Republik China (1912–1949): Geschichte, Kriegsherren, KMT und Bürgerkrieg
Republik China (1912–1949): Aufstieg, Kriegsherren, KMT, Bürgerkrieg und Japankrieg – politische Umbrüche, Sun Yat-sen, Chiang Kai-shek und die Wege zur Volksrepublik.
Die Republik China (auch kurz ROC genannt) war der Staatsaufbau, der nach dem Sturz der Qing-Dynastie 1912 auf dem chinesischen Festland errichtet wurde. Formal entstand die Republik im Januar 1912 nach der Xinhai-Revolution; als eine der führenden Persönlichkeiten der Revolution gilt Sun Yat-sen, der als erster provisorischer Präsident fungierte. Die politische Landschaft blieb jedoch in den folgenden Jahrzehnten äußerst instabil: verschiedene Militär- und Regionalführer, die nationalistische Partei sowie die kommunistische Bewegung und schließlich die Invasion Japans prägten die Geschichte dieser Periode.
Gründung und frühe Jahre (1912–1916)
Am 1. Januar 1912 wurde die Republik China proklamiert. Zwar gewann Suns Partei, die Kuomintang (KMT), die Parlamentswahlen im Dezember 1912, doch wichtige Machtpositionen lagen bald in den Händen militärischer Führer. Sun Yat-sen trat zugunsten von Yuan Shikai zurück, dem Anführer der Beiyang-Armee, damit dieser die Abspaltung der Qing-Anhänger in Peking verhindern konnte. Yuan etablierte bald die sogenannte Regierung von Beiyang mit Sitz in Peking und de facto Kontrolle über große Teile Nordchinas (darunter faktische Einflussnahme auf die Mongolei).
Zwischen Ende 1915 und Anfang 1916 erklärte sich Yuan Shikai kurzzeitig selbst zum Kaiser — ein Schritt, der breite Empörung auslöste und in den sogenannten Nationalen Schutzkrieg mündete. Nach dem Scheitern dieses Versuches und nach Yua ns Tod 1916 zerfiel die zentrale Autorität: Die sogenannte Ära der Kriegsherren begann.
Ära der Kriegsherren (1916–1928)
Mit dem Tod Yuans zerfiel die Zentralgewalt und zahlreiche regionale Militärführ er (die „Kriegsherre n“) versuchten, ihre Machtbereiche auszubauen. Die Regierung in Peking (Beiyang-Regierung) war politisch schwach und bürokratisch zersplittert. In vielen Regionen führten lokale Mächte eigene Außen- und Innenpolitik, und bewaffnete Konflikte zwischen rivalisierenden Cliquen waren häufig. Diese Periode wird allgemein als Warlord Era bezeichnet.
Parallel dazu formierten sich republikanische und revolutionäre Parteien neu. 1921 schuf die KMT eine rivalisierende Regierung in Kanton, die zu einem Zentrum oppositioneller Politik wurde. Zugleich war dies die Zeit, in der die Kommunistische Partei Chinas (KPC) an Bedeutung gewann; die wechselnden Bündnisse, Rivalitäten und die internationale Einbindung (u. a. sowjetische Kontakte) prägten die folgenden Jahre.
Aufstieg der KMT, Nordexpedition und Bruch mit der KPCh (1924–1928)
Nach dem Tod von Sun Yat-sen übernahm General Jiang Jieshi (auch Chiang Kai-shek genannt) schrittweise die Führung der KMT. Mit dem Ziel, China zu vereinigen und die Kriegsherren zu besiegen, startete er 1926 die sogenannte Nordexpedition. Die Kampagne hatte militärischen und politischen Erfolg: Bis 1928 konnte die KMT viele Provinzen unter ihre Kontrolle bringen und die Beiyang-Regierung weitgehend stürzen.
Im April 1927 setzte Jiang Jieshi eine nationalistische Regierung in Nanjing ein. Kurz zuvor — und als Wendepunkt — kam es in Shanghai zum sogenannten „Shanghai-Massaker“ (April 1927), als KMT-Truppen und rechte Milizen Kommunisten und linken Gewerkschaftsaktivisten massenhaft verfolgten und töteten. Dieses Ereignis beendete faktisch die erste Zusammenarbeit zwischen KMT und KPC und trieb viele Kommunisten in den Untergrund oder zur bewaffneten Rebellion; es gilt als einer der Auslöser des späteren chinesischen Bürgerkriegs.
Industrialisierung, Modernisierung und innenpolitische Spannungen
In den 1920er und 1930er Jahren erlebte Teile Chinas — insbesondere die Küstenstädte und einige Binnenzentren — wirtschaftliche Modernisierung und Industrialisierung. Die nationalistische Regierung versuchte, staatliche Verwaltungsstrukturen aufzubauen, Infrastrukturprojekte durchzuführen und Bildung zu reformieren. Gleichzeitig blieb die politische Kontrolle in vielen Regionen schwach; Konflikte zwischen der nationalistischen Regierung in Nanking, der KPC, lokalen Kriegsherren und schließlich dem aufstrebenden Kaiserreich Japan belasteten Wirtschaft und Gesellschaft.
Invasion Japans und zweiter chinesisch-japanischer Krieg (1937–1945)
Die Spannungen mit Japan eskalierten in den 1930er Jahren, nachdem Japan Teile Nordchinas besetzt hatte. 1937 fiel die kaiserlich japanische Armee großflächig in China ein; der zweite chinesisch-japanische Krieg begann offiziell im Sommer 1937 (Ausgangspunkt häufig: Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke). Die Invasion führte zu massiven Kämpfen, Zerstörungen und schweren Kriegsverbrechen (u. a. das Massaker von Nanking).
Während des Krieges bildeten KMT und KPC zeitweise eine lose Zusammenarbeit gegen die gemeinsame Invasionsmacht; die nationalistische Regierung verlegte ihren Sitz ins Landesinnere (u. a. Chongqing wurde zur Kriegs-Hauptstadt). Der Krieg verursachte enorme menschliche Verluste, Vertreibungen und wirtschaftliche Schäden.
1945 kapitulierte Japan am Ende des Zweiten Weltkriegs und zog seine Truppen aus China zurück. Die Entfaltung der Nachkriegsordnung schuf jedoch keinen dauerhaften Frieden zwischen KMT und KPC.
Wiederaufflammen des Bürgerkriegs und Gründung der Volksrepublik (1946–1949)
Nach dem Ende des Krieges kam es schnell zu neuen Spannungen und Wiederaufnahme der Kampfhandlungen zwischen KMT und KPCh. Offene Kämpfe und großangelegte Militärkampagnen bestimmten die Jahre 1946–1949. Die KPCh, organisiert und mit Unterstützung aus ländlichen Gebieten, errang in dieser Phase entscheidende Siege.
1949 war die militärische Position der KPCh so stark, dass die Kommunisten die Kontrolle über weite Teile des Festlandes errangen und am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China (VR China) ausriefen. Die nationale Regierung der Republik China unter Jiang Jieshi verlor schließlich die Kontrolle über das Festland; Jiang und viele Angehörige der KMT flohen nach Taiwan, wo die Republik China als politische Einheit weiterbestand.
Erbe und Folgen
- Die Periode 1912–1949 war von tiefgreifenden politischen Umwälzungen, sozialer Mobilisierung und ökonomischer Modernisierung, aber auch von großen Leiden und Zerstörung geprägt.
- Die Gründung der VR China 1949 markierte das Ende der Herrschaft der KMT auf dem Festland, zugleich setzte sich die Regierung der Republik China auf Taiwan fort — ein Umstand, der bis heute politische und rechtliche Fragen in der Region beeinflusst.
- Viele Reformen, Institutionen und Modernisierungsversuche aus dieser Zeit legten Grundlagen für die weitere Entwicklung Chinas, während die langjährigen inneren Konflikte und die kriegerischen Erfahrungen die politische Kultur tief prägten.
Wichtige Persönlichkeiten dieser Epoche sind neben Sun Yat-sen und Jiang Jieshi zahlreiche Militärführer der Beiyang-Armee, lokale Kriegsherren sowie Führer der Kommunistischen Partei Chinas. Die Zeit von 1912 bis 1949 bleibt eine zentrale Phase in der modernen chinesischen Geschichte, in der sich die Grundlinien der politischen Ordnung abzeichneten, die das 20. Jahrhundert in Ostasien bestimmen sollten.
Fragen und Antworten
F: Was war die Republik China?
A: Die Republik China (ROC) war ein Land, das zwischen 1912 und 1949 existierte. Sie wurde gegründet, nachdem die Xinhai-Revolution die Qing-Dynastie gestürzt hatte und Sun Yat-sen ihr erster Präsident wurde.
F: Wer führte die Beiyang-Regierung an?
A: Die Beiyang-Regierung wurde von Yuan Shikai, dem Anführer der Beiyang-Armee, kontrolliert.
F: Was geschah, als Yuan Shikai sich zum Kaiser von China erklärte?
A: Als Yuan Shikai sich Ende 1915 bis Anfang 1916 zum Kaiser von China erklärte, akzeptierte das Volk dies nicht und es kam zum Nationalen Schutzkrieg.
F: Worunter litt die Wirtschaft Nordchinas in den Jahren 1927-1928?
A: Nordchina litt unter Überbesteuerung und zu vielen Kriegsherren, die sich gegenseitig bekämpften, wodurch die Wirtschaft in den Jahren 1927-1928 zum Erliegen kam.
F: Wer wurde nach dem Tod von Sun Yat-sen Führer der Kuomintang?
A: Nach dem Tod von Sun Yat-sen wurde General Jiang Jieshi (Chiang Kai-Shek) Führer der Kuomintang.
F: Wie reagierte Jiang Jieshi auf die Kommunistische Partei Chinas (KPCh)?
A: Im April 1927 schuf Jiang Jieshi eine nationalistische Regierung in Nanjing und massakrierte Kommunisten in Shanghai als Antwort auf die KPC, was diese zu einer bewaffneten Rebellion zwang und den chinesischen Bürgerkrieg auslöste.
F: Welches Ereignis markierte das Ende des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges?
A: Der Zweite Chinesisch-Japanische Krieg endete mit der Kapitulation Japans am Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945.
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