Der Iran Air-Flug 655 war ein iranischer Passagierflug von Teheran nach Dubai. Das Flugzeug war ein Airbus A300 mit 274 Passagieren und 16 Besatzungsmitgliedern an Bord. Am 3. Juli 1988 wurde das Flugzeug während des Iran-Irak-Krieges von der USS Vincennes im Persischen Golf abgeschossen. Zu dieser Zeit befanden sich die Vincennes in einem Schusswechsel mit kleinen iranischen Kanonenbooten. Während des Gefechts startete Flug 655 vom internationalen Flughafen Bandar Abbas. Der Flughafen wurde sowohl von zivilen als auch von militärischen Flügen genutzt.
Verlauf des Vorfalls
Die Besatzung der USS Vincennes identifizierte das zivile Flugzeug irrtümlich als ein Kampfflugzeug der iranischen Luftwaffe, konkret als Grumman F-14 Tomcat. In der angespannten Situation gab es eine Reihe von Fehlinterpretationen der Radar- und Identifikationsdaten. Die Vincennes versuchten mehrmals, das Flugzeug zu warnen, erhielten aber keine Antwort. Später stellte sich heraus, dass diese Warnungen auf einer Militärfrequenz gesendet wurden und an eine nicht existierende F-14 Tomcat gerichtet waren; die Besatzung des Airbus hatte keinen Zugang zu diesen Kanälen und hätte die Warnungen nicht hören können. Die Vincennes feuerten zwei Raketen ab, die beide den Rumpf des Flugzeugs trafen. Alle 290 Insassen an Bord wurden getötet.
Ursachen und Fehlidentifikation
Als Ursachen für die Tragödie werden mehrere Faktoren genannt:
- Stress und hohe Anspannung der Besatzung wegen des Gefechts mit iranischen Schnellbooten.
- Fehlinterpretation von Radar- und IFF‑Signalen (Identifikation Friend or Foe) sowie technische und menschliche Fehler bei der Auswertung der Daten.
- Kommunikationsprobleme: Warnungen wurden auf einer militärischen Frequenz gesendet, die für die zivile Flugbesatzung nicht zugänglich war.
- Kombination aus falscher taktischer Lageeinschätzung und der Annahme, das Flugzeug stelle eine unmittelbare Bedrohung dar.
Untersuchungen und internationale Reaktionen
Der Abschuss löste weltweit Entsetzen und eine intensive Debatte aus. Es folgten Untersuchungen durch das US-Verteidigungsministerium sowie internationale und unabhängige Bewertungen. Diese kamen zu unterschiedlichen Bewertungen über das genaue Zusammenspiel von technischen Mängeln, menschlichem Versagen und taktischen Entscheidungen. Die iranische Regierung verurteilte das Vorgehen scharf und forderte Entschädigung und Aufklärung.
1996 einigten sich die USA und Iran in einem Vergleich darauf, Entschädigungszahlungen an die Angehörigen der Opfer zu leisten. Die Vereinigten Staaten drückten dabei ihr Bedauern über das Ereignis aus, leisteten Zahlungen an die Opferfamilien, erklärten jedoch ausdrücklich keine förmliche Anerkennung von rechtlicher Haftung in internationalen Gerichten.
Folgen
- Diplomatische Verstimmungen zwischen den USA und dem Iran und weitere internationale Kritik an Rules of Engagement und Identifikationsverfahren im Kriegseinsatz.
- Verstärkte Debatten und Änderungen in militärischen Prozeduren zur Unterscheidung von zivilen und militärischen Luftfahrzeugen sowie zur Kommunikation zwischen Militär und Zivilluftfahrt.
- Langfristige Auswirkungen auf das Vertrauen zivilen Luftverkehrs gegenüber militärischen Einsätzen in Krisenregionen sowie auf die politische Erinnerung an den Vorfall in beiden Ländern.
Der Abschuss von Iran Air Flug 655 bleibt eine der schwerwiegendsten und umstrittensten Tragödien der zivilen Luftfahrt in Friedenszeiten, ein Beispiel dafür, wie in bewaffneten Auseinandersetzungen technische Fehler, Kommunikationsprobleme und menschliche Entscheidungen zu katastrophalen Konsequenzen führen können.