Die Epidermis bei Pflanzen besteht meist aus einer einzigen Zellschicht und überzieht Blätter, Blüten, Wurzeln und Stängel. Sie trennt die Pflanze von der äußeren Umgebung und erfüllt mehrere lebenswichtige Aufgaben: Schutz vor Wasserverlust, Kontrolle des Gasaustauschs, Produktion bestimmter Stoffwechselverbindungen und in den Wurzeln die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen. In älteren oder sekundär verdickten Organen kann die Epidermis durch eine andere Bedeckung, das Periderm, ersetzt werden — Kartoffeln weisen beispielsweise ein Periderm auf.
Als äußerste Zellschicht ist die Epidermis auch der wichtigste Bestandteil des Hautgewebes von Blättern, Stängeln, Blüten, Früchten und Samen. Ihre Zellen sind in den meisten Fällen durchsichtig, wodurch Licht zum darunterliegenden Photosynthesegewebe gelangen kann.
Aufbau und Zelltypen
Die Epidermis besteht aus dicht aneinandergrenzenden Zellen mit einer oft verdickten Außenwand. Typische Zelltypen sind:
- Pavement- oder Epidermiszellen – die häufigste Form; unregelmäßig geformt und dicht gepackt.
- Schließ- bzw. Schutzzellen (Guard Cells) – paarweise angeordnet und bilden die Stomata (Spaltöffnungen) für Gas- und Wasserdampftransport.
- Nebenzellen / Tochterzellen – unterstützen die Schließzellen in der Funktion des Schließsystems.
- epidermale Haare (Trichome) – Ausstülpungen der Epidermis, sehr vielfältig in Gestalt und Funktion.
- Wurzelhaare – lange, schlauchförmige Epidermiszellen der Wurzel, spezialisiert auf Wasser- und Mineralstoffaufnahme.
In den oberirdischen Organen sind die Epidermiszellen häufig mit Cutin durchsetzten Zellwänden versehen und von einer Kutikula überzogen, die den transpirativen Wasserverlust deutlich reduziert. Auf dieser Cuticula kann zusätzlich Wachs abgeschieden sein, das eine weißliche oder bläuliche Schicht bildet und gegen intensive Sonneneinstrahlung, Wind und Pathogene schützt.

Funktionen der Epidermis
- Transpirationsschutz: Reduktion des unkontrollierten Wasserverlusts durch Kutikula und Wachs.
- Gasaustausch: Reguliert über Stomata den Austausch von CO2, O2 und Wasserdampf; die Öffnung wird durch Schließzellen gesteuert.
- Mechanischer Schutz: Dient als Barriere gegen physikalische Schädigung und als erste Verteidigungslinie gegen Pathogene.
- Sinnes- und Signalfunktion: Epidermiszellen können Umweltreize wie Licht, Feuchte und Berührung wahrnehmen und Signale an das Pflanzeninnere weiterleiten.
- Sekretion und Stoffwechsel: Manche Epidermiszellen bilden ätherische Öle, Harze, Drüsen oder Schleimstoffe; Drüsentrichome sind hierfür spezialisiert.
- Absorptive Funktion der Wurzel: Wurzelhaare vergrößern die Oberfläche deutlich und verbessern die Wasser- und Nährstoffaufnahme.
Stomata und Gasaustausch
Stomata bestehen aus zwei Schließzellen, die eine porenartige Öffnung umschließen. Durch Änderungen des Turgors (Wasserdruck) in den Schließzellen öffnen oder schließen sich die Poren. So wird der CO2-Nachschub für die Photosynthese reguliert, gleichzeitig aber auch Wasserverlust durch Transpiration gesteuert. Manche Pflanzen zeigen Anpassungen wie eingegrabene Stomata oder eine dichte Behaarung, um Verdunstung zu verringern.

Trichome (Epidermalhaare)
Trichome (oder Haare) wachsen bei vielen Pflanzen aus der Epidermis heraus. Sie sind sehr variabel und können vielfältige Funktionen übernehmen:
- Schutz gegen Fraßfeinde: dornige oder klebrige Härchen hemmen Herbivoren.
- Reduktion der Verdunstung: dichte Behaarung bildet eine ruhende Luftschicht an der Blattoberfläche.
- Reflexion von Licht: helle oder silbrig wirkende Trichome reflektieren Sonnenlicht und schützen vor Überhitzung.
- Sekretion: Drüsentrichome geben ätherische Öle, Harze oder Verdauungsenzyme ab (Bsp. Sonnentau).
- Mechanische und thermische Isolation: verbessern Überleben bei extremen Temperaturen.
Wurzel-Epidermis und Spezialformen
In Wurzeln sind Epidermiszellen meist nicht mit Cuticula überzogen; stattdessen bilden spezialisierte Zellen wie Wurzelhaare die Oberfläche aus. Diese Zellen sind kurzlebig, aber entscheidend für die Nährstoffaufnahme. Die Wurzelepideremis kann in salzbelasteten Habitaten spezielle Salzdrüsen ausbilden, die überschüssige Ionen ausscheiden.
Periderm und Sekundäres Dickenwachstum
Bei Pflanzen mit sekundärem Dickenwachstum (z. B. vielen Holzpflanzen) wird die primäre Epidermis durch ein Periderm ersetzt. Das Periderm besteht aus drei Teilen: Korkkambium (Phellogen), Kork (Phellem) und Korkparenchym (Phelloderm). Korkzellen sind mit Suberin imprägniert und bilden eine dauerhaftere Schutzschicht, die die ursprüngliche Epidermis ersetzt.
Entwicklung und Herkunft
Die Epidermis stammt während der Embryonalentwicklung aus dem Protoderm, einer der Grundmeristeme. Sie weist typischerweise kaum Chloroplasten auf (Ausnahme sind viele Schließzellen), da ihre Hauptaufgabe nicht die Photosynthese, sondern Schutz und Regulation ist.
Anpassungen an unterschiedliche Lebensräume
Pflanzen passen ihre Epidermis an Umweltbedingungen an:
- Xerophyten (trockenheitsangepasste Pflanzen) besitzen oft eine dicke Kutikula, behaarte Oberflächen und eingesenkte Stomata.
- Hydrophyten (Wasserpflanzen) haben dünne oder kaum vorhandene Kutikula und oberflächennahe Stomata.
- Epiphyten nutzen dichte Haartrachten oder sukkulente Blätter zur Wasserspeicherung und -aufnahme aus der Luft.
Insgesamt ist die Pflanzenepidermis ein vielseitiges Gewebe, das weit über eine einfache Hülle hinausgeht: Sie ist dynamisch, anpassungsfähig und entscheidend für die Interaktion zwischen Pflanze und Umwelt.

