Schlesien – Historische Region in Polen und Deutschland

Schlesien: Spannende historische Region an der Grenze Polen–Deutschland – reich an Kultur, wechselvoller Geschichte und faszinierendem kulturellen Erbe.

Autor: Leandro Alegsa

Schlesien (polnisch: Śląsk; deutsch: Schlesien; lateinisch: Silesia; schlesisch: Ślůnsk) ist eine historische Region mit wechselvoller Geschichte, die heute größtenteils zu Polen gehört, außerdem Teile im heutigen Tschechien und einen kleinen Teil in Deutschland umfasst. Schlesien war über Jahrhunderte ethnisch, sprachlich und konfessionell gemischt und spielte besonders im 19. und 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle als Industrieregion.

Kurzüberblick zur Geschichte

Im Mittelalter gehörte Schlesien ursprünglich zu den slawisch-polnischen Piasten, später zerfiel es in mehrere schlesische Herzogtümer. Ab dem 14. Jahrhundert stand ein Großteil unter böhmischer (später habsburgischer) Oberhoheit. Zwischen 1742 und 1945 war der größte Teil Schlesiens Teil Preußens bzw. des Deutschen Reiches; nach den Schlesischen Kriegen fiel ein Großteil der Region an Preußen, während kleinere Gebiete (z. B. Mährisch-Schlesien) bei den Habsburgern verblieben.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs und nach dem Versailler Vertrag kam es in Teilen Oberschlesiens zu Volksabstimmungen und Grenzverschiebungen; einige Gebiete wurden – je nach Abstimmungsergebnis – Polen zugeordnet, andere blieben in Deutschland. Die Region war geprägt von Industrie, vor allem Bergbau (Kohle), Eisen- und Stahlproduktion sowie Textilindustrie.

Im Jahr 1945 wurde Schlesien militärisch von der sowjetischen Roten Armee eingenommen. In der Folge des Kriegsendes und der Beschlüsse der Siegermächte (insbesondere der Potsdamer Vereinbarungen) wurde der überwiegende Teil Schlesiens der polnischen Verwaltung unterstellt. In den Jahren danach kam es zu großflächigen Bevölkerungsverschiebungen: Millionen Deutscher verließen oder wurden aus den östlichen Teilen des früheren Deutschen Reiches vertrieben bzw. zwangsumgesiedelt; gleichzeitig zogen viele Polen in die ehemals deutschen Gebiete, darunter zahlreiche Menschen, die selbst aus dem östlich der neuen Grenzen gelegenen Polen (den sogenannten Kresy) stammen. Außerdem wurden in den späten 1940er Jahren unter anderen Umsiedlungsmaßnahmen auch Ukrainer und andere Bevölkerungsgruppen zwangsumgesiedelt (z. B. Aktion Weichsel/Operation Vistula).

Unter der neuen, zunächst provisorischen und später in der Volksrepublik Polen staatlich verankerten Verwaltung wurden weitreichende politische und wirtschaftliche Umgestaltungen vorgenommen: Verstaatlichung von Industrie, Bodenreformen und die Errichtung eines sozialistischen Wirtschaftssystems prägten die Nachkriegszeit. Die gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche dieser Jahre sind bis heute Teil der regionalen Erinnerung.

Geographie und Verwaltung heute

Historisches Schlesien lässt sich nicht mehr in einer einzigen Verwaltungseinheit abbilden. In Polen befinden sich große Teile in den heutigen Woiwodschaften Niederschlesien (Dolnośląskie), Oppeln (Opolskie) und Schlesien (Śląskie). Ein kleinerer Teil gehört zur Tschechischen Republik (mährisch-schlesische Regionen, vor allem die Region Moravskoslezský kraj) und ein sehr kleiner Bereich liegt im östlichen Sachsen (Deutschland). Das Gelände reicht von den fruchtbaren Niederungen bis zu Gebirgszügen wie dem Sudeten (Schlesische Beskiden und Karkonosze).

Bevölkerung, Sprache und Kultur

Schlesien war traditionell multiethnisch: deutschsprachige, polnischsprachige und tschechischsprachige Bevölkerungsgruppen lebten dort, dazu eigenständige schlesische Dialekte und Minderheiten. Die konfessionelle Zusammensetzung variierte: In manchen Teilen dominierte der Katholizismus (vor allem in Oberschlesien), in anderen Teilen war Protestantismus verbreitet (z. B. in Teilen Niederschlesiens).

Der „schlesische“ Identitätsbegriff ist komplex: Es gibt heute Personen, die sich als Schlesier verstehen, und es besteht eine aktive Diskussion über die Anerkennung der schlesischen Mundart bzw. Sprache. Kulturelle Traditionen umfassen Volksbräuche, regionale Küche, Dialekte, Architektur und Industriearchitektur (Bergbau und Fabrikanlagen).

Wirtschaft

Historisch ist Schlesien eines der wichtigsten Industrieregionen Mitteleuropas gewesen, besonders wegen seiner Kohlenvorkommen, der Stahlindustrie und des Bergbaus. Städte wie Katowice (Kattowitz), Breslau (Wrocław) und Opole (Oppeln) sind Wirtschaftszentren. Nach 1945 und besonders seit dem Übergang zur Marktwirtschaft in den 1990er Jahren durchlief die Region umfassende Strukturveränderungen: Stilllegungen und Umstrukturierungen in der Schwerindustrie, aber auch Investitionen in neue Branchen, Dienstleistungen und Infrastruktur.

Wichtige Städte und Sehenswürdigkeiten

Zu den wichtigsten Städten Schlesiens gehören Wrocław (Breslau), Katowice (Kattowitz), Opole (Oppeln), Legnica (Liegnitz), Wałbrzych (Waldenburg) und Jelenia Góra (Hirschberg). Zu den bedeutenden Kulturdenkmälern zählen unter anderem die Jahrhunderthalle in Wrocław (Hala Stulecia) und die Friedenskirchen in Jawor und Świdnica, die zur UNESCO-Welterbeliste gehören, sowie zahlreiche Schlösser, Kirchen und Bergbaudenkmäler.

Erinnerung und heutiges Zusammenleben

Das heutige Schlesien ist ein Raum, in dem historische Erinnerung, wirtschaftlicher Wandel und kulturelle Vielfalt aufeinandertreffen. Themen wie Erinnerung an Vertreibung und Zwangsumsiedlungen, Fragen der Minderheitenrechte, regionale Identität und die Bewahrung des kulturellen Erbes sind weiterhin bedeutsam. Gleichzeitig ist Schlesien heute Teil der europäischen Integration: grenzüberschreitende Kooperationen mit Tschechien und Deutschland sowie wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen prägen die Region.

Die Geschichte Schlesiens ist vielschichtig und lässt sich in wenigen Absätzen nicht vollständig darstellen; die obenstehenden Punkte geben einen zusammenfassenden, sachlichen Überblick über die wichtigsten historischen, geographischen und kulturellen Aspekte.

Geographie

Schlesien liegt an der oberen und mittleren Oder, der oberen Weichsel, den Sudeten und den Karpaten.

Der höchste Punkt Schlesiens ist der Śnieżka - in den Sudeten.

Verwaltungsbezirk Wroclaw (Breslau), 1914

Administrative region of Breslau, 1914

Städte

Die größten Städte Schlesiens (Einwohnerzahl von 1939):

Name

Bevölkerung

Wrocław

630,041

Kattowitz

127,044 (1931)

Zabrze

126,211

Gleiwitz

117,323

Chorzów

102,349 (1931)

Beuthen

100,891

Zgorzelec

93,823

Legnica

83,701

Walbrzych

64,072

Oppeln

52,992

Racibórz

50,000

Andere Städte sind: Brzeg, Boleslawiec, Kozle, Zabkowice Slaskie, Klodzko, Głogów, Strzelce Opolskie, Zielona Gora, Zlotoryja, Jelenia Gora, Glubczyce, Nysa, Swidnica, Trzebnica

Berühmte Personen

Es gibt viele berühmte Persönlichkeiten, die in Schlesien geboren wurden:

  • Writers, poets and playwrights like Andreas Gryphius, Martin Opitz, Fürst von Pückler-Muskau, Carl Hauptmann, Gerhart Hauptmann (Nobel Prize in Literature, 1912), Joseph Freiherr von Eichendorff, Gustav Freytag
  • Mitglieder des deutschen Widerstandes wie Peter Graf Yorck von Wartenburg, Helmuth James Graf von Moltke,
  • Militäroffiziere wie Manfred von Richthofen, Erwin von Witzleben
  • Maler wie Adolph von Menzel
  • Philosophen wie Jakob Böhme
  • Schauspieler wie Dieter Hildebrandt, Victor de Kowa, Ludwig M. Lommel, Wolfgang Neuss, Willy Fritsch, Hanna Schygulla, Georg Thomalla
  • Politicians like Paul Löbe (SPD), Klaus Töpfer (CDU), Manfred Kanther (CDU), Ferdinand Lassalle, Erich Mende (FDP)
  • Wissenschaftler wie Hans G. Dehmelt (Nobelpreis für Physik, 1989), Paul Ehrlich (Nobelpreis für Medizin, 1908), Friedrich Bergius (Nobelpreis für Chemie, 1931), Max Born (Nobelpreis für Physik, 1954), Fritz Haber (Nobelpreis für Chemie, 1918), Reinhard Selten (Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften), 1994), Konrad Bloch (Nobelpreis für Medizin, 1964), Bernhard Grzimek, Johannes Winkler, Maria Goeppert-Mayer (Nobelpreis für Physik, 1963), Kurt Alder (Nobelpreis für Chemie, 1950), Otto Stern (Nobelpreis für Physik, 1943)
  • Baumeister und Architekten wie Carl Gotthard Langhans
  • Musiker wie Katja Ebstein, Roy Etzel, Michael Jary

Galerie

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Erste Karte von Schlesien (1561)

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Rathaus von Breslau, Deutschland zwischen ca. 1890 und ca. 1900. Ansicht von Osten.

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Krummhuebel, Kirche Wang (deutsch: Kirche Wang) zwischen 1890 und 1905.

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Postkarte des Marktplatzes in der Stadt Oppeln im Jahr 1904.

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Hotel "Haus Oberschlesien" (übersetzt: Oberschlesisches Haus) in Gleiwitz, Oberschlesien, Deutschland, 1928

Fragen und Antworten

F: Was ist Schlesien?


A: Schlesien ist eine historische Region in Polen.

F: Welche Sprachen werden in Schlesien gesprochen?


A: Zu den in Schlesien gesprochenen Sprachen gehören Polnisch, Deutsch, Latein und Schlesisch.

F: Wann war Schlesien Teil von Deutschland?


A: Zwischen 1742 und 1945 war es der östliche Teil von Deutschland und eine preußische Provinz.

F: Wer hat 1945 ganz Polen besetzt?


A: 1945 wurde ganz Polen von der sowjetischen Roten Armee besetzt.

F: Welche Gesetze wurden von der kommunistischen Besatzungsmacht nach 1945 erlassen?


A: Der kommunistische Besatzer erließ Gesetze, mit denen er die verbliebenen Eigentümer vertrieb.

F: Wie wirkten sich diese Gesetze auf die Grundeigentümer in Schlesien aus?


A: Diese Gesetze hatten negative Auswirkungen auf die Grundbesitzer, da sie gezwungen waren, ihr Land und ihren Besitz zurückzulassen.

F: Gab es Widerstand gegen diese Besetzung?


A: Es ist unklar, ob es Widerstand gegen diese Besetzung gab oder nicht.


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