Überblick
Ein Halbton (in britischem Englisch half step, in amerikanischem Englisch auch semitone genannt) ist in der westlichen Musiktheorie das kleinste in der Praxis gebräuchliche Intervall. Er beschreibt den Abstand zwischen zwei Tönen, die in der Tonhöhe unmittelbar nebeneinander liegen; auf einer Klaviatur sind das benachbarte Tasten. In der heute gebräuchlichen gleichschwebenden Stimmung entspricht ein Halbton einem Abstand von 100 Cent und zwölf gleiche Halbtöne fassen eine Oktave zusammen.
Charakteristika und Einteilung
Man unterscheidet in der Theorie zwischen zwei Arten von Halbtönen: dem diatonischen Halbton (zwischen zwei benachbarten Leittonstufen der diatonischen Leiter, z. B. E–F) und dem chromatischen Halbton (zwischen einer Note und ihrer chromatisch erhöhten oder erniedrigten Form, z. B. C–C♯). In temperierten Systemen sind alle Halbtöne gleich groß, in historischen oder alternativen Stimmungen können ihre Größen variieren.
- Auf der Klaviertastatur sieht man den Halbton zwischen benachbarten Tasten: zwischen C und C♯ (oder D♭) sowie zwischen E und F ohne schwarze Taste dazwischen.
- Ein Ganzton besteht aus zwei Halbtönen; z. B. C bis D umfasst C→C♯ (Halbton) und C♯→D (zweiter Halbton) zusammen.
- Beispiele und Erklärungen zur Tastatur sind oft hilfreich: siehe Tastaturdarstellung.
Kurze historische Entwicklung
Die Vorstellung vom Halbton ist alt und erscheint bereits in antiken Theorien über Intervallverhältnisse. Im Verlauf der Musikgeschichte veränderte sich die konkrete Größe des Halbtons je nach Stimmungssystem: Pythagoreische und justierte Systeme lieferten ungleiche Halbtöne, während die zunehmende Praxis des Generalbasses und chromatischer Musik im 17. und 18. Jahrhundert zur Verbreitung temperierter Systeme führte. Die heute dominierende gleichschwebende Stimmung setzte sich schließlich durch, weil sie das Spielen in allen Tonarten mit akzeptablen Intonationsabweichungen ermöglichte.
Bedeutung und praktische Anwendung
Der Halbton ist zentral für Melodik, Harmonik und Chromatik. Viele musikalische Effekte beruhen auf halbtönigen Bewegungen: Leittonverbindungen, chromatische Durchgänge, Modulationen und dissonante Spannungen. In der Notation werden Halbtöne durch Vorzeichen wie Kreuz und Be (♯, ♭) markiert; enharmonische Verwechslungen (z. B. C♯ = D♭ in gleichschwebender Stimmung) sind möglich und praktisch relevant.
Besondere Hinweise und Abgrenzungen
Obwohl der Halbton in westlicher Kunstmusik als kleinste Einheit gilt, kennen andere musikalische Traditionen Mikrointervalle, die kleiner als ein Halbton sind. Zudem ist die exakte Frequenzrelation eines Halbtons von der verwendeten Stimmung abhängig: in der gleichschwebenden Stimmung ist die Relation normiert, in historischen Stimmungen hingegen nicht. Für weiterführende Erläuterungen zur Anwendung des Halbtons in Harmonielehre und Praxis siehe westliche Musik und methodische Darstellungen zu Tonstufen und Intervallen, etwa Hinweise zu nebeneinander stehenden Tönen (nebeneinander) oder zur Begriffsabgrenzung von Tönen (Töne).
Für Anschauungsmaterial und interaktive Beispiele sind Tastaturillustrationen und Übungen nützlich; entsprechende Ressourcen finden sich unter allgemeinen Lehrmitteln zur Klaviertastatur (Tastatur) und zu Oktavaufteilungen (Oktave).

