Itanium (/aɪˈteɪniəm/ eye-TAY-nee-əm) ist ein Typ von Intel-Mikroprozessoren mit 64-Bit-Chip-Architektur. Diese Architektur (IA-64) ist nicht kompatibel mit den inzwischen gängigen 64-Bit-CPUs der x86-Familie von Intel und anderen Herstellern. Itanium-Prozessoren wurden ursprünglich gemeinsam von Hewlett-Packard (HP) und Intel entwickelt; Intel übernahm die Fertigung. Heute kamen und kommen sie vor allem in Servern zum Einsatz, insbesondere in Systemen für Unternehmensanwendungen mit hohen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit. Obwohl mehrere Hersteller Systeme mit Itanium-Chips einsetzten, blieben die Verkaufszahlen hinter den ursprünglich gesteckten Erwartungen zurück. HP (später HPE) war der wichtigste Unterstützer der Plattform und bot lange Zeit Server und Software für Itanium an.

Entwicklung und Architektur

Die Itanium-Familie basiert auf der IA-64-Architektur, die als EPIC (Explicitly Parallel Instruction Computing) konzipiert wurde. EPIC verfolgt den Ansatz, dem Compiler größere Verantwortung bei der Parallelisierung und Ablaufplanung von Befehlen zu geben, damit der Prozessor viele Operationen gleichzeitig ausführen kann. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der klassischen x86-Architektur und von RISC-Designs.

Die Entwicklung begann bereits in den 1990er-Jahren; die ersten Itanium-Chips wurden Anfang der 2000er-Jahre ausgeliefert. In der Folge brachte Intel mehrere Generationen von Itanium-Prozessoren heraus (beispielsweise Itanium 2 und spätere Nachfolger mit internen Codenamen), die Leistungsfähigkeit, Energieeffizienz und Zuverlässigkeit schrittweise verbesserten.

Einsatzbereiche und Software-Ökosystem

Itanium zielte primär auf den High-End-Servermarkt: Rechnersysteme für Datenbanken, Business-Critical-Applikationen und wissenschaftliche Berechnungen. Betriebssysteme und Anwendungssoftware mussten speziell für IA-64 kompiliert werden; zu den bekannten Betriebssystemen mit Itanium-Unterstützung gehörten unter anderem HP-UX (HPs eigenes Unix), spezielle NonStop-Versionen und verschiedene Linux-Distributionen. Microsoft bot in der Vergangenheit ebenfalls spezielle Itanium-Versionen von Windows an, der allgemeine Support für Itanium-Varianten wurde später jedoch eingestellt.

Hersteller von Compilern und Entwicklungswerkzeugen (darunter Intel sowie einige Open‑Source-Projekte) stellten spezielle Compiler bereit, da die Leistungsfähigkeit von Itanium stark von der Qualität der Compileroptimierungen abhängig war. Viele große Unternehmensanwendungen wurden daher portiert, allerdings war die Software-Ökosphäre insgesamt kleiner als die für die dominante x86-Plattform.

Gründe für den begrenzten Markterfolg

Mehrere Faktoren trugen dazu bei, dass Itanium nicht den großen Durchbruch im Servermarkt schaffte:

  • Komplexität der Architektur: Der EPIC-Ansatz verschob komplexe Aufgaben auf die Compiler. Das machte es schwer, mit vorhandenen Compilern und bestehenden Softwareprojekten optimale Leistung zu erzielen.
  • Späte Markteinführung: Die ersten Chips kamen bedeutend später als ursprünglich geplant und verloren dadurch Zeit gegenüber Mitbewerbern.
  • Konkurrenz durch x86-64: Mit der Einführung der 64-Bit-Erweiterung für x86 (AMD64, später auch von Intel übernommen) konnten Serverhersteller und Softwareanbieter weiter auf die große x86-Softwaresbasis zurückgreifen. x86-64 bot einen einfacheren Migrationspfad und bewährte Kompatibilität zu bestehender Software.
  • Rückzug von Softwareanbietern: Über die Jahre gaben mehrere wichtige Softwarehersteller die Unterstützung für Itanium auf oder limitierten neue Entwicklungen, was das Ökosystem weiter schwächte.

Ende der Produktlinie und Nachwirkung

Intel gab am 30. Januar 2019 offiziell das Ende der Lebensdauer und die Produktabkündigung der Itanium-CPU-Familie bekannt. Damit endete die offizielle Weiterentwicklung und langfristige Produktpflege durch den Chiphersteller. Viele Betreiber von Itanium-Systemen stellten daraufhin Migrationspläne auf, um kritische Anwendungen auf andere Plattformen zu übertragen.

Obwohl die Architektur kommerziell nicht den erwarteten Erfolg brachte, hat Itanium wichtige Beiträge zur Prozessorforschung geliefert: Ideen zu statischer Parallelisierbarkeit, neue Konzepte in der Compiler- und Hardware-Zusammenarbeit sowie Erkenntnisse über Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit fanden Eingang in die weitere Entwicklung von Hochleistungs-Servern. Für Anwender und Betreiber blieb Itanium über Jahre eine Option für bestimmte Hochverfügbarkeitslösungen, während die allgemeine Marktentwicklung klar zugunsten der x86-64-Plattform verlief.