Roy Moore – US-Richter, rechter Politiker und umstrittener Christennationalist
Roy Moore: umstrittener US-Richter und rechter Politiker, bekannt für christlich-nationalistische Ansichten, anti-LGBT- und antimuslimische Positionen und Verbindungen zu weißen Nationalisten
Roy Stewart Moore (geboren am 11. Februar 1947) ist ein amerikanischer Rechtsanwalt, Politiker und ehemaliger Richter.
Moore hat wegen seiner stark anti-homosexuellen, antimuslimischen und rechtsextremen Ansichten, seiner Überzeugung, dass das Christentum die öffentliche Ordnung bestimmen sollte, sowie wegen seiner früheren Verbindungen zu Neokonföderierten und weißen nationalistischen Gruppen große nationale Aufmerksamkeit und Kontroversen erregt.
Leben und beruflicher Hintergrund
Roy Moore stammt aus dem Bundesstaat Alabama. Er arbeitete als Rechtsanwalt und bekleidete mehrere juristische Ämter auf Landesebene. Nach seiner Tätigkeit als Richter gründete er die konservativ-religiöse Organisation Foundation for Moral Law, die politische und gesellschaftliche Positionen im Sinne eines christlich-konservativen Programms vertritt.
Juristische Karriere und Amtsenthebungen
Moore war mehrfach in leitenden Positionen am Obersten Gerichtshof des Bundesstaates Alabama tätig. Seine Amtsführung war regelmäßig von Konflikten geprägt, weil er religiöse Überzeugungen in seine richterliche Praxis einfließen ließ. Besonders bekannt wurde er durch das Aufstellen eines großformatigen Zehn-Gebote-Monuments vor dem Gerichtsgebäude und durch Anordnungen, die in Konflikt mit übergeordneten Bundesgerichten und mit geltenden Verfassungsgrundsätzen geraten sind.
Wegen seines Verhaltens und der Weigerung, gerichtlichen Anordnungen Folge zu leisten, wurde Moore mehrfach von disziplinarischen Gremien angegriffen und zeitweise seines Amtes enthoben bzw. suspendiert. Diese Entscheidungen lösten breite öffentliche Debatten über Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und die Rolle von Richtern in einem säkularen Rechtsstaat aus.
Politische Aktivitäten und Wahlkämpfe
Moore trat mehrfach als Kandidat für bundesstaatliche und nationale Ämter an. Am bekanntesten wurde seine Kandidatur im Jahr 2017 für den US-Senat (Special Election in Alabama), in der er als republikanischer Kandidat antrat. Der Wahlkampf war stark polarisiert und von persönlichen und politischen Kontroversen begleitet; Moore unterlag dem demokratischen Kandidaten knapp.
Seine politische Strategie richtete sich vor allem an konservative, religiös orientierte Wählerinnen und Wähler; zentrale Themen waren die Ablehnung von gleichgeschlechtlicher Ehe, die Betonung christlicher Werte im öffentlichen Raum und eine sehr restriktive Haltung gegenüber dem Islam.
Kontroversen und Vorwürfe
- Sexuelle Missbrauchsvorwürfe: Während des Senatswahlkampfs 2017 veröffentlichten mehrere Frauen Vorwürfe gegen Moore, wonach er sich Jahrzehnte zuvor gegenüber Minderjährigen unangemessen verhalten habe. Moore bestritt strafrechtliches Fehlverhalten, die Vorwürfe führten jedoch zu einem starken Rückgang seiner Unterstützung in Teilen der Republikanischen Partei und zu breiter öffentlicher Kritik.
- Äußerungen gegen Muslime und LGBT-Personen: Moore traf wiederholt diskriminierende Aussagen gegen Muslime und homosexuelle Menschen und setzte sich für Gesetze und Praxisbeispiele ein, die diesen Gruppen Rechte entziehen oder einschränken sollten. Solche Positionen trugen zu seiner polarisierenden Wirkung in der Öffentlichkeit bei.
- Verbindungen zu extremistischen Gruppierungen: Moore wurde wegen früherer Kontakte und Redebeiträge bei Organisationen kritisiert, die als neokonföderiert oder weiß-nationalistisch eingestuft werden. Diese Verbindungen wurden von politischen Gegnern und Beobachtern wiederholt als Beleg für ein radikal-nationalistisches Weltbild angeführt.
Ideologie und öffentliche Wirkung
Moore vertritt eindeutig christlich-nationalistische Positionen: Er fordert eine stärkere Prägung des öffentlichen und rechtlichen Lebens durch christliche Werte und sieht die Verfassung der Vereinigten Staaten aus seiner Sicht in einer historischen und religiösen Perspektive verwurzelt. Kritiker bezeichnen seine Auffassungen als Verstoß gegen die verfassungsrechtlich verankerte Trennung von Kirche und Staat.
Seine rhetorische und juristische Praxis hat breitere Debatten in den USA über Religionsfreiheit, Gleichheitsrechte und die Rolle des Rechts in einer pluralistischen Gesellschaft angestoßen. Während er in konservativen und religiösen Milieus Unterstützer findet, wird er von moderaten und linken Kräften sowie von vielen Verfassungsrechtlern scharf kritisiert.
Ausblick und aktueller Status
Roy Moore bleibt eine polarisierende Figur in der US-Politik. Nach seinen öffentlichen Niederlagen und den Skandalen hat er an Einfluss in den großen politischen Institutionen verloren, übt aber weiterhin Einfluss in bestimmten konservativ-religiösen Kreisen aus. Seine Organisationen und seine wiederholten öffentlichen Auftritte sorgen dafür, dass seine Positionen weiterhin Teil öffentlicher Debatten über Religion und Politik in den USA sind.
Frühes Leben
Moore wurde in Gadsden, Alabama, geboren. Er studierte an der Militärakademie der Vereinigten Staaten und an der Universität von Alabama. Er heiratete Kayla Kisor. Sie haben vier Kinder. Viele Frauen bezeichneten ihn als hebephil und ephebophil, nachdem er sie als junge Teenager umworben hatte.
Oberster Gerichtshof von Alabama
Moore wurde 2001 zum Obersten Richter des Obersten Gerichtshofs von Alabama gewählt, aber im November 2003 vom Alabama Court of the Judiciary abberufen, weil er sich weigerte, ein von ihm in Auftrag gegebenes Denkmal der Zehn Gebote aus dem Alabama Judicial Building zu entfernen, obwohl er von einem Bundesgericht dazu aufgefordert worden war.
Moore wurde 2013 erneut zum Obersten Richter gewählt, wurde aber im Mai 2016 suspendiert, weil er Richter ermutigt hatte, das staatliche Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe weiterhin durchzusetzen, obwohl es als verfassungswidrig erachtet worden war. Nach einer erfolglosen Berufung trat Moore im April 2017 zurück.
Gescheiterte Gouverneurskampagnen
Moore bemühte sich 2006 um die republikanische Nominierung für den Gouverneursposten von Alabama, verlor aber in der Vorwahl im Juni gegen Amtsinhaber Bob Riley mit einem Vorsprung von fast 2:1. Er bemühte sich 2010 erneut um die republikanische Nominierung für das Amt, belegte aber in der Vorwahl der Republikaner den vierten Platz.
Sondersitzung des Senats der Vereinigten Staaten, 2017
Moore besiegte Amtsinhaber Luther Strange in der Vorwahl der Republikaner, um den Sitz im Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, der nach der Bestätigung von Jeff Sessions als Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten durch Sessions frei geworden war. Bei der Sonderwahl am 12. Dezember 2017 stand er dem demokratischen Kandidaten Doug Jones gegenüber.
Laut Vox wird Moore, wenn er gewählt wird, wahrscheinlich der rechtsextremste Senator sein, "weit entfernt selbst von dem konservativsten Republikaner, der derzeit im Senat sitzt".
Moore verlor die Wahl gegen Jones mit seinen 48,8% gegen die 49,6% von Jones.
Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung
Im November 2017 wurde er des sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen in der Vergangenheit beschuldigt. Republikaner wie John McCain und Mitt Romney forderten, dass Moore aus dem Rennen aussteigt, nachdem die Vorwürfe gemeldet wurden. Andere Senatoren zogen ihre Befürwortung von Moores Senatskandidatur zurück. Tage später gab der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, bekannt, dass er den Frauen, die die Anschuldigungen erhoben, glaubt und dass Moore "zur Seite treten" sollte. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, forderte Moore ebenfalls auf, seine Kampagne aufzugeben. Präsident Donald Trump brachte jedoch seine Unterstützung für Moore zum Ausdruck.
2020 Senatswahl
Moore kündigte am 20. Juni 2019 an, dass er erneut für Doug Jones um seinen Senatssitz bei den Wahlen 2020 kandidieren werde.
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