Médée – Cherubinis französische Oper nach Euripides (1797)

Médée (1797) – Cherubinis dramatische französische Oper nach Euripides: Meisterwerk der Klassik, Wiederbelebung für Maria Callas, packende Tragödie und musikalische Virtuosität

Autor: Leandro Alegsa

Médée ist eine französische Oper in drei Akten. Luigi Cherubini schrieb die Musik. Das Libretto stammt von François-Benoît Hoffmann (Nicolas Étienne Framéry). Es basiert auf Euripides' Tragödie von Medea und auf Pierre Corneilles Stück Médée. Es wurde am 13. März 1797 in Paris uraufgeführt. Die italienische Fassung von Carlo Zangarini wurde am 30. Dezember 1909 in Mailand aufgeführt. Die Oper ist das erfolgreichste Werk Cherubinis. Sie wurde 1953 für Maria Callas wiederbelebt.

Entstehung und Quellen

Cherubinis Médée entstand in der Zeit nach der Französischen Revolution, als die Opernszene in Paris künstlerischen Wandel erlebte. Das Libretto verknüpft das antike Drama von Euripides mit Elementen aus der französischen Klassik (vor allem der Fassung von Pierre Corneille). Daraus ergibt sich eine dichte, tragische Handlung mit starkem psychologischem Fokus auf die Titelfigur.

Handlung (Kurzfassung)

  • Medea, die hilfsbereite und mächtige Frau des Helden Jason, sieht sich verraten, als Jason eine Heirat mit der Prinzessin Glauce anstrebt.
  • Aus Rache und Verzweiflung plant Medea ein grausames Vergeltungswerk: Sie bringt Glauce und oft auch Creon (je nach Fassung) durch vergiftete Geschenke oder Tücke um.
  • Der tragische Höhepunkt ist die Tötung ihrer eigenen Kinder, um Jason endgültig zu zerstören; Medea entzieht sich am Ende der irdischen Strafe meist durch eine spektakuläre Flucht.

Musik und Stil

Cherubinis Musik zeichnet sich durch dramatische Intensität, klare formale Struktur und sorgfältige Orchestrierung aus. Sein Stil verbindet klassizistische Elemente mit Vorformen romantischer Ausdrucksweise: kraftvolle Chorszenen, expressive Solopartien und pointierte Harmonik unterstützen den düsteren dramatischen Kern der Geschichte. Zeitgenössische Musiker und Komponisten – darunter auch Beethoven – schätzten Cherubinis Kunstfertigkeit und formales Können.

Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte

Die Uraufführung 1797 in Paris machte die Oper zunächst bekannt; im Laufe des 19. Jahrhunderts geriet sie jedoch teilweise in Vergessenheit. Die italienische Bearbeitung von Carlo Zangarini (aufgeführt 1909 in Mailand) trug zur Wiederaufnahme in anderen Opernzentren bei. Eine bedeutende Wiederbelebung erlangte die Partitur 1953 durch die Interpretation von Maria Callas, die der Oper zu neuem internationalen Interesse verhalf.

Bedeutung und Wirkung

Médée gilt als Cherubinis wichtigstes Bühnenwerk und als ein Vorläufer der dramatischen Opern des 19. Jahrhunderts. Die Kombination aus psychologisch verdichteter Handlung und eindringlicher musikalischer Sprache beeinflusste spätere Komponisten und wurde immer wieder als Beispiel für die Verbindung von klassischer Form und dramatischem Ausdruck zitiert.

Besetzung (Hauptpersonen)

  • Medea — Titelfigur, zentrale Rolle
  • Jason — Medeas Ehegatte
  • Glauce — Prinzessin, Jasons neue Geliebte
  • Creon — Herrscher (je nach Fassung wichtiger Antagonist)
  • Neris — Vertraute Medeas (in vielen Fassungen)

Aufnahmen und Produktionsempfehlungen

Dank der Wiederentdeckung durch berühmte Sängerinnen und Sänger gibt es mehrere hörenswerte Aufnahmen und Bühnenproduktionen. Wer sich der Oper nähern möchte, sollte auf Ausgaben achten, die den französischen Originaltext respektieren; es existieren aber auch italienische Bearbeitungen, die historisch bedeutsam sind.

Weiterführende Hinweise

Für Leserinnen und Leser, die sich intensiver mit dem Werk beschäftigen möchten, sind Vergleiche mit der Tragödie Euripides' und mit Corneilles Fassung nützlich, um die literarischen und dramatischen Entscheidungen des Librettisten zu verstehen. Auch die Rezeptionsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert bietet interessante Einblicke in Wandel der Opernaufführung und der Stimmkunst.

Haupt-Zeichen

  • Medea (Médée) - Sopran
  • Glauce (Dircé) - Sopran
  • Giasone (Jason) - Tenor
  • Neris (Néris) - Mezzosopran
  • Creonte (Créon) - Baß

Diskographie

Original französische Version

  • 1995: Iano Tamar (Médée), Patrizia Ciofi (Dircé), Luca Lombardo (Jason), Magali Damonte (Néris), Jean-Philippe Courtis (Créon); Kammerchor Sluk, Orchestra Internazionale d'Italia Opera, Patrick Fournillier - (Neue Ära)
  • 1997: Phyllis Treigle (Médée), Thaïs St. Julien (Dircé), Carl Halvorson (Jason), D'Anna Fortunato (Néris), David Arnold (Créon); Chorus Quotannis, Brauerei-Kammerorchester, Bart Folse - (Newport Classic)

Lachner-Fassung, in italienischer Übersetzung von Zangarini

  • 1953: Maria Callas (Medea), Maria Luisa Nache (Glauce), Gino Penno (Giasone), Fedora Barbieri (Neris), Giuseppe Modesti (Creonte); Chor und Orchester des Teatro alla Scala di Milano, Leonard Bernstein - (EMI Classics)
  • 1957: Maria Callas (Medea), Renata Scotto (Glauce), Mirto Picchi (Giasone), Miriam Pirazzini (Neris), Giuseppe Modesti (Creonte); Chor und Orchester des Teatro alla Scala di Milano, Tullio Serafin - (EMI Classics)
  • 1967: Gwyneth Jones (Medea), Pilar Lorengar (Glauce), Bruno Prevedi (Giasone), Fiorenza Cossotto (Neris), Justino Díaz (Creonte); Orchester und Chor der Accademia Nazionale di Santa Cecilia, Lamberto Gardelli - (Decca)


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