Karl X. (1757-1836), König von Frankreich und Navarra (1824-30). Er war der Enkel von Ludwig XV. und jüngerer Bruder der Könige Ludwig XVI. und Ludwig XVIII. Charles war als Charles Philippe, Comte d'Artois, bekannt, bis er König wurde. Während der Französischen Revolution war er einer der Führer der Emigranten. Charles X. war der letzte hochrangige Bourbon, der Frankreich regierte.

Frühes Leben und Familie

Charles-Philippe de Bourbon, später Karl X., wurde am 9. Oktober 1757 geboren. Er entstammte der Linie der Bourbons und wuchs am Hof des Ancien Régime auf. Als jüngerer Bruder von Ludwig XVI. und Ludwig XVIII nahm er früh eine konservative, monarchistische Haltung ein. Er heiratete eine Prinzessin aus dem Haus Savoyen und führte den Titel Comte d'Artois, bevor er 1824 den Thron bestieg.

Emigration und Rolle in der Gegenrevolution

Während der Revolution verließ er Frankreich und schloss sich den Emigranten an. In der Folge beteiligte er sich an Versuchen, die Monarchie mit Hilfe ausländischer Mächte und royalistischer Milizen wiederherzustellen. Diese Jahre im Exil prägten seine Haltung: Er war entschlossen, die alte Ordnung und die Privilegien von Königshaus und Kirche wiederherzustellen.

Rückkehr und Regierungsübernahme

Nach dem Sturz Napoleons und der Restauration der Bourbonen kehrte Charles nach Frankreich zurück. Nach dem Tod seines Bruders Ludwig XVIII bestieg er am 16. September 1824 den Thron als Karl X. Seine Herrschaft stand im Zeichen eines Rechtsrucks: Er stellte sich offen auf die Seite der Ultras, also der sehr konservativen und legitimistischen Kräfte, und versuchte, kirchliche und adelige Interessen zu stärken.

Politik und Maßnahmen (1824–1830)

  • Restaurationspolitik: Karl X. förderte die Kirche und traf Maßnahmen zugunsten ehemaliger Emigranten. 1825 wurde eine große Entschädigung für Emigranten beschlossen (bekannt als die „Loi du milliard“), was bei vielen Bürgern auf Ablehnung stieß.
  • Innenpolitik: Seine Regierung gab den Ultras großen Einfluss, verfolgte konservative Kultur- und Religionspolitik und versuchte, die monarchische Autorität zu stärken. Diese Politik entfremdete viele gemäßigte Liberale und die aufstrebende urbane Mittelschicht.
  • Presse und Parlament: Spannungen zwischen Krone, Parlament und Presse wuchsen. Regierung und Parlament gerieten immer wieder in Konflikt über die Reichweite der Verfassungsrechte und die Rolle der Presse.
  • Öffentliche Reaktion: Karls Maßnahmen führten zu wachsender Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung, besonders in Städten wie Paris.

Die Julirevolution von 1830 und Sturz

Als Reaktion auf den Widerstand erließ Karl X. im Juli 1830 die sogenannten Ordinanzen von Saint-Cloud (Ordonnances), mit denen er unter anderem die Pressefreiheit einschränkte, die bevorstehende Wahlherrschaft änderte und die Kammer auflöste. Diese Verfügungen lösten die Dreitägige Julirevolution (Les Trois Glorieuses, 27.–29. Juli 1830) aus. Straßenkämpfe, Barrikaden und massive Proteste führten zum Zusammenbruch seiner Autorität.

Am 2. August 1830 dankte Karl X. zugunsten seines Enkelsohns, des Grafen von Chambord (Henri), ab. In der Praxis übernahm jedoch die liberale Linie der Orléans-Familie mit Louis-Philippe die Macht, und die Bourbonenherrschaft in ihrer alten Form war beendet.

Exil und Tod

Nach seiner Abdankung ging Karl X. ins Exil. Zunächst verließ er Frankreich und lebte im Ausland, bis er am 6. November 1836 in Gorizia (damals Teil des Kaisertums Österreich) starb. Sein Tod markierte das Ende einer aktiven Rolle der alten Linie der Bourbons in der französischen Politik; die dynastische Legitimistenbewegung hielt jedoch an seinem Enkel als rechtmäßigen König fest.

Bedeutung und historische Bewertung

Karl X. bleibt eine umstrittene Persönlichkeit der französischen Geschichte. Für Legitimisten symbolisierte er die Kontinuität der traditionellen Monarchie und die Verteidigung staatlicher und kirchlicher Ordnungen. Für viele Liberale und Bürgerliche steht seine Herrschaft aber für das Scheitern einer rückwärtsgewandten Politik, die den politischen und sozialen Wandel des 19. Jahrhunderts nicht erkannte. Sein Sturz 1830 markierte den Übergang zu einer anderen Form konstitutioneller Monarchie unter Louis-Philippe und veränderte die politische Landschaft Frankreichs dauerhaft.

Wichtigste Daten in Kürze:

  • Geburt: 9. Oktober 1757
  • Regierungszeit: 16. September 1824 – 2. August 1830
  • Abdankung: 2. August 1830 (zugunsten seines Enkels Henri, Graf von Chambord)
  • Tod: 6. November 1836