Rutherfordium (Rf, 104) – radioaktives Element: Eigenschaften & Isotope

Rutherfordium (Rf, 104) – künstliches, stark radioaktives Element: Eigenschaften & Isotope (u.a. 265Rf ~13 h), Herstellung, angenommene Hafnium-ähnliche Chemie, keine praktische Nutzung.

Autor: Leandro Alegsa

Rutherfordium ist ein chemisches Element mit dem Symbol Rf und der Ordnungszahl 104. Es wurde historisch auch als eka‑Hafnium oder unter dem systematischen Namen unnilquadium bezeichnet. Rutherfordium ist ein sehr radioaktives, künstliches Element, das in der Natur nicht vorkommt und ausschließlich in Kernreaktionen erzeugt wird. Das bislang stabilste bekannte Isotop ist 265Rf — seine Halbwertszeit beträgt nach aktuellen Messungen etwa 13 Stunden. Viele andere Isotope von Rutherfordium haben jedoch deutlich kürzere Halbwertszeiten (Sekunden bis Stunden) und zerfallen überwiegend durch α‑Zerfall oder spontane Spaltung.

Entdeckung und Benennung

Die Entdeckung von Rutherfordium ist von einer historischen Kontroverse begleitet: Erste Beobachtungen wurden in den 1960er Jahren sowohl am Joint Institute for Nuclear Research (Dubna, damals UdSSR) als auch am Lawrence Berkeley National Laboratory (USA) gemeldet. Beide Gruppen trugen zur Identifikation des Elements bei. In der Folgezeit gab es unterschiedliche Benennungsvorschläge (z. B. "kurchatovium" von der sowjetischen Seite), bis die Internationale Union für Reine und Angewandte Chemie (IUPAC) den Namen rutherfordium, zu Ehren von Ernest Rutherford, akzeptierte (offizielle Festlegung in den 1990er Jahren).

Herstellung und Nachweis

  • Rutherfordium wird in Teilchenbeschleunigern erzeugt, indem schwere Aktinid‑Zielkerne mit leichten Ionen beschossen werden (sogenannte Fusionsreaktionen). Übliche Reaktionspartner sind beispielsweise Ionen wie 12C, 18O oder 48Ca und Aktiniden wie Uran, Neptunium, Plutonium oder Curium.
  • Wegen der sehr geringen Produktionsraten entsteht nur eine winzige Anzahl einzelner Atome. Der Nachweis erfolgt über die Messung von Zerfallsprodukten (α‑Spektren) und die Verfolgung von Zerfallsketten oder durch Messung spontaner Spaltung.

Physikalische und chemische Eigenschaften

Makroskopische Proben von Rutherfordium sind nicht verfügbar, daher beruhen viele Aussagen auf theoretischen Vorhersagen und experimentellen Ergebnissen an einzelnen Atomen. Erwartet wird, dass Rf ein metallisches Verhalten zeigt und in chemischer Hinsicht dem Element Hafnium ähnelt:

  • Oxidationsstufe: überwiegend +4 (analog zu Hf), daher werden tetravalente Verbindungen wie Oxide und Halogenide angenommen.
  • Elektronenkonfiguration: theoretisch wird eine Konfiguration in der Nähe von [Rn]5f14 6d2 7s2 vorhergesagt; relativistische Effekte beeinflussen jedoch die Elektronenanordnung und damit Feinheiten der Chemie.
  • Chemische Experimente an wenigen Atomen deuten darauf hin, dass sich Rutherfordium in Lösung und in der Gasphase ähnlich wie Hafnium verhält, jedoch mit messbaren Abweichungen durch relativistische Effekte.

Isotope

Es sind mehrere Isotope von Rutherfordium künstlich erzeugt worden. Die Lebensdauern liegen typischerweise im Bereich von Bruchteilen einer Sekunde bis zu einigen Stunden. Das Isotop mit der längsten bekannten Halbwertszeit ist 265Rf (≈ 13 Stunden). Andere Isotope werden unter Laborbedingungen hergestellt, um Zerfallsdaten, Kernstruktur und chemische Eigenschaften zu untersuchen.

Verwendung

Wegen der extrem geringen herstellbaren Mengen und der starken Radioaktivität hat Rutherfordium keine technischen oder kommerziellen Anwendungen. Es bleibt Gegenstand grundlegender Forschung in Kernphysik und Chemie, insbesondere zur Untersuchung von Kernstruktur, Stabilität schwerer Elemente und den Auswirkungen relativer Effekte auf die Chemie der schweren Elemente.

Zusammenfassend: Rutherfordium ist ein kurzlebiges, künstliches Transactinoid ohne praktische Verwendung, dessen untersuchte Chemie weitgehend mit der von Hafnium übereinstimmt, während die Erforschung seiner Isotope und Kern‑ sowie Atomphysik weiterhin wissenschaftlich interessant ist.

Geschichte

Rutherfordium wurde nach Ernest Rutherford benannt. Es wurde berichtet, dass es erstmals 1964 am Gemeinsamen Institut für Kernforschung in Dubna, Russland, hergestellt wurde. Die Wissenschaftler berichteten, dass sie ein anderes chemisches Element 242Pu mit dem Element 22Ne bombardierten. Die Neon-22-Teilchen wurden auf eine Energie von 113 bis 115 MeV beschleunigt. Sie behaupten, mit einem Mikroskop Kernspaltungsspuren in einer speziellen Glasart entdeckt zu haben, die zeigen, dass dort ein neues Element vorhanden war.

1969 stellten Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Berkeley Rutherfordium her, indem sie mit sehr hohen Energien 249Cf und 12C zusammenschlugen. Diese Wissenschaftler sagten, dass, als sie versuchten, Rutherfordium auf die gleiche Weise herzustellen wie die Wissenschaftler am Gemeinsamen Institut für Kernforschung, keines der Elemente produziert wurde.

Die Wissenschaftler des Gemeinsamen Instituts für Kernforschung behaupteten, es sei zuerst in Dubna entdeckt worden. Sie meinten, es sollte nach Igor Wassiljewitsch Kurtschatow (1903-1960) Dubnium (Db) oder Kurtschatowium (Ku) genannt werden.

Die Wissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Berkeley waren der Meinung, dass sie den Namen Rutherfordium (Rf) tragen sollte.

Die International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC) entscheidet über die Bezeichnung der Elemente, die von allen verwendet werden sollen. Sie benutzten unnilquadium (Unq) als vorläufigen Namen. Unnilquadium ist der systematische Elementname. Im Jahr 1997 lösten sie den Streit und benutzten den heutigen Namen rutherfordium. Das chemische Element mit der Ordnungszahl 105 wurde Dubnium genannt.

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