Kiribati (ausgesprochen etwa „Ki‑ri‑bas“) ist ein Inselstaat im Pazifischen Ozean. Er besteht aus 33 Atollen und einer erhöhten Koralleninsel (Banaba). Die Atolle sind Gruppen von winzigen Inseln, die sich über eine sehr große Meeresfläche verteilen. Das Land liegt größtenteils in der Nähe des Äquators und reicht über den internationalen Datumswechsel hinaus – Kiribati liegt somit in allen vier Hemisphären. Seine Hauptstadt ist South Tarawa auf dem Tarawa‑Atoll; dort lebt ein großer Teil der Bevölkerung.

Geschichtlicher Überblick

Kiribati wurde früher die Gilbert-Inseln genannt. Im Jahr 1892 wurden die Gilbert‑Inseln zusammen mit den Ellice‑Inseln (heute Tuvalu) als Gruppe der Gilbert‑ und Ellice‑Inseln ein britisches Protektorat. Nach der Kolonialzeit wurde Kiribati 1979 eine unabhängige Republik. Während des Zweiten Weltkriegs spielten einige Atolle (unter anderem Tarawa) eine wichtige Rolle und waren Schauplatz heftiger Kämpfe.

Politik und Verwaltung

Kiribati ist eine präsidentielle Republik. Die Verwaltung orientiert sich an Inseln und Atollen: lokale Ratgremien und der Staat arbeiten zusammen, um Infrastruktur, Gesundheit und Bildung bereitzustellen. Das Land gliedert sich geografisch in drei Inselgruppen: die Gilbert‑Inseln (die bevölkerungsreichste Gruppe), die Phoenix‑Inseln und die Line‑Islands (zu denen u. a. Kiritimati/Christmas gehört). 1995 wurde die internationale Datumsgrenze östlich der Line Islands verlegt, damit das ganze Staatsgebiet denselben Kalendertag hat; dadurch sind einige Inseln Kiribatis zeitlich an der Spitze der Zeitzonen und begrüßen das neue Jahr früh.

Wirtschaft

Kiribati gehört zu den ärmsten Ländern im Pazifischen Raum. Es verfügt nur über wenige natürliche Ressourcen. Wichtige Einnahmequellen sind der Verkauf von Fischereirechten (Lizenzgebühren für Fangflotten), die Produktion von Kokosnussprodukten (Copra), begrenzter Tourismus und Überweisungen aus dem Ausland. Der Tourismus ist wegen der abgelegenen Lage und der einfachen Infrastruktur zwar noch klein, aber für einige Atolle ein wichtiger Wirtschaftszweig. Zudem ist das Land in hohem Maße auf Entwicklungshilfe und internationale Partnerschaften angewiesen.

Vertrag von Tarawa und internationale Beziehungen

Kiribati unterzeichnete 1979 einen "Vertrag über Freundschaft und territoriale Souveränität" (auch "Vertrag von Tarawa" genannt) mit den Vereinigten Staaten. In diesem Vertrag gaben die USA ihre Ansprüche auf mehrere Inseln und Atolle (u. a. Canton, Enderbury und Christmas) auf. [1]

Gesellschaft, Sprache und Kultur

Die offiziellen Sprachen Kiribatis sind Englisch und Gilbertesisch (oft auch „Kiribati“ genannt). Die Bevölkerung ist überwiegend christlich (verschiedene protestantische Kirchen und die katholische Kirche). Traditionelle Strukturen wie die maneaba (das gemeinschaftliche Versammlungshaus) spielen weiterhin eine wichtige Rolle im sozialen und politischen Leben. Kultur zeigt sich in Tänzen, Gesang, handwerklicher Korbflechterei und in der traditionellen Navigation.

Umwelt, Klima und Herausforderungen

Als flacher Inselstaat mit durchschnittlich nur wenigen Metern über dem Meeresspiegel ist Kiribati besonders verwundbar gegenüber den Folgen des Klimawandels: steigender Meeresspiegel, Küstenerosion, Übersalzung der Grundwasserlinsen und stärkere Stürme bedrohen Lebensräume und Landwirtschaft. Als ein Beispiel für Naturschutzmaßnahmen wurde in den Phoenix‑Inseln das Phoenix Islands Protected Area eingerichtet, eines der größten Meeresschutzgebiete der Welt (PIPA), das auch als UNESCO‑Welterbe anerkannt ist.

Auf Banaba (Ocean Island) führte intensiver Phosphatabbau in der Vergangenheit zu gravierenden Umweltproblemen; viele Banabaner leben heute größtenteils auf der Fidschi‑Insel Rabi, obwohl Banaba politisch zu Kiribati gehört.

Praktische Hinweise für Besucher

Der Tourismus ist möglich, aber die Infrastruktur ist begrenzt: Anreise erfolgt meist per Flug über begrenzte Verbindungen, Unterkunft und Transport sind einfach. Zu den Anziehungspunkten zählen Tauchen und Angeln an intakten Korallenriffen, Vogelschutzgebiete (z. B. auf Kiritimati) und das Erlebnis traditioneller Lebensweisen. Reisende sollten sich vorher gut informieren und respektvoll gegenüber lokalen Bräuchen und der empfindlichen Umwelt verhalten.

Insgesamt ist Kiribati ein Land mit reicher Kultur und einzigartiger Natur, das jedoch vor ernsten wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen steht.