Tennessin (früher Ununseptium) ist ein superschweres künstliches chemisches Element mit dem Symbol Ts und der Ordnungszahl 117. Momentan ist es das zweitschwerste bekannte Element und steht in der Gruppe 17 des Periodensystems, in der sich die Halogene befinden. Da nur sehr wenige Atome hergestellt wurden, sind viele seiner Eigenschaften noch nicht experimentell bestätigt; die Aussagen dazu beruhen größtenteils auf theoretischen Berechnungen und auf den beobachteten Zerfallsfolgen.
Entdeckung und Synthese
Die Entdeckung von Tennessin wurde 2010 bekanntgegeben. Forscher des Joint Institute for Nuclear Research (Dubna, Russland) arbeiteten in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten, unter anderem dem Lawrence Livermore National Laboratory, an der Erzeugung dieses Elements. Tennessin wurde durch Kernfusion hergestellt, wobei Berkelium-249 (als Zielmaterial) mit Ionen des leichten Isotops Calcium-48 beschossen wurde. Aus diesen Experimenten gingen nur einige wenige Atome hervor, deren Zerfallsketten ausgewertet wurden, um die Entdeckung zu bestätigen.
Benennung
Ursprünglich trug das Element die vorläufige Bezeichnung Ununseptium (Uus). 2016 bestätigte die International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) den offiziellen Namen Tennessin (Symbol Ts) zu Ehren des US-Bundesstaates Tennessee und der dortigen Forschungsbeiträge, darunter Einrichtungen wie das Oak Ridge National Laboratory und Universitäten aus Tennessee.
Isotope und Zerfall
Bislang wurden nur einige kurzlebige Isotope von Tennessin hergestellt. Diese Nuklide zerfallen sehr schnell (typischerweise innerhalb von Millisekunden bis Sekunden) überwiegend durch Alpha-Zerfall oder spontane Kernspaltung. Aufgrund der kurzen Halbwertszeiten sind experimentelle Untersuchungen der chemischen und physikalischen Eigenschaften aufwändig und stark eingeschränkt.
Chemische und physikalische Eigenschaften
Tennessin steht formal in der Gruppe der Halogene, sodass man ähnliche chemische Eigenschaften erwarten würde (z. B. eine p5-Elektronenkonfiguration in der äußersten Schale). Theoretische Vorhersagen geben als Elektronenkonfiguration etwas in der Art von [Rn]5f14 6d10 7s2 7p5 an. Allerdings spielen bei superschweren Elementen starke relativistische Effekte eine Rolle, die die Elektronenbindung und damit die chemische Reaktivität verändern können. Deshalb könnte Tennessin weniger reaktiv sein als leichtere Halogene und teilweise metallische Eigenschaften zeigen; eine genaue Einordnung (klassisches Halogen vs. Metalloid) bleibt offen.
Vorkommen und Anwendungen
Tennessin kommt in der Natur nicht vor und kann bislang nur in spezialisierten Labors in winzigen Mengen erzeugt werden. Aufgrund der extrem kurzen Lebensdauer der bekannten Isotope hat das Element keine praktischen Anwendungen und ist ausschließlich von wissenschaftlichem Interesse für die Erforschung der Kernphysik und der Grenzen des Periodensystems.
Forschungsperspektiven
Weitere Experimente zielen darauf ab, zusätzliche Isotope zu erzeugen, Zerfallsdaten zu verfeinern und erste chemische Untersuchungen durchzuführen (z. B. Gasphasenchemie an einzelnen Atomen). Solche Ergebnisse helfen, theoretische Modelle zu testen und die Einordnung von Tennessin im Periodensystem besser zu verstehen.

