Dornen, Stacheln und Co.: Definition, Unterschiede und Funktion

Dornen, Stacheln & Co.: Definition, Unterschiede und Funktionen — wie Pflanzen sich schützen, Beispiele (Akazie, Giraffe) und praktische Bestimmungshilfen.

Autor: Leandro Alegsa

Botaniker unterscheiden drei verschiedene Typen scharfer Vorsprünge an Pflanzen: Dornen, Stacheln und epidermale Auswüchse (oft ebenfalls als „Stacheln“ bezeichnet, im Englischen „prickles“). Die Begriffe werden im Alltag oft vermischt, haben aber unterschiedliche Herkunft und Bauweise.

Was ist was?

Dornen sind umgewandelte Triebe oder Zweigenden. Typisch ist, dass Dornen eine Verbindung zum Leitgewebe (Holz- und Bastgefäße) des Sprosses haben und daher nicht einfach abreißen. Ein Beispiel dafür sind die stacheligen Enden mancher Sträucher: Dornen sind die Enden von Zweigen, die hart und spitz ausgebildet sind.

Stacheln (im botanischen Sinn oft: Blatt- oder Blattteilstacheln) entstehen aus umgewandelten Blättern, Blattstielen oder Nebenblättern. Es gibt viele verschiedene Arten dieser Stacheln: einige sitzen direkt an Blättern, andere wachsen anstelle von Blättern (wie bei manchen Kakteen, bei denen die Blätter zu Stacheln reduziert sind).

Epidermale Auswüchse / Prickles sind Ausstülpungen der Rinde oder Epidermis und gehören nicht zum Leitgewebe. Sie sitzen an der Oberfläche von Stängeln oder Blättern und lassen sich meist leichter abbrechen als Dornen oder Blattstacheln. Ein bekanntes Beispiel sind die „Stacheln“ der Rose (Rosenstacheln), die technisch gesehen epidermale Auswüchse sind und nicht zu den echten Dornen zählen. Solche Auswüchse befinden sich an der Außenseite der Stängel und dienen ähnlichen Funktionen wie Dornen.

Wie unterscheidet man sie praktisch?

  • Bricht man den Vorsprung ab und sieht eine Verbindung zu Holzkörper oder Leitgefäßen, handelt es sich meist um einen Dornen (umgewandelter Trieb).
  • Ist der Vorsprung an einer Blattbasis oder wirkt er wie ein verändertes Blatt, spricht man von einem Blattstachel.
  • Lässt sich der Vorsprung leicht von der Oberfläche abziehen und hinterlässt nur eine Hautverletzung, ist es wahrscheinlich ein epidermaler Stachel / Prickle.

Funktionen und Beispiele

Die Hauptfunktion dieser Strukturen ist meist der Schutz vor Fraßfeinden (Abwehr von Pflanzenfressern). Weitere Funktionen können sein:

  • Verminderung von Wasserverlust: Bei Sukkulenten und Kakteen reduzieren dünne Stacheln die Blattoberfläche und schaffen Schatten sowie einen schützenden Boundary-Layer gegen Austrocknung.
  • Kletterhilfe: Bei manchen Pflanzen helfen stachelige Auswüchse, sich an Trägern festzuhalten.
  • Schattierung und Temperaturregulierung: dichte Stachelbestände können Blattoberflächen abschirmen.

Ein Beispiel für Koevolution ist die Wechselwirkung zwischen manchen Akazien und Pflanzenfressern: Einige Pflanzen und Tiere — zum Beispiel der Akazienbaum und die Giraffe — haben sich als Reaktion aufeinander entwickelt. Die Pflanzen entwickelten sehr lange oder dornige Schutzstrukturen, während Tiere Verhaltens- oder anatomische Anpassungen (z. B. lange Zungen oder spezielle Fressstrategien) entwickelten, um trotzdem an die Nahrung zu gelangen.

Praktische Bedeutung

Für Garten- und Landschaftspflege ist die Unterscheidung wichtig: Dornen, Blattstacheln und epidermale Stacheln reagieren unterschiedlich auf Schnittmaßnahmen und Heilung. Beim Sammeln oder Arbeiten mit stacheligen Pflanzen sind Schutzhandschuhe und geeignete Werkzeuge ratsam.

Zusammenfassend: Auch wenn alle drei Arten scharf wirken, unterscheiden sie sich in Entstehung, Bau und Festigkeit. Diese Unterschiede erklären, warum sich bestimmte Pflanzen gegen Fraß schützen, andere Wasser sparen oder sich an Kletterhilfen festhalten können.

Galerie

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Stacheln an Rosenstielen

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Ein Dorn ist ein Ast mit einer scharfen Spitze

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Die Stacheln dieses Ocotillo waren abgestorbene Blätter

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Die Stacheln dieser Akazie wachsen unter den Blättern (im Bild ist der Stängel seitlich)



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