Harvey Bernard Milk (22. Mai 1930 – 27. November 1978) war ein amerikanischer Politiker und Mitglied des Aufsichtsgremiums von San Francisco. Er gilt als der erste offen schwule Mann, der in Kalifornien in ein öffentliches Amt gewählt wurde. Anfangs konzentrierte er sich nicht ausschließlich auf Homosexualität oder Schwulenaktivismus, wandelte sich aber später zu einer zentralen Persönlichkeit der LGBT-Bewegung.
Frühe Jahre und Umzug nach San Francisco
Milk wuchs an der US-Ostküste auf und diente mehrere Jahre in der US-Marine. Nach unterschiedlichen beruflichen Stationen — unter anderem als Lehrer und Fotograf — zog er 1972 von New York City nach San Francisco. Zu dieser Zeit entwickelte sich der Castro-Distrikt zu einem wichtigen Zentrum der schwulen Gemeinschaft, und viele schwule Männer zogen dorthin. Milk eröffnete im Castro den Laden „Castro Camera“, der schnell zu einem Treffpunkt für politische Diskussionen und lokale Organisationen wurde.
Politische Laufbahn und Aktivismus
Milk kandidierte mehrmals für öffentliche Ämter, bevor er 1977 schließlich zum Stadtaufseher (Supervisors) von San Francisco gewählt wurde. In seinem kurzen Amtszeitraum setzte er sich für die Rechte von Minderheiten, für den Schutz kleinerer Betriebe und für die Gleichbehandlung von Lesben und Schwulen ein. Besonders bekannt wurde sein Kampf gegen das sogenannte Briggs-Initiativ (Proposition 6) im Jahr 1978, das homosexuelle Lehrer aus dem öffentlichen Schuldienst verbannen hätte sollen; das Gesetz wurde in großem Maße dank breiter Gegenbewegung, an der Milk aktiv beteiligt war, abgelehnt.
Mord, Prozess und Folgen
Milk war nur etwa 11 Monate im Amt, als am 27. November 1978 er und Bürgermeister George Moscone in San Francisco von dem ehemaligen Stadtaufseher Dan White ermordet wurden. White, der kurz zuvor gekündigt hatte und seine Rückkehr ins Aufsichtsgremium beanspruchte, drang ins Rathaus ein und erschoss Moscone und Milk. Der anschließende Prozess sorgte national für Aufsehen. White wurde 1979 wegen Totschlags verurteilt und erhielt eine vergleichsweise milde Haftstrafe, was in der Stadt zu den sogenannten White Night Riots—heftigen Protesten gegen das Urteil—führte. Die Verteidigung Whites berief sich auf verminderte Schuldfähigkeit; die stark diskutierte Darstellung, ein hoher Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln habe sein Verhalten beeinflusst, wurde später populär als „Twinkie defense“ bezeichnet. White wurde nach Verbüßung eines Teils seiner Strafe entlassen und beging einige Jahre später Selbstmord.
Vermächtnis
Harvey Milk wurde in San Francisco zu einer Ikone und, wie Professor Peter Novak von der Universität San Francisco sagte, „ein Märtyrer für die Rechte der Homosexuellen“. Seine Sichtbarkeit als offen schwuler Politiker und sein Einsatz für Bürgerrechte inspirierten zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten weltweit. Anne Kronenberg, seine letzte Wahlkampfleiterin, beschrieb ihn so: „Was Harvey von Ihnen und mir unterschied, war, dass er ein Visionär war. Er stellte sich eine gerechte Welt in seinem Kopf vor, und dann machte er sich daran, sie wirklich zu schaffen, für uns alle.“
Milestones seines Nachlebens sind vielfältig: Er wurde Gegenstand zahlreicher Bücher und Filme, darunter der Oscar-prämierte Spielfilm „Milk“ (2008), und sein Leben und Werk werden in Schulen und Gedenkveranstaltungen thematisiert. Milk wurde am 12. August 2009 posthum von Präsident Barack Obama mit der Presidential Medal of Freedom ausgezeichnet. In Kalifornien wird sein Geburtstag als Harvey Milk Day (22. Mai) gewürdigt.
Zitate
Zu seinen bekannten Aussagen gehören unter anderem:
- „If a bullet should enter my brain, let that bullet destroy every closet door.“ (Deutsch: „Sollte eine Kugel in mein Gehirn eindringen, soll diese Kugel jede Schranktür zerstören.“)
- „The fact is that more people have been slaughtered in the name of religion than for any other reason. That, my friends, is true perversion.“ (Deutsch: „Tatsache ist, dass mehr Menschen im Namen der Religion abgeschlachtet wurden als aus irgendeinem anderen Grund. Das, meine Freunde, ist wahre Perversion!“)
Harvey Milk bleibt eine der herausragenden Figuren des Kampfes um gleiche Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender und ein Symbol für den Mut, politisch offen zu leben.