Sprachen in Singapur – Offizielle Sprachen, Singlish & Sprachvielfalt

Entdecke Singapurs Sprachmix: Englisch, Malaiisch, Mandarin, Tamil, Singlish und die faszinierende Mehrsprachigkeit.

Autor: Leandro Alegsa

In Singapur werden viele Sprachen gesprochen. Das liegt an der multi‑ethnischen Zusammensetzung des Landes: Nachkommen chinesischer, malaiischer und indischer Bevölkerungsgruppen sowie zahlreiche Neuankömmlinge und Expats prägen die Sprachlandschaft. Die Regierung erkennt vier offizielle Sprachen an: Englisch, Malaiisch, Mandarin und Tamil. Aufgrund der Geschichte Singapurs hat Malaiisch einen besonderen symbolischen Status als Landessprache; es ist z. B. die Sprache der Nationalhymne und erscheint in militärischen Zeremonien. Auf der Straße und im informellen Alltag hat sich außerdem ein lokales Patois entwickelt, ein Kreole, das Einheimische meist als Singlish bezeichnen. Unter Sprachwissenschaftlern ist dies als „Singapore Colloquial English“ bekannt.

Die vier Amtssprachen kurz erklärt

  • Englisch: Verwaltungssprache, Unterrichtssprache an den meisten Schulen und die praktische Lingua franca zwischen den Ethnien. Englisch ist in Wirtschaft, Justiz und Regierung dominant.
  • Malaiisch: Staatssymbol und traditionelle Sprache der malaiischen Gemeinschaft. Obwohl sie numerisch kleiner ist als die chinesische Bevölkerungsgruppe, ist Malaiisch als „National Language“ verankert.
  • Mandarin: Die Regierung fördert Mandarin als Standardvarietät der chinesischen Sprachen (z. B. durch die „Speak Mandarin“-Kampagnen), wodurch klassische chinesische Dialekte in der öffentlichen Verwendung zurückgegangen sind.
  • Tamil: Offizielle Sprache der indischen Gemeinschaft; sie wird in Schulen, religiösen und kulturellen Institutionen gepflegt.

Singlish – Eigenschaften und gesellschaftliche Debatte

Singlish ist kein rein „falsches“ Englisch, sondern ein vielschichtiges Register mit eigenständiger Grammatik, Wortschatz und Diskursstilen. Typische Merkmale sind:

  • Einfluss aus Malaiisch, chinesischen Dialekten (z. B. Hokkien, Kantonesisch) und Tamil beim Wortschatz.
  • Partikel wie „lah“, „lor“ oder „leh“, die Stimmung und Pragmatik ausdrücken.
  • Vereinfachte Verbformen und häufige Ommissionen von Artikeln oder Hilfsverben im informellen Gebrauch.
Regierung und Bildungssystem fördern Standard‑Englisch für formelle Kontexte; zugleich wird Singlish vielfach als kulturelles Identitätszeichen geschätzt. Sprachwissenschaftler betrachten es als legitime Varietät mit hohem soziokulturellem Wert, während Behörden oft auf klare Trennung zwischen formellem Englisch und lokalem Englisch drängen.

Weitere Sprachen, Dialekte und Sprachwandel

Neben den offiziellen Sprachen sind in Singapur zahlreiche chinesische Dialekte (Hokkien, Kantonesisch, Teochew, Hakka u. a.), andere indische Sprachen (z. B. Punjabi, Bengali, Malayalam) sowie Sprachen von Arbeitsmigrantinnen und -migranten (z. B. Tagalog/Filipino, Bahasa Indonesia) verbreitet. In den letzten Jahrzehnten führte die staatliche Sprachpolitik zu einem Rückgang der regionalen chinesischen Dialekte zugunsten von Mandarin und Englisch, insbesondere bei jüngeren Generationen.

Bildung, Medien und Verwaltung

Singapurs Bildungssystem folgt dem bilingualen Prinzip: Kinder lernen größtenteils auf Englisch, erhalten aber auch Unterricht in ihrer „Muttersprache“ (für ethnische Chinesen in Mandarin, für Malaien in Malaiisch, für Inder in Tamil bzw. in einigen Fällen andere indische Sprachen). Öffentliche Beschilderung ist häufig mehrsprachig; die Gerichte und die Verwaltung arbeiten primär auf Englisch. Gleichzeitig bieten Medien Programme in allen wichtigen Gemeinschaftssprachen, was die sprachliche Vielfalt zusätzlich widerspiegelt.

Praktische Hinweise für Besucher und Neuankömmlinge

Wer nach Singapur reist oder dort lebt, kommt mit Englisch sehr gut zurecht. Ein Grundverständnis der häufigen lokalen Ausdrücke in Singlish erleichtert soziale Kontakte, während Kenntnisse von Malaiisch, Mandarin oder Tamil in bestimmten Communities hilfreich sind. Die Sprachlandschaft bleibt dynamisch: Globalisierung und Migration verändern sie weiter, ebenso wie staatliche Bildungs‑ und Sprachförderprogramme.

Arbeitssprache

Englisch wurde 1819 von den Briten in Singapur eingeführt. Die Briten richteten auf der Insel einen Hafen, später eine Kolonie, ein. Englisch war die Verwaltungssprache der Kolonialregierung gewesen, und als Singapur 1959 die Selbstverwaltung und 1965 die Unabhängigkeit erlangte, beschloss die lokale Regierung, Englisch als Arbeitssprache beizubehalten. Es ist nicht gegen das Gesetz, während der Arbeitszeit die Muttersprache zu sprechen. Es verstößt gegen das Gesetz, Menschen das Sprechen ihrer Muttersprache überall am Arbeitsplatz zu verbieten, solange dies nicht dem Geschäft schadet und/oder die Sicherheit am Arbeitsplatz beeinträchtigt. Die Verwendung des Englischen als gemeinsame Sprache dient dazu, die Kluft zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in Singapur zu überbrücken.

Zweisprachigkeit

In den Schulen müssen die Schüler auch einen Unterricht in der Muttersprache besuchen, in dem sie entweder Mandarin-Chinesisch, Malaiisch oder Tamilisch lernen.

Infolgedessen verfügen die meisten Singapurer zumindest über Konversationsfähigkeiten und grundlegende Lese- und Schreibkenntnisse in mindestens zwei Sprachen: Englisch und die Sprache, die zu Hause gesprochen wird. Viele weitere sind in drei oder mehr Sprachen versiert.

Zu Hause am häufigsten gesprochene Sprache (%)

Sprache

1990

2000

Englisch

18.8

23.0

Mandarin

23.7

35.0

Andere chinesische Sprachen

39.6

23.8

Malaysisch

14.3

14.1

Tamilisch

2.9

3.2

Viersprachiges Warnschild, geschrieben in den vier offiziellen Sprachen Singapurs: Englisch, Chinesisch (vereinfacht), Tamil und Malaiisch.Zoom
Viersprachiges Warnschild, geschrieben in den vier offiziellen Sprachen Singapurs: Englisch, Chinesisch (vereinfacht), Tamil und Malaiisch.

Andere Sprachen

Etwa 60% der indischen Bevölkerung Singapurs spricht Tamilisch als Muttersprache. Weitere indische Sprachen sind Malayalam und Hindi.

Auf der Insel leben etwa 5.000 Peranakaner, die immer noch den von Hokkien beeinflussten malaiischen Dialekt namens Baba Malay verwenden.

Eine Handvoll portugiesischer Eurasier spricht immer noch eine portugiesisch-kreolische Sprache, die als Papia Kristang bekannt ist. Die fließendsten Sprecher stammen jedoch aus der Vorkriegsgeneration.

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