Die Baby-Boom-Galaxie ist eine 12,2 Milliarden Lichtjahre entfernte Starburst-Galaxie, also eine Galaxie mit extrem hoher Sternentstehungsrate. Starburst-Galaxien zeichnen sich dadurch aus, dass in ihnen innerhalb kurzer Zeiträume ungewöhnlich viele Sterne entstehen und dabei große Mengen an Staub und Gas in Wärme und infrarote Strahlung umgesetzt werden. Diese infrarote Helligkeit macht sie für Infrarot-Teleskope besonders auffällig.

Entdeckt wurde das Objekt vom Spitzer Science Center der NASA am California Institute of Technology. Die außergewöhnliche Helligkeit der Baby-Boom-Galaxie ist ein direkter Hinweis auf ihre extreme Aktivität: Sie ist derzeit der neue Rekordhalter unter den hellsten Starburst-Galaxien im sehr weit entfernten Universum. Solche Beobachtungen sind wichtig, weil sie uns erlauben, die frühesten Phasen der Galaxienbildung zu untersuchen, die im sichtbaren Licht oft durch Staub verdeckt sind.

Die Baby-Boom-Galaxie wurde deshalb als „die extreme Sternmaschine“ bezeichnet, weil sie überraschend viele Sterne mit einer Rate von bis zu 4.000 pro Jahr produziert. Zum Vergleich: Unsere Milchstraßen-Galaxie bildet im Durchschnitt nur etwa 10 Sterne pro Jahr. Solch hohe Raten deuten auf eine sehr dichte Ansammlung von Gas und Staub hin, aus dem die Sterne entstehen.

Bei diesem Tempo würde die Galaxie in nur etwa 50 Millionen Jahren so viel Masse in Sterne umwandeln, dass sie einem der massereichsten Galaxien ähnelt, die jemals beobachtet wurden. Das ist ein sehr kurzer Zeitraum in kosmischen Maßstäben und erklärt, warum solche Systeme als „Starbursts“ bezeichnet werden: die STERNentstehung erfolgt kurz, aber extrem heftig.

Die Entdeckung stellt das akzeptierte Modell der Galaxienentstehung teilweise in Frage. Das gängige, hierarchische Modell beschreibt oft ein langsames „Aufwachsen“ vieler Galaxien durch wiederholte Verschmelzungen und das schrittweise Anhäufen von Masse. Die Baby-Boom-Galaxie zeigt dagegen, dass zumindest einige sehr massereiche Galaxien bereits sehr früh im Universum durch schnelle, in situ ablaufende Sternbildung entstehen können. Möglich ist, dass ein heftiger Galaxienzusammenstoß, ein schneller Einfall von kaltem Gas oder eine andere, noch nicht vollständig verstandene physikalische Ursache diesen Ausbruch ausgelöst hat.

Ein weiterer ungewöhnlicher Aspekt ist die Tatsache, dass Wissenschaftler diese Galaxie zu einer Zeit beobachten, als das Universum erst etwas mehr als 1,4 Milliarden Jahre alt war. Offensichtlich war die Galaxie bereits sehr aktiv, als das Universum noch in seinen frühen Entwicklungsphasen steckte. Solche frühen, extremen Starbursts liefern wichtige Hinweise darauf, wie sich die ersten massereichen Galaxien und später die riesigen elliptischen Galaxien gebildet haben könnten.

"Diese Galaxie erlebt einen großen Babyboom und produziert die meisten ihrer Sterne auf einmal", sagte Peter Capak vom Spitzer Science Center der NASA. Darauf antwortete der Hauptforscher des Cosmic Evolution Surveyor, Nick Scoville von Caltech: "Vielleicht werden wir zum ersten Mal Zeuge der Entstehung einer der massereichsten elliptischen Galaxien im Universum".

Die Entdeckung wirft mehrere offene Fragen auf: Wie viel der beobachteten Strahlung stammt tatsächlich von jungen Sternen, und wie viel von aktiven galaktischen Kernen (falls vorhanden)? Wie lange kann ein solcher Starburst anhalten, und welche Rolle spielen Umgebung, Gaszufuhr und Verschmelzungen? Um diese Fragen zu beantworten, sind Folgebeobachtungen in verschiedenen Wellenlängen nötig. Insbesondere Messungen im Millimeter- und Submillimeterbereich sowie hochauflösende Infrarot-Spektroskopie könnten Aufschluss über die Gasmenge, die Metallizität und die genaue Rotverschiebung geben.

Beobachtungen mit leistungsfähigen Instrumenten wie dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) oder dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) wären besonders wertvoll, um die physikalischen Bedingungen in der Baby-Boom-Galaxie genauer zu bestimmen. Solche Studien helfen nicht nur, dieses einzelne Objekt besser zu verstehen, sondern verbessern insgesamt unser Bild davon, wie und wann die ersten großen Galaxien im Universum entstanden sind.