Noctiluca scintillans – Meeresbiolumineszenz, Ernährung & Lebenszyklus

Noctiluca scintillans: Faszinierende Meeresbiolumineszenz, Ernährung, Symbiosen und Lebenszyklus – Einblick in das leuchtende Plankton‑Phänomen.

Autor: Leandro Alegsa

Noctiluca, gewöhnlich Noctiluca scintillans, ist das bekannte „Funkeln im Meer“. Es handelt sich um eine freilebende, marine Art der Dinoflagellaten, die besonders an Küsten und in nährstoffreichen Gewässern gehäuft auftritt. Die einzelnen Zellen sind vergleichsweise groß (typisch einige hundert Mikrometer bis etwa ein Millimeter Durchmesser) und gut mit bloßem Auge oder schwach mit dem Mikroskop zu erkennen.

Biolumineszenz

Noctiluca scintillans zeigt auffällige Biolumineszenz, die bei mechanischer Reizung – etwa durch Wellen, Schiffe oder schwimmende Tiere – ein leuchtendes Aufblitzen erzeugt. Dieses „Milchmeer“- oder Glühphänomen entsteht im Zytoplasma der einzelligen Protisten durch eine Luziferin‑Luziferase‑Reaktion. Die Reaktionspartner sind in Tausenden kugelförmiger Organellen, den sogenannten Szintillonen, lokalisiert. Nichtlumineszierende Populationen der Gattung Noctiluca besitzen diese Szintillonen nicht. Die Reaktion wird schnell durch Calcium‑Signale ausgelöst und ist eine energiereiche, kurzlebige Lichtausschüttung.

Ernährung und Symbiosen

Noctiluca ist überwiegend ein heterotropher Organismus, das heißt, sie betreibt selbst keine Photosynthese, sondern ernährt sich durch Phagozytose und Aufnahme von Partikeln. Sie verschlingt verschiedenstes Plankton, Kieselalgen, andere Dinoflagellaten, Fischeier und Bakterien. Die Kieselalge Thalassiosira ist als eine bevorzugte Nahrungsquelle von Noctiluca bekannt. Nahrung und Fremdorganismen werden in großen Vakuolen gespeichert und verdaut.

In einigen Populationen nimmt N. scintillans sehr kleine Phytoplankton oder Einzeller auf, die als Endosymbionten in den Vakuolen verbleiben. Solche Symbionten, häufig grün gefärbte Algen, können für den Wirt Photosynthese betreiben und so zusätzliches organisches Material liefern. In anderen Fällen dienen die aufgenommenen Kieselalgen vorwiegend als Nahrungsreserve und werden verdaut. Die Beziehungen sind variabel: manche Symbionten bleiben über mehrere Wirtsgenerationen erhalten und können photoautotroph wachsen.

Lebenszyklus und Vermehrung

Die Vermehrung erfolgt überwiegend ungeschlechtlich durch Zellteilung; unter günstigen Bedingungen können Populationen schnell anwachsen und starke Blüten (so genannte „blooms“) bilden. Für Noctiluca sind außerdem Phasen der Ruheform oder Zystenbildung in der Literatur beschrieben, die ungünstige Umweltbedingungen überdauern helfen. Details zu Geschlechts‑ oder sexuellen Stadien sind für verschiedene Populationen unterschiedlich dokumentiert und werden weiterhin wissenschaftlich untersucht.

Verbreitung und ökologische Bedeutung

Noctiluca scintillans kommt weltweit in küstennahen Meeren vor, besonders in gemäßigten bis tropischen Regionen. Unter bestimmten Umweltbedingungen – hohe Nährstoffkonzentrationen, ruhiges Wetter und geeignete Temperatur – kommt es zu Massenvermehrungen, die als rote oder milchig‑leuchtende „Red Tides“ sichtbar werden. Solche Blooms können das Ökosystem beeinträchtigen, indem sie beim Absterben Sauerstoff verbrauchen und so lokale Hypoxie (Sauerstoffmangel) verursachen, was zu Fischsterben und Veränderungen in der Nahrungskette führen kann. Im Allgemeinen gelten viele Noctiluca-Blüten nicht als stark toxisch, doch ihre ökologischen Effekte sind erheblich.

Beobachtung und Forschung

Das langsame, auffällige Leuchten macht Noctiluca zu einem interessanten Studienobjekt für Meeresbiologen und Öffentlichkeit gleichermaßen. Forschungsschwerpunkte sind die molekulare Grundlage der Biolumineszenz, die Rolle endosymbiotischer Algen, Ursachen und Folgen von Blooms sowie mögliche Zusammenhänge mit Klimawandel und Eutrophierung. Für Küstenschutz und Fischerei sind Monitoring und frühe Warnsysteme wichtig, um Schäden durch starke Massenentwicklungen zu minimieren.

Langbelichtungsbild der Biolumineszenz von Noctiluca scintillans im Yachthafen von Zeebrugge, BelgienZoom
Langbelichtungsbild der Biolumineszenz von Noctiluca scintillans im Yachthafen von Zeebrugge, Belgien

Fragen und Antworten

F: Was ist Noctiluca scintillans?


A: Noctiluca scintillans ist eine freilebende, im Meer lebende Art von Dinoflagellaten, die Biolumineszenz zeigt, wenn sie gestört wird.

F: Wie erzeugt Noctiluca scintillans Biolumineszenz?


A: Noctiluca scintillans erzeugt Biolumineszenz im Zytoplasma durch eine Luciferin-Luciferase-Reaktion in Tausenden von kugelförmigen Organellen, den sogenannten Szintillonen.

F: Was ist der Milchseeeffekt?


A: Der Milchmeereffekt entsteht, wenn Noctiluca scintillans gestört wird und die biolumineszente Reaktion in ihrem Zytoplasma ein milchiges Aussehen auf der Meeresoberfläche erzeugt.

F: Was frisst Noctiluca scintillans?


A: Noctiluca scintillans ist ein heterotropher Organismus, der seine Nahrung durch Phagozytose verschlingt. Er ernährt sich von Plankton, Kieselalgen, anderen Dinoflagellaten, Fischeiern und Bakterien. Seine bevorzugte Nahrungsquelle ist die Kieselalge Thalassiosira.

F: Haben alle Arten der Gattung Noctiluca Szintillonen?


A: Nein, die nicht leuchtenden Populationen der Gattung Noctiluca haben keine Szintillons.

F: Betreibt Noctiluca scintillans Photosynthese?


A: Nein, Noctiluca scintillans ist ein Heterotropher und betreibt keine Photosynthese.

Q: Leben symbiotische Organismen in Noctiluca scintillans?


A: Ja, Noctiluca scintillans nimmt winziges Phytoplankton auf, das als Endosymbiont lebt und Photosynthese für seinen größeren Wirt betreibt. Kieselalgen sind oft in den Vakuolen von Noctiluca zu finden.


Suche in der Enzyklopädie
AlegsaOnline.com - 2020 / 2025 - License CC3