Katatonie bezeichnet einen Zustand, in dem Betroffene bei voller Wachheit stark eingeschränkte motorische und kommunikative Fähigkeiten zeigen. Typische Erscheinungen sind Bewegungsarmut bis völlige Regungslosigkeit (Stupor), Sprechenlosigkeit (Mutismus) oder im Gegenteil übermäßige ungerichtete motorische Aktivität (Erregung). Der Begriff umfasst ein Bündel von Symptomen, die in verschiedenen psychiatrischen und medizinischen Erkrankungen auftreten können und deshalb als Syndrom verstanden werden.

Hauptmerkmale und typische Zeichen

Zu den häufig beobachteten Merkmalen zählen:

  • Stupor und Mutismus: fehlende Reaktion auf Ansprache bei erhaltenem Bewusstsein;
  • Wachsige Biegsamkeit (Katalepsie): die Gliedmaßen bleiben in einer vom Untersucher vorgegebenen Stellung;
  • Negativismus: Widerstand gegen aktiv geforderte Bewegungen oder auch automatisch entgegengesetztes Verhalten;
  • Stereotype und Echophenomene: wiederholte Bewegungen, Echolalie oder Echopraxie;
  • Autonome Auffälligkeiten: bei schweren Verläufen Fieber, Schwitzen oder Blutdruck- und Herzfrequenzschwankungen.

Die Symptomatik kann plötzlich einsetzen oder schleichend verlaufen. Ein lebensbedrohlicher Untertyp ist die sogenannte maligne Katatonie, die ohne rasche Behandlung einen schweren Verlauf mit Organversagen haben kann.

Ursachen und mögliche Mechanismen

Katatonie ist kein eigenständiges Krankheitsbild mit einer einzigen Ursache, sondern ein Ausdruck gestörter Gehirn‑ und Nervenfunktionen. Sie tritt in Verbindung mit Schizophrenie, affektiven Störungen (z. B. schwerer Depression oder manischen Episoden), aber auch bei neurologischen Erkrankungen, Stoffwechselentgleisungen, Infektionen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente und Drogen auf. Neurologisch werden Beteiligungen des Gehirns, der Nervensysteme und peripherer Nerven diskutiert. Neurochemische Theorien betonen Ungleichgewichte in den Systemen von GABA, Glutamat und Dopamin, doch bleibt die genaue Pathophysiologie unklar.

Diagnose stützt sich primär auf klinische Befunde und Skalen, etwa der Bush‑Francis-Catatonia-Skala, ergänzt durch körperliche und laborchemische Untersuchungen, Bildgebung und die Suche nach behandelbaren medizinischen Ursachen.

Therapeutisch sind Benzodiazepine (häufig Lorazepam) oft erste Maßnahme bei akuten katatonen Zuständen. Elektrokrampftherapie (EKT) gilt als sehr wirksam, besonders bei therapieresistenten oder malignen Verläufen. Zusätzlich ist die Behandlung zugrundeliegender Erkrankungen, pflegerische Überwachung und ggf. intensivmedizinische Versorgung wichtig. Bei medikamentenassoziierter Katatonie ist das Absetzen verantwortlicher Substanzen erforderlich.

Historisch prägte der deutsche Psychiater Karl Ludwig Kahlbaum den Begriff und beschrieb die Katatonie 1874 in seiner Arbeit "Die Katatonie oder das Spannungsirresein". Seitdem hat sich das Verständnis weiterentwickelt: Katatonie wird heute als spektrales Phänomen gesehen, das in verschiedenen psychiatrischen und somatischen Kontexten auftreten kann. Entscheidend für Prognose und Outcome sind schnelle Erkennung, die Suche nach auslösenden Faktoren und eine zügige, gezielte Therapie.