In der ägyptischen Mythologie war Nut die Göttin des Himmels. Ihr Körper bildete eine schützende Himmelskuppel über der Erde. Nut war die Schwester und Ehefrau von Geb und die Mutter von Osiris, Nephthys, Isis und Seth (in einigen Überlieferungen werden außerdem Anubis oder Horus der Ältere als Kinder genannt); sie ist außerdem Großmutter des Horus. Horus wird in manchen Traditionen auch als Enkel von Ra angesehen.

Mythos und kosmische Rolle

Die alten Ägypter stellten sich vor, dass Nut jeden Abend den Sonnengott Ra verschlang und ihn jede Nacht durch ihren Leib ins Reich der Toten führte, um ihn am Morgen wieder gebären zu können. So symbolisierte Nut den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt und war eng mit der täglichen Fahrt der Sonne und mit dem Konzept der Auferstehung verbunden. In einer bekannten Erzählung verbot Ra Nut ursprünglich, an einem Tag des Jahres Kinder zur Welt zu bringen. Der Gott Thot gewann jedoch in einem Spiel (oft gegen den Mond) genügend Licht, um dem Jahr fünf zusätzliche Tage hinzuzufügen – die sogenannten epagomenalen Tage – an denen Nut ihre Kinder gebar.

Darstellung und Symbolik

Nut wird häufig als Frau dargestellt, die sich bogenförmig über die Erde spannt, mit Händen und Füßen die Erde berührend; ihr Körper ist oft mit Sternen bedeckt, was ihre Funktion als Himmelsgewölbe betont. Gelegentlich erscheint sie auch als Kuh oder als Frau mit Kuhkopf. Sie symbolisiert Schutz, Ordnung und den nächtlichen Himmel, in dem die Gestirne ruhen und die Sonne ihre Reise vollendet.

Familie und Herkunft

Nützlich für das Verständnis ihrer Stellung in der Götterwelt ist ihre Abstammung: Nut ist eine Tochter von Shu (Gott der Luft) und Tefnut (Göttin der Feuchtigkeit). Zusammen mit ihrem Gemahl Geb (der die Erde personifiziert) bildet sie ein grundlegendes Paar im ägyptischen Kosmos, das die duale Ordnung von Himmel und Erde darstellt.

Kult, Verehrung und Bedeutung in Bestattungsritualen

Nut hatte zwar selten eine eigenständige, groß angelegte Tempelkultbewegung wie einige andere Götter, doch ihre Präsenz in der Religiosität war besonders in der Bestattungs- und Jenseitsvorstellung zentral. Ihr Bild findet sich häufig auf Decken von Gräbern und Särgen, wo sie den Verstorbenen Schutz und Wiedergeburt im Jenseits gewährt. Texte wie das sogenannte Buch der Nut oder Darstellungen aus dem Sonnen- und Nachtlauf auf Sarkophagen zeigen ihre Rolle als Himmelsgöttin und als Begleiterin der Sonnenreise.

Variationen und regionale Unterschiede

Wie bei vielen altägyptischen Gottheiten gibt es verschiedene Versionen von Nuits Geschichten und Genealogien. Manche Quellen nennen leicht abweichende Kinder- oder Beziehungslisten; in einigen Traditionen wird ihre Rolle stärker mit bestimmten lokalen Kultelementen verknüpft. Insgesamt bleibt sie jedoch eine der zentralen Gestalten der ägyptischen Kosmologie und Mythologie.

Zusammenfassend: Nut ist die personifizierte Himmelskuppel, Beschützerin, Gebärerin wichtiger Götter der ägyptischen Welt und eine Schlüsselgestalt für Vorstellungen von Tod, Wiedergeburt und dem nächtlichen Sternenhimmel.