Republik Berg-Karabach (Artsakh): Geschichte, Status & Konflikt
Republik Berg-Karabach (Artsakh): Umfassender Überblick zu Geschichte, völkerrechtlichem Status und Konflikten. Hintergründe, Chronologie und aktuelle Lage kompakt erklärt.
Die Republik Berg-Karabach (NKR) (armenisch: Լեռնային Ղարաբաղի Հանրապետություն Lernayin Gharabaghi Hanrapetut'yun), auch Republik Artsakh genannt, war eine de facto unabhängige Republik in der Region Berg-Karabach im Südkaukasus. International wird das Gebiet als Teil von Aserbaidschan betrachtet und nicht als eigener Staat anerkannt.
Geschichte und historische Hintergründe
Die Region Berg-Karabach ist historisch überwiegend von Armeniern bewohnt. Seit dem Zusammenbruch des Russischen Kaiserreichs 1918 und der kurzzeitigen Unabhängigkeit beider Republiken war das Gebiet zwischen Armenien und Aserbaidschan umstritten. Nach der Eroberung durch die Sowjetunion wurde 1923 das Autonome Gebiet Berg-Karabach (NKAO) innerhalb der Aserbaidschanischen SSR eingerichtet. Diese Grenzziehung legte den Grundstein für spätere Spannungen.
Ende der Sowjetzeit und erste bewaffnete Auseinandersetzungen
In den letzten Jahren der Sowjetunion eskalierten die ethnischen und politischen Spannungen. Zwischen 1988 und 1994 kam es zum Berg-Karabach-Krieg, in dessen Folge die lokale armenische Führung die Kontrolle über Berg-Karabach und angrenzende Gebiete erlangte. Am 10. Dezember 1991 fand in der NKAO und der benachbarten Region Schahumian ein Referendum statt; als Ergebnis wurde die Erklärung der Unabhängigkeit von Aserbaidschan abgegeben und die Republik Berg-Karabach ausgerufen. Diese Unabhängigkeit wurde jedoch von keinem UN-Mitgliedsstaat anerkannt, auch nicht von Armenien.
Politischer Status und internationale Vermittlungsbemühungen
Seit dem Ende des ersten Krieges verhandelten Vertreter Armeniens und Aserbaidschans wiederholt über eine friedliche Regelung. Vermittelt wurden die Gespräche hauptsächlich von der Minsker Gruppe der OSZE, in der unter anderem Russland, Frankreich und die USA eine Rolle spielten. Trotz jahrelanger Verhandlungen blieb eine völkerrechtlich verbindliche Lösung aus.
Demografie, Verwaltung und Alltag
Die Bevölkerung bestand überwiegend aus ethnischen Armeniern; die faktische Hauptstadt war Stepanakert (armenisch Ստեփանակերտ, aserbaidschanisch Xankəndi). Die Selbstverwaltung betrieb eigene Institutionen (Regierung, Parlament, Justiz, Sicherheitskräfte), behielt aber enge wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Armenien. Die Ökonomie war durch begrenzte internationale Anerkennung, Blockadenphasen und die Folgen wiederkehrender Kämpfe geprägt. Wichtige soziale Probleme waren die Versorgung der Vertriebenen, die Infrastruktur und die wirtschaftliche Entwicklung in einem isolierten Umfeld.
Neuere bewaffnete Konflikte (2020–2023) und aktuelle Lage
- Im Herbst 2020 kam es zu einer erneuten, groß angelegten militärischen Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan, die oft als Zweiter Berg-Karabach-Krieg bezeichnet wird. Nach sechs Wochen Kampfhandlungen wurde ein von Russland vermittelter Waffenstillstand vereinbart. Dabei verlor die de facto-Behörde große Teile des vor 1994 kontrollierten Territoriums.
- In den folgenden Jahren verschlechterte sich die Lage weiter: Sanktionen, Blockaden der Verbindungskorridore und wiederkehrende Zwischenfälle führten zu wachsender Unsicherheit. Russische Friedenstruppen wurden in bestimmten Bereichen stationiert, um den Waffenstillstand zu überwachen.
- Im September 2023 startete Aserbaidschan eine groß angelegte Offensive in und um Berg-Karabach. Die Offensive führte zu einer schnellen militärischen Überwältigung der de facto-Streitkräfte, großflächigen Vertreibungen der armenischstämmigen Bevölkerung und erheblichen humanitären Problemen. Nach den Kampfhandlungen erklärten Vertreter der de facto-Behörde, dass die Institutionen der Republik aufgelöst werden sollten und ein großer Teil der Bevölkerung nach Armenien floh.
Diese Ereignisse führten zu einem faktischen Ende der politischen Unabhängigkeit unter den damals praktizierten Strukturen und haben die humanitäre Lage in der Region dramatisch verschlechtert. Internationale Organisationen und Staaten riefen zu Schutz, humanitärer Hilfe und einer dauerhaften politischen Lösung auf.
Völkerrechtliche und humanitäre Aspekte
Völkerrechtlich gilt Berg-Karabach mehrheitlich als Teil von Aserbaidschan, was von der UN-Generalversammlung wiederholt bestätigt wurde. Gleichzeitig wurden während der Konflikte Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Vertreibungen laut; diese Vorwürfe wurden von internationalen Beobachtern, NGOs und Staaten dokumentiert und untersucht. Die humanitäre Lage, insbesondere bei Vertriebenen und Flüchtlingen, war und ist ein zentrales Problem.
Ausblick
Eine dauerhafte und für alle Seiten akzeptable Lösung setzt politische Verhandlungen voraus, in denen Sicherheitsgarantien, der Status und die Rechte der Zivilbevölkerung sowie humanitäre Fragen geregelt werden. Die Rolle externer Vermittler, die Interessen regionaler Mächte und die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung werden weiterhin entscheidend sein. Ob und wie eine Rückkehr zu normalisierten Verhältnissen möglich ist, hängt von politischen Entscheidungen, Vertrauen schaffenden Maßnahmen und internationaler Unterstützung ab.
Wichtiger Hinweis: Die Lage in Berg-Karabach ist dynamisch und kann sich schnell ändern. Für aktuelle Entwicklungen sollten seriöse Nachrichtenquellen und offizielle Verlautbarungen herangezogen werden.
Geographie
Die Republik von Artsakh hat viele Berge. Sie hat eine Fläche von 11.500 km2 (4.440 Quadratmeilen) und grenzt an Armenien, Aserbaidschan und den Iran. Die höchsten Gipfel des Landes sind der 3.340 Meter hohe Mount Mrav und der 2.725 Meter hohe Mount Kirs (8.940 ft). Die größten Flüsse sind der Terter und der Khachen. Die meisten Flüsse des Landes fließen in Richtung des Artsakh-Tals.
Das Klima in der Republik Konstantinopel ist mild. Es ist an über 100 Tagen im Jahr neblig. Mehr als 36% des Landes sind bewaldet.
Demographische Daten
Im Jahr 2005 betrug die Einwohnerzahl des Landes 137.737. Die ethnische Zusammensetzung bestand aus 137.380 (99,74%) Armeniern, 171 (0,12%) Russen, 21 (0,02%) Ukrainern, 6 (0,00%) Aserbaidschanern und 159 (0,12%) anderen.
Die erste demographische Volkszählung in der Republik von Artsakh fand 1769 statt. Es war ein Brief von Heraklius II. von Georgien an den Russen Petr Iwanowitsch Panin, in dem es hieß: "Sieben Familien regieren die Region Khamse. Die Bevölkerung ist vollständig armenisch."
Im Jahr 2014 lag die Lebenserwartung für Männer bei 71,6 Jahren und für Frauen bei 76,8 Jahren.
Nahezu die gesamte aserbaidschanische Bevölkerung wurde seit dem Krieg von armenischen Streitkräften getötet oder vertrieben. Aserbaidschanische Flüchtlinge, die überlebt haben, dürfen nicht zurückkehren und sind zu Vertriebenen geworden.
Fragen und Antworten
F: Wie lautet der offizielle Name von Artsakh?
A: Der offizielle Name von Artsakh ist Republik Artsakh oder Republik Berg-Karabach.
F: Wer hat seit dem Altertum in Berg-Karabach gelebt?
A: Armenier leben seit der Antike in Berg-Karabach.
F: Wann fand die Invasion der Seldschuken statt?
A: Die seldschukische Invasion fand im 11. Jahrhundert statt.
F: Was geschah, nachdem die Sowjetunion die Kontrolle über Berg-Karabach übernommen hatte?
A: Nachdem die Sowjetunion die Kontrolle über Berg-Karabach übernommen hatte, bildete sie die Autonome Region Berg-Karabach (NKAO) innerhalb der Aserbaidschanischen SSR.
F: Worum ging es bei einem Referendum, das 1991 abgehalten wurde?
A: Das Referendum fragte die Wähler, ob dieses Gebiet unabhängig von Aserbaidschan sein sollte.
F: Wie hat die aserbaidschanische Bevölkerung auf dieses Referendum reagiert?
A: Die aserbaidschanische Bevölkerung hat dieses Referendum boykottiert, indem sie nicht zur Wahl gegangen ist.
F:Wer vermittelt die Friedensgespräche zwischen Armenien und Aserbaidschan?
A:Die Minsk-Gruppe der OSZE vermittelt die Friedensgespräche zwischen Armenien und Aserbaidschan.
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