Die Washington National Cathedral ist eine Kathedrale der Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten und dient als Sitz der Diözese Washington. Der Kongress erklärte sie offiziell zum konfessionslosen Nationalen Gebetshaus. Die Kathedrale befindet sich in Washington, D.C., der Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Sie wurde zwischen 1907 und 1990 erbaut und gilt als eine der größten Kathedralen Nordamerikas: sie wird oft als sechstgrößte Kathedrale der Welt und als zweitgrößte in den Vereinigten Staaten bezeichnet.
Architektur und Ausstattung
Die Kathedrale wurde im neugotischen Stil errichtet und orientiert sich an englischen Kathedralbauten. Entwürfe und Bauleitung lagen anfangs bei englischen und amerikanischen Architekten; große Teile der Planung und der langen Bauzeit wurden von Architekten wie George Frederick Bodley, Henry Vaughan und später Philip Hubert Frohman geprägt. Als Baumaterial wurde überwiegend heller Kalkstein (u. a. aus Indiana) verwendet. Charakteristisch sind das querschiffartige Langhaus (Nave), Spitzbögen, Maßwerkfenster, Strebebögen und zahlreiche plastische Verzierungen.
Die Kathedrale beherbergt zahlreiche Kapellen, Gedenktafeln, Glasfenster und Kunstwerke. Besonders bekannt ist unter anderem das sogenannte Space Window, ein Fenster, in das ein kleines Stück Mondgestein eingefasst wurde. Zu den modernen Eigenheiten gehören auch zahlreiche groteske Wasserspeier und Figuren – darunter eine weithin bekannte, moderne Groteske, die als Anspielung auf Popkultur (u. a. ein "Darth Vader"-motivierter Wasserspeier) Aufmerksamkeit fand.
Erdbeben 2011 und Wiederaufbau
Am Dienstag, 23. August 2011, wurde der zentrale Turm der Kathedrale durch ein Erdbeben beschädigt. Ein Erdbeben der Stärke 5,8 traf den Norden Virginias; das Epizentrum lag etwa 135 km (84 mi) von Washington D.C. entfernt. Das Beben riss einige der kreuzförmigen Aufsätze (sogenannte „Finials“ oder Dach- und Turmspitzen) ab. Diese dekorativen Spitzen an Zinnen und Türmen wurden teilweise beschädigt; eine Spitze kippte zur Seite. Das Innere der Kathedrale blieb glücklicherweise ohne schwere strukturelle Schäden, doch die Fassade und viele Steinornamente zeigten Risse und Abplatzungen.
Beamte erklärten, dass die Reparatur der Schäden Millionen von Dollar kosten würde. Ein Teil der Schäden war nicht durch die Versicherung gedeckt, sodass umfangreiche Fundraising-Aktionen und Spenden nötig waren. Die Reparaturmaßnahmen dauerten mehrere Jahre und wurden abschnittsweise durchgeführt. Vorübergehende Sperrungen von Teilen der Kathedrale und Gerüstaufbauten waren Teil der Arbeiten. Vor dem Eintreffen des Hurrikans Irene gab es Befürchtungen, dass weitere Schäden entstehen könnten; letztlich verursachte der Hurrikan keine zusätzlichen Schäden an der Kathedrale.
Staatliche Zeremonien, Beerdigungen und Gedenkfeiern
Die Washington National Cathedral ist ein häufiger Ort für nationale Gottesdienste, Gedenkfeiern und staatliche Zeremonien. In der Kathedrale fanden Staatsbegräbnisse für drei amerikanische Präsidenten statt:
- Dwight Eisenhower (1969): Eisenhower lag in der Kathedrale in Ruhe, bevor er beigesetzt wurde. Sein Staatsakt
- Ronald Reagan (2004)
- Gerald Ford (2007)
Darüber hinaus fanden in der Kathedrale Gedenkfeiern oder Trauergottesdienste für die Präsidenten Warren G. Harding, WilliamTaft, Calvin Coolidge, Harry S. Truman und Richard M. Nixon statt. Die Kathedrale dient häufig als neutraler Ort für nationale Trauer, ökumenische Gottesdienste und Versammlungen, etwa anlässlich nationaler Tragödien oder Jubiläen.
Besuch und Bedeutung heute
Die Washington National Cathedral ist eine aktive Kirche mit regelmäßigem Gottesdienstbetrieb, Konzerten, Bildungsprogrammen und Führungen für Besucher. Als nationales Gebetshaus hat sie eine überregionale Bedeutung: Sie steht für religiöse Vielfalt und nationale Erinnerungskultur. Touristen schätzen die Architektur, die Glasmalereien und die Aussicht von manchen Turmterrassen (wenn diese geöffnet sind).
Wegen ihres historischen, kulturellen und religiösen Wertes bleibt die Kathedrale ein wichtiges Symbol in Washington, D.C. und ein Ort, an dem Gemeindeleben, nationaler Gedenkakt und künstlerisches Erbe zusammenkommen.


