Eine Analfissur, auch Fissura ani genannt, ist ein kleiner, oberflächlicher Riss oder eine Wunde in der Schleimhaut des Analkanals. Betroffene beschreiben typischerweise plötzliche, sehr starke Analschmerzen während des Stuhlgangs, die oft noch Minuten bis Stunden nach dem Stuhlgang anhalten. Häufig kommt es zu leichtem hellrotem Blut am Toilettenpapier oder auf dem Stuhl.
Ursachen
Die genaue Ursache ist nicht immer eindeutig, häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Mögliche Auslöser sind:
- Verstopfung mit hartem, trockenem Stuhl, der die Schleimhaut einreißt
- Starker Druck oder übermäßige Beanspruchung des Afterschliessmuskels (zurückgezogener Sphinkter)
- Verminderte Durchblutung der Schleimhaut im Bereich des inneren Analkanals (insbesondere beim hinteren Mittellinienbereich)
- Zu starke Dehnung der Haut (z. B. bei sehr festem Stuhl oder bei bestimmten Formen des Analverkehrs)
- Schwangerschaft und Geburt durch erhöhten Druck und Dehnung
- Bei Babys: zu seltenes Windelwechseln oder starke Reibung
- Seltenere Ursachen: entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn), sexuell übertragbare Infektionen oder lokale Infektionen
Symptome
- Plötzlich auftretende, scharfe Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang (können Minuten bis Stunden andauern)
- Leichte Blutung — meist hellrotes Blut auf Papier oder Stuhl
- Krampfartiges Gefühl im After durch vermehrte Sphinkteranspannung
- Bei chronischen Fissuren: hartnäckige Schmerzen, evtl. eine sichtbare Hautfalte (sentinel pile) oder eine vergrößerte Papille am oberen Ende der Fissur
Verlauf und Heilungsdauer
Akute Analfissuren heilen oft innerhalb von 6 Wochen mit konservativer Therapie. Bei einer chronischen Fissur (bestehen länger als 6–8 Wochen) kommt es seltener zu spontaner Heilung und die Beschwerden können wiederkehren. Nach dem Verschluss einer Fissur bleibt die Wunde in den folgenden Wochen anfällig und kann sich leicht wieder öffnen, daher sind Maßnahmen zur Entlastung wichtig.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt meist durch die körperliche Inspektion des Afters. In vielen Fällen ist keine zusätzliche Untersuchung nötig. Bei unklaren Befunden oder bei Verdacht auf andere Erkrankungen (z. B. entzündliche Darmerkrankung, Tumor) können folgende Untersuchungen sinnvoll sein:
- Anoskopie oder Proktoskopie (eine kurze Endoskopie des Analkanals)
- Rektoskopie oder Koloskopie bei Verdacht auf andere Darmerkrankungen oder bei Hinweis auf Blutungsursachen höher im Darm
- Bei wiederkehrenden oder atypischen Fällen: Abklärung auf Morbus Crohn oder sexuell übertragbare Infektionen
Therapie
Ziel der Behandlung ist Schmerzlinderung, Förderung der Wundheilung und Verringerung der Sphinkterspannung.
Konservative Maßnahmen (erste Wahl bei akuten Fissuren):
- Sitzbäder mit warmem Wasser mehrere Male täglich (vor allem nach dem Stuhlgang) zur Muskelentspannung
- Erhöhung der Ballaststoffzufuhr und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Erweichung des Stuhls; ggf. Ballaststoffpräparate oder weiche Stuhlregulatoren
- Schmerzmittel (z. B. Paracetamol, bei Bedarf kurzzeitig leichte orale Analgetika); lokale schmerzlindernde Salben können kurzfristig helfen
- Vermeidung von Pressen beim Stuhlgang, ausreichend Bewegung
- Sanfte, nicht reizende Analhygiene
Medikamentöse lokale Therapie:
- Topische Nitrate (z. B. Glyceroltrinitrat) oder kalziumkanalblocker-haltige Salben (z. B. Diltiazem) zur Reduktion der Sphinkterspannung und Förderung der Durchblutung
- Lokale Betäubungscremes für die kurzfristige Schmerzreduktion
Injektionen und minimalinvasive Verfahren:
- Botulinumtoxin-Injektion in den inneren Schließmuskel zur temporären Entspannung — kann die Heilungschancen verbessern
- Fissurektomie (operative Entfernung der Fissur) kombiniert mit Methoden zur Entspannung des Muskels in speziellen Fällen
Chirurgische Therapie (bei therapieresistenten, chronischen Fissuren):
- Laterale interne Sphinkterotomie (Teilspaltung des inneren Schließmuskels) gilt als sehr wirkungsvoll mit hoher Heilungsrate, birgt jedoch ein geringes Risiko für Stuhlinkontinenz
- Alternative Operationstechniken (z. B. Fissurektomie mit Wundverschluss) je nach Befund und Erfahrung des Operateurs
Besondere Situationen
- Bei Säuglingen: meist konservative Behandlung mit Stuhlregulierung und lokaler Pflege; Antibiotika oder Operation selten
- In der Schwangerschaft/Stillzeit: viele lokale Mittel sind eingeschränkt einsetzbar; allgemeine Maßnahmen (Ballaststoffe, Sitzbäder) sind zentral; operative Eingriffe nach Nutzen-Risiko-Abwägung
- Bei Verdacht auf Morbus Crohn oder anderen systemischen Erkrankungen: gezielte Abklärung und Behandlung der Grunderkrankung
Vorbeugung
- Ausreichende Ballaststoffzufuhr und viel Flüssigkeit, um harten Stuhl zu vermeiden
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Vermeidung von starkem Pressen beim Stuhlgang
- Gute Analhygiene ohne übermäßiges Reiben oder scharfe Seifen
Wann zum Arzt?
- Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder länger anhalten
- Bei wiederholter oder anhaltender Blutung
- Wenn Fieber, Eiter aus dem After oder veränderte Stuhlgewohnheiten auftreten
- Wenn Symptome nach konservativer Behandlung länger als 6–8 Wochen bestehen (Hinweis auf chronische Fissur)
Komplikationen und Prognose
Komplikationen sind selten, können aber sein: chronische Schmerzen, lokale Infektion, Fistelbildung oder sehr selten eine Stuhlinkontinenz nach bestimmten Operationen. Die Prognose ist insgesamt gut: Viele akute Fissuren heilen mit konservativer Therapie. Chronische Fissuren sprechen häufig auf operative Maßnahmen an.
Bei Unsicherheit oder ungewöhnlichen Befunden sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden, um andere Ursachen auszuschließen und eine passende Therapie zu beginnen.