Ornithomimidae – Vogelimitatoren: Straußenähnliche Dinosaurier der Oberkreide

Ornithomimidae: Straußenähnliche, gefiederte Theropoden der Oberkreide – schnelle Pflanzen-/Allesfresser wie Gallimimus aus Asien & Nordamerika.

Autor: Leandro Alegsa

Ornithomimidae ("Vogelimitatoren") sind eine Familie von vogelähnlichen Theropoda-Dinosauriern, die oberflächlich den modernen Straußen ähneln. Die meisten bekannten Ornithomimiden stammen aus der Oberkreide von Laurasia (heute vor allem Teile von Asien und Nordamerika). Zu den bekannten Vertretern gehören Gallimimus, Archaeornithomimus, Anserimimus, Struthiomimus und Ornithomimus.

Systematik und Verbreitung

Ornithomimidae gehören zur größeren Gruppe der Ornithomimosauria innerhalb der Coelurosauria, einer Linie der Theropoden, die viele vogelähnliche Merkmale zeigt. Ihre Fossilien sind vorwiegend aus der späten Kreidezeit (ungefähr 100–66 Millionen Jahre) bekannt und stammen hauptsächlich aus den Landmassen von Asien und Nordamerika.

Typische Merkmale

  • Schädel: relativ klein mit großen Augenöffnungen (große Augen), oft mit einem zahnlosen Schnabel bzw. einer hornigen Schnabeloberfläche.
  • Hals und Rumpf: lange, schlanke Hälse, leichter, stromlinienförmiger Körperbau.
  • Vordere Gliedmaßen: lange, schlanke "Arme" mit kräftigen, oft hakenförmigen Krallen; die Hände konnten Greif- oder Zupfbewegungen ausführen.
  • Hinterbeine: starke, lange Beine mit einem arctometatarsalen Aufbau (bei vielen Arten ist der Mittelfuß verengt), angepasst an schnelles Laufen.
  • Größe: von relativ kleinen Formen (etwa 1,5 m Körperlänge) bis zu großen Vertretern wie Gallimimus, der mehrere Meter lang gewesen sein kann.

Federkleid und Sinnesleistungen

Fossile Funde zeigen, dass Ornithomimosaurier Federn trugen. Bei einigen Arten sind sogar gut entwickelte Federstrukturen an den Vordergliedmaßen erhalten, was auf das Vorhandensein von Kontur- und Schaftfedern hindeutet; bei manchen Exemplaren wurden Quillknobs an den Unterarmknochen festgestellt. Die großen Augen deuten auf eine gute Sehkraft hin, möglicherweise für die Suche nach Nahrung und das Erkennen von Gefahren.

Ernährung und Verdauung

Die Ernährung der Ornithomimiden wird meist als überwiegend pflanzenbasiert oder opportunistisch-omnivor beschrieben. Wichtige Hinweise sind:

  • Viele Ornithomimosaurier, einschließlich primitiver Arten, wurden mit zahlreichen Gastrolithen (Magensteinen) gefunden — ein Merkmal, das bei pflanzenfressenden Tieren häufig ist und beim Zerkleinern pflanzlicher Nahrung hilft.
  • Der zahnlose Schnabel und die Form des Schädels sprechen dafür, dass sie Pflanzen zupften, aber auch kleine Tiere, Eier oder Aas nicht kategorisch ausschließen.
  • Historische Interpretationen, etwa von Henry Fairfield Osborn, nahmen an, dass die langen, fächerartigen Arme zum Herunterziehen von Ästen beim Weiden dienten; spätere Untersuchungen unterstützen die Idee, dass die Hände zum Greifen und Zupfen verwendet wurden.

Fortbewegung, Verhalten und Ökologie

Ornithomimiden gelten als sehr laufstarke (cursoriale) Tiere: ihre langen Hinterbeine, reduzierte Zehen und leichte Skelettstruktur erlaubten vermutlich hohe Geschwindigkeiten. In einigen Fundstätten sind Ornithomimiden häufig und stellen dort die zahlreichsten kleinen bis mittelgroßen Dinosaurier dar — ein Befund, der mit einer herbivoren bzw. überwiegend pflanzenfressenden Lebensweise vereinbar ist, weil Pflanzenfresser in Ökosystemen oft zahlenmäßig überwiegen. Es gibt Hinweise auf soziales Verhalten (z. B. Gruppen- oder Herdenleben durch mehrfache Funde nebeneinander), doch sind die Daten heterogen und von Fund zu Fund unterschiedlich.

Wachstum und Ontogenie

Skelettuntersuchungen zeigen, dass Ornithomimiden vergleichsweise schnell wuchsen und dabei Proportionen (z. B. Kopf‑Bein-Verhältnis) änderten. Jungtiere unterschieden sich in Körperbau und Proportionen von adulten Tieren, was bei vielen Theropoden beobachtet wird und Rückschlüsse auf Lebensweise und Nahrungswahl in verschiedenen Lebensphasen erlaubt.

Forschungsgeschichte und offene Fragen

Seit der ersten Beschreibung der Gruppe sind Ornithomimidae Gegenstand intensiver Forschung. Wichtige offene Fragen betreffen die genaue Ernährungsweise (rein herbivor versus omnivor), die funktionelle Bedeutung mancher Handformen und die Ausprägung des Federkleids bei verschiedenen Arten. Neue fossile Funde — besonders gut erhaltene Skelette mit Weichteilerhaltungen — tragen stetig dazu bei, das Bild dieser ungewöhnlichen, straußenähnlichen Theropoden zu verfeinern.

Struthiomimus Vordergliedmaße, Krallen zeigend
Struthiomimus Vordergliedmaße, Krallen zeigend

Fragen und Antworten

F: Was ist Ornithomimidae?


A: Die Ornithomimidae sind eine Gruppe von theropoden Dinosauriern, die eine oberflächliche Ähnlichkeit mit modernen Straußen hatten.

F: Wo wurden sie gefunden?


A: Sie wurden in der oberen Kreidezeit in Laurasia, dem heutigen Asien und Nordamerika, gefunden.

F: Wie sahen ihre Schädel aus?


A: Ihre Schädel waren klein, mit großen Augen, über relativ langen und schlanken Hälsen. Alle hatten zahnlose Schnäbel.

F: Wie sahen ihre Vorderbeine aus?


A: Die vorderen Gliedmaßen ("Arme") waren lang und schlank und trugen kräftige Krallen.

F: Wie schlug Henry Fairfield Osborn vor, dass sich Ornithomimiden ernährt haben könnten?


A: Henry Fairfield Osborn schlug vor, dass die langen, faultierähnlichen 'Arme' der Ornithomimiden dazu benutzt wurden, Äste herunterzuziehen, um sich davon zu ernähren.

F: Waren Ornithomimiden Pflanzenfresser oder Fleischfresser?


A: Viele Ornithomimosaurier, darunter auch primitive Arten, wurden mit zahlreichen Gastrolithen in ihren Mägen gefunden, die für Pflanzenfresser charakteristisch sind. Sie können aber auch Allesfresser gewesen sein, die sowohl Pflanzen als auch kleine Tiere gefressen haben.


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