Extravehicular Activity (EVA) ist, wenn ein Astronaut oder Kosmonaut aus einem Raumschiff im Weltraum aussteigt und dann wieder einsteigt. "Extravehicular Activity" bezieht sich normalerweise auf einen Weltraumspaziergang außerhalb eines Raumfahrzeugs, das die Erde umkreist, kann sich aber auch auf einen Mondspaziergang auf der Mondoberfläche beziehen. Drei Apollo-Astronauten machten Weltraumspaziergänge zwischen der Erde und dem Mond, während ihre Raumfahrzeuge zur Erde zurückkehrten.
Astronauten aus Russland, den Vereinigten Staaten und China haben EVAs durchgeführt.
Definition und Zweck
Eine EVA (Extravehicular Activity) ist jede Aktivität, bei der ein Raumfahrer den Schutzraum eines Raumfahrzeugs oder einer Raumstation verlässt, um Arbeiten im Vakuum des Weltraums oder auf einer Himmelskörperoberfläche durchzuführen. Typische Ziele sind:
- Montage und Instandhaltung von Raumfahrzeugen und Raumstationen
- Reparaturen an Satelliten und wissenschaftlichen Instrumenten (z. B. Hubble)
- Wissenschaftliche Probenahmen auf dem Mond oder anderen Körpern
- Tests neuer Technologien und Räumeinsatzverfahren
- Rettungs- und Bergungsaktionen (z. B. Ausrichten, Einholen von Nutzlasten)
Kurze Geschichte
Die erste dokumentierte Außenbordtätigkeit fand in den 1960er-Jahren statt. Wichtige historische Meilensteine sind:
- Erste EVA überhaupt: Der sowjetische Kosmonaut Alexei Leonov (1965) verließ sein Raumschiff und schwebte im freien Weltraum.
- Erste EVA der USA: Ed White (1965) führte während der Gemini-Mission einen Weltraumspaziergang durch.
- Mondspaziergänge: Die Apollo-Missionen (ab 1969) führten EVAs auf der Mondoberfläche durch — die berühmteste ist die erste bemannte Mondlandung mit Neil Armstrong und Buzz Aldrin.
- Reparaturmissionen: Shuttle-Missionen führten in den 1990ern und 2000ern wichtige EVAs durch, insbesondere zur Wartung und Reparatur des Hubble-Weltraumteleskops.
- Internationale Raumstation (ISS): Seit dem Aufbau der ISS sind EVAs ein regelmäßiger Bestandteil von Montage, Erweiterung und Wartung.
- China: Erste chinesische Außenbordaktivität wurde 2008 durchgeführt (Shenzhou-Programm).
Arten von EVAs
- Tethered EVA: Der Raumfahrer ist mit dem Raumfahrzeug oder der Station über ein Sicherheitsseil verbunden.
- Untethered EVA: Der Astronaut bewegt sich frei im Weltraum, gesichert durch Antriebssysteme wie frühere MMU-Anzüge (Manned Maneuvering Unit) oder moderne Rettungssysteme (SAFER).
- Lunar EVA: EVAs auf der Oberfläche des Mondes; dort gelten andere Anforderungen an Anzug, Mobilität und Werkzeuge.
- Deep-space EVA: EVAs während Flügen zwischen Himmelskörpern (seltener und mit speziellen Verfahren).
Raumanzüge und Ausrüstung
Der Raumanzug ist ein tragbares Raumfahrzeug: Er bietet Druck, Sauerstoff, Temperaturregelung, Kommunikation, Stromversorgung und Schutz vor Mikrometeoriten. Bekannte Anzugsarten:
- EMU (Extravehicular Mobility Unit) – von NASA für Weltraumspaziergänge in Erdumlaufbahn (ISS) verwendet.
- Orlan – russischer EVA-Anzug, oft bei ISS-Einsätzen genutzt.
- Feitian – chinesischer EVA-Anzug.
- Für zukünftige Mondmissionen und Artemis-Programm sind weiterentwickelte Anzüge (z. B. xEMU) in Planung/Erprobung.
Wichtige Ausrüstungsgegenstände: Sicherheitsleinen, Werkzeughalter, Handschuhe mit Spezialfunktion, Fußschlaufen, Kameras und Rettungssysteme wie SAFER.
Training und Sicherheitsverfahren
Astronauten werden intensiv auf EVAs vorbereitet. Übliche Trainingsmethoden:
- Training im Neutral Buoyancy Laboratory (großes Tauchbecken) zur Simulation von Gewichtslosigkeit
- Parabelflüge für kurze Phasen der Schwerelosigkeit
- Virtual-Reality- und Simulatorübungen
- Umfangreiche Prozedur- und Notfalltrainings (z. B. Umgang mit Druckverlust, Kommunikationseinbußen oder verschlissenen Handschuhen)
Vor EVAs ist eine Druckentlastungs- und Atemgas-Vorbereitung (Pre-breathe) notwendig, um Dekompressionskrankheit zu vermeiden.
Risiken
- Druckabfall oder Beschädigung des Anzugs
- Extremtemperaturen und starke Temperaturschwankungen
- Mikrometeoriten- und Trümmerzeschlag
- Dekompressionskrankheit (bei unsachgemäßer Vorbereitung)
- Orientierungsverlust im freien Raum
Beispiele bedeutender EVAs
- Hubble-Wartungseinsätze (mehrere Shuttle-Missionen) — komplexe Reparaturen und Upgrades durch EVA-Teams
- Aufbau und Erweiterung der Internationalen Raumstation (zahlreiche EVAs über zwei Jahrzehnte)
- Apollo-Mondspaziergänge — wissenschaftliche Exploration und Gesteinsproben
- Reparatur und Bergung von Satelliten und externen Nutzlasten durch Shuttle-Crews
- Wichtige EVAs im Rahmen nationaler Programme (z. B. Leonovs und Whites historische Missionen, chinesische EVAs seit 2008)
Ausblick
Zukünftige Missionen—insbesondere dauerhafte Mondbasisprojekte und bemannte Missionen zum Mars—werden die Anforderungen an EVAs weiter steigern. Das umfasst robustere Anzüge für längere Einsätze, bessere Mobilität, automatisierte Werkzeuge und erweiterte Sicherheitskonzepte. EVAs bleiben ein zentraler Bestandteil der bemannten Raumfahrt, weil viele Arbeiten nur durch direkten menschlichen Eingriff im All möglich sind.


