Die Plantation of Ulster war die organisierte Kolonisation (Plantage) von Ulster. Ulster ist eine Provinz von Irland. Menschen aus Schottland und England wurden von der englischen Regierung dorthin geschickt, um dort zu leben. Dies begann zu Beginn des 17. Jahrhunderts, ab 1606; die eigentliche, großangelegte Umsetzung folgte nach der sogenannten „Flucht der Häuptlinge“ (Flight of the Earls) 1607 und den offiziellen Plänen ab 1609. Die Plantage hatte das Ziel, die Region dauerhaft unter englischer Kontrolle zu bringen und den Widerstand gegen die Krone zu brechen. Ulster war im vorigen Jahrhundert die Region gewesen, die der englischen Kontrolle am meisten widerstanden hatte.
Hintergrund
Die Plantage folgte auf den Abschluss des langen Konflikts, der oft als Neunjähriger Krieg (1594–1603) bezeichnet wird. Nach der Niederlage der führenden gälischen Familien – insbesondere der O'Neill- und O'Donnell-Dynastien – und der anschließenden Abreise vieler Häuptlinge aus Ulster (die Flight of the Earls), erklärte die Krone große Landstriche für herrenlos und konfiszierte sie. Dieses Land wurde für die Ansiedlung von loyalen Siedlern vorgesehen.
Durchführung und Aufteilung des Landes
Das gesamte Land, das den irischen Häuptlingen der O'Neill-Dynastie (Uí Néill auf Gälisch) und der O'Donnell-Dynastie (Uí Domhnaill auf Gälisch) gehörte, wurde ihnen abgenommen und für die Kolonisten genutzt. Dieses Land summierte sich auf schätzungsweise eine halbe Million Acres (2.000 km²) in den Grafschaften County Donegal (damals Tyrconnell genannt), Tyrone, Fermanagh, Cavan, Coleraine und Armagh. Die meisten der Grafschaften Antrim und Down waren privat kolonisiert.
Die Krone vergab Ländereien in unterschiedlichen Kategorien an verschiedene Gruppen:
- Undertakers: meist englische oder schottische Großpächter, die verpflichtet wurden, Kolonisten (Familien) anzusiedeln, befestigte Häuser und Siedlungen zu bauen und für Ordnung zu sorgen.
- Servitors: ehemalige Soldaten oder Verwaltungsbeamte, die für ihren Dienst Land erhielten.
- loyale Iren: einige einheimische Anführer, die sich der Krone angeschlossen hatten, bekamen kleinere Zuteilungen.
Die Landnehmer hatten genaue Auflagen: sie mussten festungsähnliche Häuser oder bawns errichten, eine bestimmte Zahl von Siedlern anwerben, Land parzellieren und für Verteidigung sorgen. Teile des Gebiets wurden zudem von Handelsgesellschaften (z. B. den Londoner Gilden) finanziert und in stadtplanerischer Form angelegt (beispielsweise die Entwicklung von Derry/Londonderry).
Siedler, Sprache und Religion
Die Kolonisten wurden oft als „britische Pächter“ bezeichnet. Sie kamen hauptsächlich aus Schottland und England. Offizielle Bedingungen verlangten, dass die neuen Siedler englischsprachig und protestantisch sein sollten. Die schottischen Kolonisten waren meist presbyterianisch, die englischen mehrheitlich Angehörige der Churchof England. Viele schottische Siedler kamen aus den Lowlands und Nordschottland; ihre Nachkommen werden oft als „Ulster Scots“ bzw. „Scots-Irish“ bezeichnet, da zahlreiche Familien später nach Nordamerika auswanderten.
Für die einheimische gälische Bevölkerung brachte die Plantage häufig Vertreibung, Landverlust oder die Rolle als Pächter auf ehemals eigenen Fluren. Manche blieben als Kleinstpächter oder landlose Arbeiter; andere wehrten sich dagegen oder suchten ihr Heil anderswo.
Folgen und Bedeutung
Die Plantation of Ulster war die größte der Plantagen in Irland und hatte tiefgreifende langfristige Folgen:
- Sie veränderte die demografische und konfessionelle Zusammensetzung großer Teile Ulsters, indem sie protestantische Gemeinschaften in ehemals überwiegend katholischen Gegenden etablierte.
- Neue Städte und geplante Siedlungen entstanden; Infrastruktur und Landwirtschaftsformen änderten sich.
- Die Plantage legte den Grundstein für dauerhafte politische und soziale Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken in Ulster, die sich in späteren Jahrhunderten in verschiedenen Konflikten wiederholten.
- Viele Nachkommen der Siedler spielten eine bedeutende Rolle bei der Auswanderung nach Nordamerika im 18. Jahrhundert (Scots-Irish/Ulster Scots), wo sie das soziale Gefüge in den amerikanischen Kolonien wesentlich mitprägten.
Historiker bewerten die Plantation unterschiedlich: Manche sehen sie als geordnete Kolonisationsmaßnahme mit wirtschaftlichen Absichten, andere als Teil einer kolonialen Politik, die Landraub und kulturelle Unterdrückung beinhaltete. Unstrittig ist, dass die Plantage die Geschichte Ulsters tiefgreifend prägte und ihre Spuren bis in die Gegenwart nachwirken.

