Azorina vidalii: Azoren-Glockenblume – Steckbrief, Merkmale & Verbreitung
Azorina vidalii — Azoren‑Glockenblume: kompakter Steckbrief zu Merkmalen, Lebensraum & Verbreitung. Endemisch, pflegeleicht und ideal für naturnahe Gärten.
Die Azorina vidalii (Azoren-Glockenblume) ist die einzige Art der Gattung Azorina innerhalb der Campanulaceae, der Familie der Glockenblumengewächse. Diese auf den Azoren endemische Art wird neben den Azoren auch in anderen Ländern als Zierpflanze verwendet.
Sie erhielt den Namen Campanula vidalii erstmals von Hewett Cottrell Watson in Hooker's Icones Plantarum, Tabelle DCLXXXIV (684); Watson gab ihr den spezifischen Namen vidalii nach "Capt. Vidal, R.N.", der die Originalpflanze sammelte. Heinrich Feer änderte den Namen in Azorina vidalii und schuf damit eine neue Gattung Azorina, in Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie, 12, S. 611.
Merkmale
Azorina vidalii ist eine ausdauernde, oft halbstrauchige Pflanze, die an den Küstenstandorten ein gedrungenes bis aufrechteres Wuchsbild entwickelt. Typische Merkmale sind:
- Stängel: verzweigt, meist etwas fleischig und widerstandsfähig gegen Meeresklima.
- Blätter: einfach, meist dicklich-fleischig (sukkulent wirkend), elliptisch bis lanzettlich; sie helfen der Pflanze, Salz- und Trockenstress zu überstehen.
- Blüten: glockenförmig bzw. röhrenförmig mit fünf Zipfeln an der Mündung, meist weiß bis zartrosa gefärbt; die Blüten sind auffällig und können in Rispen oder einzeln erscheinen.
- Früchte/Samen: wie bei vielen Glockenblumengewächsen werden kleine Kapseln mit zahlreichen feinen Samen gebildet.
Lebensraum und Verbreitung
Die Art ist auf den Azoren endemisch und kommt dort auf mehreren Inseln vor. Sie besiedelt bevorzugt exponierte, felsige Küstenbereiche, Klippen, Spalten und basaltische Felsvorsprüngen in unmittelbarer Meeresnähe. Aufgrund ihrer Anpassungen an Salznebel und Wind spielt sie eine typische Rolle in der spezialisierten Küstenvegetation der Inseln.
Blütezeit, Bestäubung und Vermehrung
Die Blütezeit liegt überwiegend in den wärmeren Monaten, wobei an milden Standorten und in geschützten Lagen auch anhaltende Blühphasen auftreten können. Die auffälligen glockenförmigen Blüten werden hauptsächlich von Insekten (z. B. Bienen und Dolchflüglern) besucht und bestäubt. Die Vermehrung erfolgt natürlich über Samen; in Kultur ist auch die Vermehrung durch Stecklinge möglich.
Kultivierung
Als Zierpflanze wird Azorina vidalii wegen ihrer Toleranz gegenüber Meeresklima und ihres dekorativen Blütenflors geschätzt. Wichtige Hinweise zur Kultur:
- Standort: sonnig bis halbschattig, vorzugsweise windige Küstenlagen oder gut durchlüftete, offene Plätze.
- Substrat: mager, sehr gut durchlässig; sandige bis steinige Böden sind ideal.
- Pflege: mäßig gießen, Staunässe vermeiden; salztolerant, daher geeignet für maritime Gärten.
- Vermehrung: Samen oder semi-holzige Stecklinge; im Garten lässt sie sich relativ unkompliziert kultivieren, benötigt jedoch frostfreie bis schwach frostgefährdete Winter.
Gefährdung und Schutz
Obwohl die Art auf den Azoren heimisch ist und lokal häufig vorkommen kann, ist ihr Lebensraum durch Küstenbebauung, Infrastrukturmaßnahmen, veränderte Landnutzung, invasive Pflanzenarten und den steigenden Druck durch Tourismus gefährdet. Zudem können Klimawandel und veränderte Meeresspiegel die speziellen Küstenhabitate beeinträchtigen. Auf regionaler Ebene bestehen Schutzmaßnahmen und Bestandserfassungen; für die Erhaltung der Art sind der Schutz ihrer natürlichen Küstenstandorte und die Kontrolle invasiver Arten wichtig.
Systematik und Namen
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte unter dem Namen Campanula vidalii durch H. C. Watson; später stellte Heinrich Feer die Art in die Monotypische Gattung Azorina und gab ihr damit den heute gebräuchlichen Namen Azorina vidalii. Neben dem wissenschaftlichen Namen existieren gebräuchliche Trivialnamen wie Azoren-Glockenblume oder im Englischen "Azores bellflower".
Wissenswertes
- Die Art ist ein schönes Beispiel für endemische Inselspezialisierung: die Anpassung an salzige, windige Küstenklippen macht sie für andere Standorte oft weniger konkurrenzfähig, in ihrem Heimatbereich aber sehr erfolgreich.
- Als Gartenpflanze kann sie dazu beitragen, naturnahe Küsten- und Steingartenpflanzungen zu bereichern und dabei Nektarquellen für Insekten zu bieten.
Beschreibung
Die Azoren-Glockenblume ist eine immergrüne, mehrjährige krautige Pflanze, die 80 bis 150 Zentimeter hoch wird. Sie produziert Zweige an der Basis und diese Zweige sind im unteren Teil verholzt. Die Pflanze hat dunkelgrüne Blätter.
Die Pflanze blüht von Mai bis Oktober. Der Blütenstand hat viele hängende, wachsartige, zartrosa, glockenförmige Blüten. Die Azorina vidalii forma alba hat, wie der Name schon sagt, weiße Blüten.

Pflanze von Azorina vidalii
Wo es wächst
Die Azoren-Glockenblume ist selten und wächst normalerweise in Löchern in Klippen in Meeresnähe, unterhalb der 50 Meter Höhe. Sie wird gewöhnlich von der Pflanze Salicornia begleitet, die auch das Salz des vom Meer kommenden Windes verträgt. Die Pflanze kommt auf allen Inseln des Azoren-Archipels vor, nicht jedoch auf der Insel Graciosa.
Synonyme
- Campanula vidalii H.C.Watson, Ikone. Pl. 7: t. 684 (1844).
- Azorina vidalii f. alba Sealy, Bot. Mag. 176: t. 527 1968).
- Campanula vidalii f. alba Sealy, Bot. Mag. 176: t. 527 (1968).
Fragen und Antworten
F: Was ist Azorina vidalii?
A: Azorina vidalii ist eine blühende Pflanzenart, die zur Familie der Glockenblumen gehört und auf den Azoren heimisch ist.
F: Wie wird Azorina vidalii verwendet?
A: Azorina vidalii wird in vielen Ländern außerhalb der Azoren als Zierpflanze verwendet.
F: Wer hat Azorina vidalii zuerst benannt?
A: Hewett Cottrell Watson war der erste, der der Pflanze den Namen Campanula vidalii gab.
F: Warum wurde die Pflanze Azorina vidalii genannt?
A: Heinrich Feer änderte den Namen in Azorina vidalii und schuf damit eine neue Gattung Azorina, zu Ehren ihrer Herkunft von den Azoren und ihres Sammlers "Capt. Vidal, R.N."
F: Ist Azorina vidalii in seinem natürlichen Lebensraum verbreitet?
A: Ja, Azorina vidalii ist auf den Azoren endemisch und dort weit verbreitet.
F: Ist Azorina vidalii eine Art von Campanula?
A: Azorina vidalii gehört zur gleichen Familie wie Campanula, ist aber die einzige Art innerhalb der Gattung Azorina.
F: In welcher Publikation hat Hewett Cottrell Watson Azorina vidalii benannt?
A: Hewett Cottrell Watson nannte die Pflanze Campanula vidalii in Hookers Icones Plantarum, Tabelle DCLXXXIV (684).
Suche in der Enzyklopädie