Säkularismus: Definition und Beispiele zur Trennung von Staat und Kirche
Säkularismus verständlich erklärt: Definition, historische Beispiele und klare Unterschiede zwischen Staat, Kirche und Theokratie. Praxisbeispiele aus Indien, USA, Pakistan u. a.
Säkularismus, auch Säkularität genannt, bezeichnet die Grundidee, dass Staat, öffentliche Institutionen und Politik unabhängig von religiösen Institutionen und Glaubensüberzeugungen handeln sollten. Er meint nicht notwendigerweise die Ablehnung von Religion im persönlichen Leben, sondern eine funktionale Trennung von religiöser Autorität und staatlicher Macht. Historisch hängt die Entwicklung des Säkularismus mit der Aufklärung, der Trennung von Kirche und Staat in Europa und dem Wunsch nach Religionsfreiheit und Gleichbehandlung zusammen.
Warum Säkularismus?
Die wichtigsten Ziele des Säkularismus sind:
- Religionsfreiheit für alle Bürgerinnen und Bürger, also die Freiheit, eine Religion auszuüben oder keiner Religion anzugehören.
- Gleichbehandlung unabhängig von religiöser Zugehörigkeit, sodass keine Religion staatlich bevorzugt oder benachteiligt wird.
- Neutralität des Staates in Streitfragen über Glauben und religiöse Praktiken, um gesellschaftliche Konflikte zu minimieren.
Formen und Modelle
Säkularismus existiert in mehreren Ausprägungen. Man unterscheidet etwa:
- Strikte Trennung (z. B. klassische Lesart der US-Verfassung): Staat darf Religion weder einführen noch bevorzugen.
- Laizität (französisches Modell): besonders konsequente Neutralität des öffentlichen Raums gegenüber Religion, oft mit Regeln zu religiösen Symbolen in Schulen und Behörden.
- Kooperative Modelle: Staat und Religionsgemeinschaften arbeiten zusammen oder der Staat fördert religiöse Institutionen finanziell, bleibt dabei aber formal neutral.
- Staatskirche oder Staatsreligion: Eine Religion ist offiziell mit dem Staat verbunden oder wird vom Staat gefördert.
Ein typisches Beispiel für den Gegensatz zwischen säkularen und nicht-säkularen Systemen ist die Frage der Staatsreligion: In einigen Ländern, wie Pakistan, Großbritannien, Griechenland, Iran oder Saudi-Arabien, gibt es eine Staatsreligion. In diesem Fall folgt die Regierung der Staatsreligion. Im Gegensatz dazu gibt es in Indien, Südafrika und den Vereinigten Staaten Gesetze, wonach Religion und Regierung getrennt bleiben sollten.
Säkularismus versus Theokratie
Während der Säkularismus auf Trennung und Neutralität abzielt, ist die Theokratie das Gegenbild: Dort sind religiöse Führer oder Priester direkt in die Staatsführung eingebunden oder bestimmen die Gesetze. Ein einfaches Beispiel dafür ist: „In einer Theokratie sind die Priester der Religion die Herrscher des Landes.“ Manche Staaten weisen Mischformen auf, in denen religiöse Prinzipien starken Einfluss auf die Gesetzgebung haben, ohne dass eine vollständige theokratische Herrschaft besteht.
Konkrete Auswirkungen im Alltag
- Schulen: Regelungen zu Religionsunterricht, religiösen Symbolen oder verpflichtendem Gebet.
- Justiz und Familienrecht: Manche Länder erlauben religiöse Gerichte für Familien- oder Erbrecht (z. B. in Teilen Indiens), andere bestehen auf ein einheitliches Zivilrecht.
- Staatliche Feiertage und Rituale: In säkularen Staaten versucht man, staatliche Praxis möglichst religionsneutral zu gestalten; in Staaten mit Staatsreligion sind religiöse Feiertage oft offizieller Teil des Kalenders.
- Finanzierung: In manchen Ländern finanziert der Staat Kirchen oder Religionen direkt (oder über Kirchensteuern), in anderen nicht.
Wichtige Hinweise
Säkularismus bedeutet nicht automatisch Religionsfeindlichkeit oder Atheismus. Vielmehr geht es um die Organisation des öffentlichen Lebens: Religion bleibt Privatsache, Politik soll aber für alle gleich gelten. In der Praxis sind die Grenzen oft umstritten — etwa beim Tragen religiöser Symbole, beim Religionsunterricht in Schulen oder bei gesetzlichen Ausnahmen für religiöse Gruppen.
Zusammenfassend ist Säkularismus ein Prinzip zur Gestaltung staatlicher Neutralität gegenüber Religion, das in unterschiedlichen Modellen und mit unterschiedlichen Konsequenzen weltweit angewendet wird.

Allegorie des französischen Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat (1905)
Verwandte Seiten
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