Mauisaurus ("Maui-Reptil") ist eine Gattung der Plesiosaurier, die während der Oberkreide vor etwa 80 bis 69 Millionen Jahren lebte. Es war einer der größten bekannten Plesiosaurier und zu dieser Zeit vielleicht das größte Meeresreptil in neuseeländischen Gewässern. Mauisaurus haasti ist die einzige beschriebene Art der Gattung, doch die Interpretation der verfügbaren Fossilien ist teilweise umstritten. Es wurden mehrere Exemplare gefunden, davon jedoch nur wenige relativ vollständig oder gut erhalten.

Anatomie und Größe

Der Mauisaurus zeichnete sich durch einen sehr langen Hals aus: für einzelne Funde wurden bis zu 68 Halswirbel angegeben, womit er zu den plesiosaurischen Formen mit den längsten Hälsen gehören würde. Solche Angaben beruhen jedoch auf unterschiedlichen und teils fragmentarischen Skelettfunden, sodass die genaue Wirbelzahl zwischen den Exemplaren variieren kann. Insgesamt erreichte Mauisaurus eine Körperlänge von mindestens über 8 Metern; einige Schätzungen gehen von Längen um 8–10 Meter aus, je nach individuellem Fund.

Wie bei anderen Plesiosauriern bestand sein Körperbau aus einem kompakten Rumpf, einem langen Hals und vier paddelartigen Gliedmaßen (zwei Paare von Flossen). Die Flossen waren kräftig und ermöglichten kraftvollen Vortrieb im Wasser; dabei bewegten Plesiosaurier ihre Flossen vermutlich in einer wellenförmigen oder flügelähnlichen Bewegung ("Unterwasserflug"). Die Zähne von Mauisaurus waren spitz-konisch und gut geeignet zum Greifen von Fischen und Kopffüßern (z. B. Tintenfischen).

Lebensweise und Ernährung

Als Meeressaurier war Mauisaurus ein aktiver Fleischfresser. Seine lange Halswirbelsäule erlaubte es ihm, schnelle Kopfdrehungen auszuführen und Beute zu erreichen, ohne den gesamten Körper zu bewegen. Vermutlich jagte er hauptsächlich Fische und kleinere Cephalopoden; große, kräftige Individuen könnten auch größere Beutetiere erbeutet haben. Möglicherweise war er überwiegend ein offenozeanischer Räuber, bewegte sich aber auch in küstennahen Gewässern.

Fundorte und Fossilienlage

Die Fossilien von Mauisaurus stammen überwiegend aus neuseeländischen Fundstellen der Oberkreide. Die erhaltenen Überreste sind oft fragmentarisch (Einzelwirbel, Teile des Beckens und der Gliedmaßen), nur wenige Skelette sind relativ vollständig. Wegen der lückenhaften Erhaltung ist manches an Größe, Proportionen und innerer Anatomie noch nicht eindeutig rekonstruiert.

Systematik und Forschungsgeschichte

Der Gattungsname bezieht sich auf den Mythos des Māori-Helden Maui; die Artbezeichnung haasti ehrt historisch bedeutsame Persönlichkeiten der neuseeländischen Forschung. Die Systematik von Mauisaurus ist Gegenstand laufender Forschung: Einige Paläontologen sehen die Gattung als gültig, andere halten sie wegen fragmentarischer Typmaterialien für problematisch oder sehen einige zugewiesene Funde als zu unspezifisch an, um sie sicher dieser Gattung zuzuordnen. Neue Funde und detaillierte Vergleiche mit anderen elasmosauriden Plesiosauriern sind nötig, um die Stellung von Mauisaurus endgültig zu klären.

Bedeutung und offene Fragen

Mauisaurus ist wichtig für das Verständnis der marinen Ökosysteme der südlichen Hemisphäre in der Oberkreide und für die Evolution großer Langhalssaurier. Wichtige offene Fragen betreffen die genaue Körperproportion, die Variabilität der Halswirbelzahl, mögliche sexuelle oder ontogenetische Unterschiede zwischen Funden sowie die exakte taxonomische Abgrenzung zu anderen elasmosauriden Gattungen. Weitere Ausgrabungen in Neuseeland und moderne anatomische sowie phylogenetische Analysen werden dazu beitragen, diese Fragen zu beantworten.