemeinsames Gewebe (Coenenchym) und oft ein Hartteil: viele rezenten Steinkorallen (Scleractinia) scheiden ein Calciumcarbonat-Skelett ab (bei rezenten Steinkorallen meist als Aragonit), während ausgestorbene Gruppen wie Rugosa und Tabulata überwiegend Kalzit-Skelette bildeten.

Lebensweise und Fortpflanzung

Hexacorallia zeigen eine große Bandbreite an Lebensweisen: viele Steinkorallen sind kolonial und riffbildend, andere wie viele Seeanemonen leben solitär auf dem Meeresboden. Es gibt auch Röhrenanemonen, die in weichen Substraten graben, und Zoanthiden, die oft in dichten Matten vorkommen.

Die Fortpflanzung erfolgt sowohl sexuell als auch asexuell. Sexuell produzieren viele Arten Gameten, die als freie Gameten oder als befruchtete Planula-Larven eine planktonische Phase durchlaufen, bis sie sich niederlassen und eine sessile Lebensweise einschlagen. Viele Riffkorallen führen massenhaftes Ablaichen (Broadcast spawning) durch; andere brüten die Larven. Asexuelle Vermehrung erfolgt durch Knospung, Fragmentation oder das Bilden von Ablegern innerhalb einer Kolonie.

Ein besonders wichtiger Aspekt vieler riffbildender Hexacorallia ist die Symbiose mit einzelligen, photosynthetischen Algen (den sogenannten Zooxanthellen, heute meist zur Familie Symbiodiniaceae gezählt). Diese Symbiose liefert dem Wirt erhebliche Anteile des Energiebedarfs und ist ausschlaggebend für den Erfolg tropischer Riffsysteme.

Fossiler Bestand und Evolution

Zu den Hexacorallia gehören auch die ausgestorbenen Ordnungen der Rugose-Korallen und der Tabellierkorallen. Diese Gruppen prägten die Korallenriffe des Paläozoikums, insbesondere im Devon und Karbon. Insgesamt sind mehrere ausgestorbene Ordnungen der Hexacorallia bekannt, was zeigt, dass diese Gruppe über geologische Zeiträume große ökologische Bedeutung besessen hat.

Die fossile Überlieferung illustriert auch große Umbrüche: so wurden viele riffbildende Paleozoische Korallen durch die Perm-Trias-Grenze stark dezimiert. Die modernen riffbildenden Scleractinia entwickelten sich später (vor allem im Trias/Jura) und übernahmen vielfach die Rolle der rekonstruierten Riffökosysteme. Über die stammesgeschichtlichen Beziehungen zwischen ausgestorbenen Rugosa/Tabulata und den rezenten Scleractinia besteht noch wissenschaftliche Diskussion.

Ökologische Bedeutung und Gefährdungen

Hexacorallia sind Schlüsselorganismen vieler Meeresökosysteme: Steinkorallen bauen Habitate, die zahlreichen Fischen und Wirbellosen als Lebensraum dienen; Seeanemonen bieten Symbiosepartnern (z. B. Anemonenfischen) Zuflucht; andere Gruppen tragen zur lokalen Artenvielfalt und zu biogeochemischen Kreisläufen bei.

Gleichzeitig sind viele Hexacorallia stark gefährdet. Wichtige Bedrohungen sind:

  • Erwärmung der Meere und daraus resultierende Korallenbleiche (Verlust der symbiotischen Algen);
  • Ozeanversauerung, die die Kalkbildung erschwert und das Wachstum von Kalkskeletteinschränkt;
  • Verschmutzung, Überfischung und physische Zerstörung von Riffen;
  • neue Krankheiten und invasive Arten.

Bedeutung für Forschung und Schutz

Hexacorallia sind Gegenstand intensiver Forschung in Bereichen wie Evolutionsbiologie, Ökologie, Meereschemie und Biotechnologie. Für den Schutz der Riffe sind lokale Maßnahmen (Schutzgebiete, nachhaltige Fischerei, Abwasserreduktion) ebenso wichtig wie globale Maßnahmen gegen den Klimawandel. Der Erhalt der Vielfalt der Hexacorallia ist nicht nur aus wissenschaftlicher, sondern auch aus ökonomischer und ökologischer Sicht von großer Bedeutung.

Zusammenfassend sind die Hexacorallia eine vielfältige, ökologisch bedeutende Gruppe der Nesseltiere mit einzigartigen Bauplänen, unterschiedlichen Lebensweisen und einer langen, gut dokumentierten Evolutionsgeschichte.

Aspidiscus cristatus aus dem Cenoman (Oberkreide) im Süden Israels; mündliche AnsichtZoom
Aspidiscus cristatus aus dem Cenoman (Oberkreide) im Süden Israels; mündliche Ansicht

Gestreifte KolonialanemoneZoom
Gestreifte Kolonialanemone

Fragen und Antworten

F: Was ist Hexacorallia?


A: Hexacorallia ist eine große Unterklasse der Anthozoa im aquatischen Stamm der Cnidaria, zu der etwa 4.300 Arten aller Polypen gehören, die im Allgemeinen eine 6-fache Symmetrie aufweisen.

F: Was sind einige Beispiele für Meeresorganismen in Hexacorallia?


A: Zu den Hexacorallia gehören alle Steinkorallen, von denen die meisten kolonial und riffbildend sind. Sie enthält auch die Seeanemonen, Röhrenanemonen und Zoanthiden in sechs lebenden Ordnungen.

F: Wie unterscheidet sich Hexacorallia von Octocorallia?


A: Hexacorallia unterscheidet sich von Octocorallia dadurch, dass sie sechs oder weniger Symmetrieachsen in ihrem Körperbau haben und nur einzelne Reihen von Tentakeln.

F: Wie pflanzen sich die Organismen der Hexacorallia fort?


A: Wie alle Nesseltiere haben die Organismen der Hexacorallia einen komplexen Lebenszyklus mit einer mobilen planktonischen Phase und einer späteren sessilen Phase.

Q: Was ist das Kalzitskelett bei einigen Arten der Hexacorallia?


A: Das Kalzitskelett ist eine Struktur, die von einigen Arten der Hexacorallia abgesondert wird.

F: Welche sind die ausgestorbenen Ordnungen der Hexacorallia?


A: Die ausgestorbenen Ordnungen der Hexacorallia sind die Steinkorallen und die Stabkorallen, die die Korallenriffe des Paläozoikums bildeten.

F: Wie wichtig ist Hexacorallia für das marine Ökosystem?


A: Hexacorallia war schon immer eine wichtige Gruppe von Meeresorganismen, die sowohl ausgestorbene als auch lebende Arten umfasst. Die Tatsache, dass es insgesamt acht ausgestorbene Ordnungen der Hexacorallia gibt, zeigt ihre Bedeutung.


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