Cimabue (ca. 1240–ca. 1302) war ein bedeutender Maler aus Florenz in Italien, der im Spätmittelalter arbeitete und oft als einer der Wegbereiter der italienischen Renaissance bezeichnet wird. Sein richtiger Name wird in Quellen meist als Cenni di Pepi (auch Cenni di Pepo oder Varianten) angegeben. Cimabue arbeitete noch innerhalb der byzantinisch geprägten Ikonentradition, brach aber an mehreren Stellen bewusst mit streng stilisierten Konventionen und entwickelte eine natürlicher wirkende Darstellung von Figuren, Raum und Volumen.

Leben und gesicherte Werke

Über Cimabues Leben ist nur wenig sicher überliefert; viele Angaben stammen aus späteren Biografien und kunsthistorischen Zuschreibungen. Die wenigen Werke, deren direkte Urheberschaft weitgehend anerkannt ist, sind von besonderer Bedeutung: das Mosaik Christus in Majestät in der Kathedrale von Pisa sowie zwei großformatige Freskenfragmente in der Basilika des San Francesco in Assisi. Diese Arbeiten zeigen bereits eine Tendenz zu stärkeren räumlichen Beziehungen zwischen Figuren und eine ausgeprägtere Modellierung der Formen durch Licht und Schatten.

Weitere bedeutende Arbeiten und Zuschreibungen

Als das berühmteste Gemälde, das Cimabue zugeschrieben wird, gilt die Madonna von Santa Trinita, ein bedeutendes Altarbild, das ursprünglich für die Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit (Santa Trinita) in Florenz geschaffen wurde und heute in den Uffizien hängt. Ebenfalls häufig Cimabue zugeschrieben werden zwei große Kruzifixe: eines in der Kirche S. Domenico in Arezzo und das Kruzifix der Kirche des Heiligen Kreuzes (Santa Croce, Florenz). Letzteres wurde bei einer Überschwemmung stark beschädigt und befindet sich heute im Museum der Kirche.

Stil und Bedeutung

Cimabue bewegte sich stilistisch zwischen der traditionellen byzantinischen Ikonographie und einer neuen Hinwendung zur Beobachtung der realen Welt. Er löste die starren, flächigen Darstellungen allmählich zugunsten einer stärkeren Volumenbildung und expressiveren Mimik auf. Seine Figuren erhalten oft eine weichere Modellierung und eine stärkere Körperlichkeit; Proportionen und Gestik werden individueller. Diese Veränderungen waren wichtig für die weitere Entwicklung der Malerei in der Toskana und trugen dazu bei, den Weg für Maler wie Giotto zu bereiten, die die Umgestaltung der europäischen Malerei im 14. Jahrhundert entscheidend vorantrieben.

Überlieferung, Legenden und Quellen

Vieles, was wir über Cimabue zu wissen glauben, beruht auf späteren Quellen, vor allem auf der höchst einflussreichen Lebensbeschreibung von Giorgio Vasari, die ungefähr 250 Jahre nach Cimabues Tod entstand. Vasari erzählt die wohl bekannteste Anekdote: Cimabue habe den jungen Hirtenjungen Giotto beim Zeichnen eines Schafs auf einem Felsen beobachtet und ihn daraufhin als Lehrling aufgenommen. Diese Episode illustriert die Tradition, Cimabue als Lehrer Giottos zu sehen, ist aber historisch nicht gesichert und gilt heute eher als legendär. Sicher ist jedoch, dass Giotto stilistisch eine radikalere Wendung hin zur Natürlicherkeit vollzog und dadurch als einer der ersten Maler gilt, die die Prinzipien der italienischen Renaissance vorwegnahmen.

Nachwirkung

Obwohl nur wenige Werke sicher Cimabue zugeschrieben werden können, ist seine Bedeutung für die Kunstgeschichte groß: Er markiert eine Übergangsphase von der byzantinischen Ikonmalerei zu einer natürlicheren Darstellungsweise, die in den folgenden Jahrzehnten in Florenz und weiter verbreitet wurde. Viele spätere Künstler beriefen sich auf die von ihm begonnenen Neuerungen, und seine Arbeiten werden heute als wichtige Station auf dem Weg zur frühitalienischen Renaissance geschätzt.

Schlussbemerkung: Wegen der lückenhaften Überlieferung bleiben einzelne Zuschreibungen und biographische Details umstritten. Die Forschung stützt sich deshalb auf Stilvergleiche, dendrochronologische Untersuchungen (wo möglich) und Dokumentenfunde, um Cimabues Werk und seine Bedeutung genauer einzugrenzen.