Die Aserbaidschaner oder Aseris sind ein turksprachiges Volk, das überwiegend im Nordwesten des Iran und in der Republik Aserbaidschan lebt. Weitere bedeutende Gemeinschaften finden sich in Georgien, Russland (insbesondere in Dagestan), in der Türkei sowie historisch in Armenien. Die meisten Aserbaidschaner sind Anhänger des schiitischen Islams (schiitische Muslime), wobei es regional auch sunnitische und säkulare Strömungen sowie religiöse Minderheiten gibt.

Geschichtlicher Hintergrund

Das heutige Verbreitungsgebiet der Aserbaidschaner wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts durch die Kriege zwischen dem Kaiserreich Russland und der iranischen Qadschar-Dynastie entscheidend verändert. Nach dem Russisch-Persischen Krieg (1804–1813) und dem Russisch-Persischen Krieg (1826–1828) ging ein großer Teil des Kaukasus an das Russische Reich, wodurch das Gebiet, das heute die Republik Aserbaidschan umfasst, vom Iran getrennt wurde. Die Güter und Regionen, die im Iran verblieben, werden heute als iranisches Aserbaidschan bezeichnet. Trotz dieser Grenze stellen Nord- und Südasersbaidschaner eine gemeinsame ethnische Grundlage dar, auch wenn sich ihre Entwicklung in den fast zwei Jahrhunderten seither unterschiedlich gestaltete.

Sprache und Dialekte

Die aserbaidschanische Sprache (Azerbaijani / Azərbaycan dili) bildet das verbindende Element der aserbaidschanischen Identität. Sie gehört zur oghusischen bzw. westlichen Gruppe der Turksprachen und ist eng verwandt und in weiten Teilen gegenseitig verständlich mit Turkmenisch, Kaschgai, Gagausisch, Türkisch sowie den Dialekten der irakischen Turkmenen. Innerhalb der Sprache gibt es mehrere Dialektgruppen; die Hauptunterschiede zeigen sich zwischen Nord- (Republik Aserbaidschan) und Südaserbaidschanisch (Iran).

Schriftlich unterscheiden sich die Schreibsysteme: In der Republik Aserbaidschan wird heute das lateinische Alphabet verwendet (nach einer Phase kyrillischer Schrift in sowjetischer Zeit), im Iran wird die aserbaidschanische Sprache überwiegend mit modifizierter arabischer Schrift wiedergegeben. Diese unterschiedlichen Schriftsysteme beeinflussen Bildung, Medien und Publikationen.

Bevölkerung und Verbreitung

Schätzungen zur Bevölkerungszahl der Aserbaidschaner variieren je nach Quelle. Bedeutende Bevölkerungszentren liegen in Baku und den Regionen des Kaspischen Beckens, im Nordwestiran (Provinzen wie Ost-Aserbaidschan, West-Aserbaidschan, Ardabil und Zandschan) sowie in Teilen Georgiens und Russlands. Darüber hinaus gibt es eine nennenswerte Diaspora in der Türkei, in europäischen Ländern und in Nordamerika.

Kultur, Traditionen und Gesellschaft

  • Musik und Literatur: Die aserbaidschanische Kultur hat reiche musikalische Traditionen (z. B. Mugham) und eine lange literarische Geschichte. Klassische Dichter und moderne Schriftsteller tragen zur kulturellen Vielfalt bei.
  • Kunsthandwerk: Teppichweberei, Stickerei und andere Handwerkstraditionen haben regionale Stilunterschiede und genießen internationales Ansehen.
  • Feste und Brauchtum: Nowruz (Frühjahrsfest) und religiöse wie säkulare Feste spielen eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben.
  • Küche: Die aserbaidschanische Küche ist vielfältig und teilt viele Elemente mit den Küchen des Iran, der Türkei und des Kaukasus (z. B. Pilaw/Plov, gegrilltes Fleisch, Gewürze und Süßspeisen).

Identität und Unterschiede zwischen Nord und Süd

Obwohl Nord- und Südasersbaidschaner dieselbe ethnische Grundlage teilen, haben sich in den fast zwei Jahrhunderten nach der Trennung verschiedene politische, soziale und kulturelle Prägungen entwickelt. Die sozialen und wirtschaftlichen Systeme, Bildungspolitiken und Sprachpolitik des russisch/sowjetisch beeinflussten Nordens und des iranischen Südens führten zu Unterschieden in Alltagssprache, Medienlandschaft, politischer Partizipation und kultureller Institutionalisierung.

Politik und gesellschaftliche Lage

In der Republik Aserbaidschan ist die aserbaidschanische Sprache Staatssprache; in Iran bilden die Aserbaidschaner eine der größten ethnischen Minderheiten, wobei Fragen wie Sprachunterricht, kulturelle Rechte und regionale Autonomie immer wieder Gegenstand politischer Debatten sind. Die Beziehungen zwischen beiden Seiten der Grenze sind historisch, kulturell und familiär eng verflochten, werden aber durch staatliche Politik und internationale Beziehungen beeinflusst.

Wirtschaft und Lebensweise

Die Lebensgrundlagen reichen von städtischer Wirtschaft, Handel und Industrie (besonders in Baku und Regionalzentren) bis zu ländlicher Landwirtschaft und Viehzucht in den Provinzen. Öl- und Gasvorkommen in und um das Kaspische Meer haben insbesondere die Wirtschaft der Republik Aserbaidschan stark beeinflusst.

Zusammenfassung

Die Aserbaidschaner sind eine vielschichtige ethnische Gruppe mit gemeinsamen sprachlichen und kulturellen Wurzeln, die sich über mehrere Staaten erstreckt. Trotz gemeinsamer Identität prägen historische Trennungen, unterschiedliche staatliche Rahmenbedingungen und sprachliche Schriftsysteme regionale Unterschiede. Ihre Kultur, Sprache und Geschichte spielen eine bedeutende Rolle im regionalen Gefüge des Kaukasus und des angrenzenden Irans.