Douglas Haig – britischer Feldmarschall und Oberbefehlshaber 1915–1918

Douglas Haig – Feldmarschall und britischer Oberbefehlshaber 1915–1918. Rolle bei Somme & Passchendaele, umstrittene Bilanz zwischen Kritik und Verteidigung der Militärführung.

Autor: Leandro Alegsa

Feldmarschall Douglas Haig, 1st Earl Haig KT GCB OM GCVO KCIE ADC (geboren am 19. Juni 1861 in Edinburgh, Schottland, gestorben am 29. Januar 1928 in London) war ein General der britischen Armee im Ersten Weltkrieg. Er erreichte den Rang des Feldmarschalls und wurde nach dem Krieg in den Adelsstand erhoben (1st Earl Haig).

Militärische Laufbahn und Aufstieg

Haig hatte eine lange militärische Laufbahn, die ihn im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zu einem erfahrenen Offizier machte. Vor dem Ersten Weltkrieg diente er in verschiedenen Einheiten und Stäben und sammelte Erfahrung in Führung, Organisation und Planung. Durch diese Laufbahn erwarb er sich das Vertrauen der Militärführung und der politischen Entscheidungsträger, was schließlich zu seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte an der Westfront führte.

Oberbefehlshaber an der Westfront (1915–1918)

Von 1915 bis zum Kriegsende war er Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Frankreich. In dieser Zeit führte er die britischen Truppen in mehreren der bedeutendsten und verlustreichsten Schlachten des Krieges, darunter die Somme-Schlacht, die dritten Schlacht von Ypern (Passchendaele), die deutsche Frühjahrsoffensive 1918 und schließlich die erfolgreiche letzte Hunderttage-Offensive, die zum Waffenstillstand führte. Unter seiner Führung musste die britische Armee massive personelle, materielle und logistische Herausforderungen bewältigen; gleichzeitig wurde unter Haigs Oberbefehl die britische Armee weiter professionalisiert und zu einer modernen, schlagkräftigen Kraft ausgebaut.

Strategie, Technik und Modernisierung

Haigs Führungszeit war geprägt von der Entwicklung neuer Kriegstechniken und dem zunehmenden Einsatz moderner Waffentechnologien. Unter seiner Leitung wurde die Kombination von Artillerie, Infanterie, Panzern und Luftunterstützung (vor allem gegen Ende des Krieges) verstärkt erprobt. Viele Historiker weisen darauf hin, dass Haig eine wichtige Rolle dabei spielte, die britische Armee auf die Nutzung von Panzern, besserer Artilleriekoordination, verbesserten Nachschubrouten und der Zusammenarbeit mit den Verbündeten auszurichten.

Kontroversen und Kritik

Haig ist bis heute eine der umstrittensten Persönlichkeiten der britischen Militärgeschichte. Historiker und Zeitgenossen stritten darüber, ob seine Strategien unvermeidlich waren oder unnötig hohe Verluste verursachten. In den Jahren nach dem Krieg war Haig lange populär, doch in den Jahrzehnten danach formierte sich scharfe Kritik. Gegner warfen ihm taktische Starrheit, ein Festhalten an verlustreichen Frontalangriffen und Verantwortung für die hohen Verluste bei, insbesondere an der Somme und in Passchendaele. Aufgrund dieser Vorwürfe erhielt er Spitznamen wie „Schlächter Haig“ oder „der Schlächter der Somme“. Auch Politiker wie David Lloyd George, der Premierminister in den späteren Kriegsjahren, standen in Kritik an einzelnen Entscheidungen Haigs. Ein bekanntes kritisches Werk ist Alan Clarks Buch The Donkeys (1961), das die populäre Vorstellung von „Löwen, die von Eseln geführt werden“ prägte.

Verteidigung und differenzierte Bewertungen

Gleichzeitig gibt es zahlreiche Historiker und Zeitzeugen, die Haig verteidigen oder eine differenziertere Einschätzung fordern. Befürworter betonen, dass Haig unter sehr schwierigen politischen und strategischen Rahmenbedingungen operierte, dass die materielle und personelle Überlegenheit der Mittelmächte nicht immer gegeben war und dass die Gesamtkonzeption – insbesondere die spätere Entwicklung hin zu koordinierten, kombinierten Operationen – entscheidend zum Sieg der Entente beitrug. Autoren wie John Bourne heben hervor, dass Haig die Einführung und Nutzung neuer Waffen und Technologien förderte. John Terraine argumentiert, die hohen Verluste seien im Kontext eines industrialisierten Stellungskriegs zu sehen; Gordon Corrigan weist darauf hin, dass Großbritannien als Prozentsatz der Bevölkerung geringere relative Verluste hatte als einige Kontinentalmächte.

Nachkriegszeit, Wohlfahrt und Vermächtnis

Nach dem Krieg engagierte sich Haig in Veteranenangelegenheiten und war an Organisationen beteiligt, die ehemalige Soldaten unterstützten. Er wurde für seine Verdienste mehrfach ausgezeichnet und blieb bis zu seinem Tod 1928 eine öffentliche Figur. Sein Erbe ist ambivalent: Auf der einen Seite wird er als Architekt der britischen Kriegsanstrengungen und als Motor für Modernisierung gesehen; auf der anderen Seite steht die Erinnerung an enorme menschliche Verluste unter seiner Führung. In der historischen Forschung hat sich über die Jahrzehnte eine differenziertere Debatte entwickelt, die sowohl Haigs Fehler als auch seine Beiträge und die strukturellen Zwänge seiner Zeit berücksichtigt.

Fazit

Douglas Haig bleibt eine Figur, deren Beurteilung stark von der Gewichtung unterschiedlicher Aspekte abhängt: taktische Entscheidungen, strategischer Kontext, technischer Fortschritt und politische Zwänge. Die Diskussion über seine Rolle im Ersten Weltkrieg zeigt, wie komplex die Bewertung führender Militärs in einer Epoche des schnellen Wandels der Kriegführung ist. In der historiografischen Debatte sind sowohl kritische als auch verteidigende Positionen vertreten, und moderne Studien tendieren dazu, Haig ambivalent zu sehen—als sowohl produktiven Modernisierer als auch Kommandeur, dessen Entscheidungen schwerwiegende menschliche Kosten hatten.

Douglas Haig im Jahre 1919Zoom
Douglas Haig im Jahre 1919

Fragen und Antworten

F: Wer war Douglas Haig?


A: Douglas Haig war ein britischer Armeegeneral im Ersten Weltkrieg. Er diente von 1915 bis zum Ende des Krieges als Oberbefehlshaber der britischen Streitkräfte in Frankreich und führte sie vor allem in den großen Schlachten an der Somme, in Passchendaele und in der Hundert-Tage-Offensive.

F: Was wurde über Haigs Leistung als General diskutiert?


A: Historiker haben oft darüber debattiert, ob Haig ein guter General war oder nicht. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg war er beliebt, aber einige spätere Historiker und Politiker schrieben Bücher, in denen sie ihn für seine Fehler kritisierten, die zu hohen Verlusten unter den britischen Truppen in Schlachten wie an der Somme und in Passchendaele führten. Diese Kritik brachte ihm Spitznamen wie 'Schlächter Haig' oder 'der Schlächter der Somme' ein.

F: Wer hat eines der bekanntesten Bücher geschrieben, in dem Haig kritisiert wird?


A: Alan Clark schrieb eines der bekanntesten Bücher über Haig mit dem Titel The Donkeys (1961). Dieses Buch ist Teil dessen, was als 'Löwen, die von Eseln geführt werden' bekannt ist und besagt, dass Großbritannien großartige Soldaten, aber schlechte Generäle hatte.

F: Was sagen einige Veteranen und akademische Historiker zu Haigs Leistung?


A: Einige Veteranen und akademische Historiker argumentieren, dass Haig trotz seiner Fehler ein großartiger General war, der dazu beitrug, neue Waffen und Technologien effektiv einzusetzen. Sie weisen auch darauf hin, dass Großbritannien im Ersten Weltkrieg zwar viele Männer verloren hat, aber im Vergleich zu Deutschland und Frankreich pro Kopf nur halb so viele Menschen.

F: Was hat Premierminister David Lloyd George über Douglas Haig gedacht?


A: Premierminister David Lloyd George war mit den Entscheidungen von Douglas Haig im Ersten Weltkrieg nicht einverstanden.

F: Wann ist Douglas Haig gestorben?


A: Douglas Haig starb am 29. Januar 1928 in London.


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