Tour de Pologne – Polens Etappenrennen im Straßenradsport (seit 1928)

Tour de Pologne – Polens traditionsreiches Etappenrennen seit 1928: spannende Berg- und Flachetappen, Teil der UCI ProTour mit internationalen Profi-Teams.

Autor: Leandro Alegsa

Die Tour de Pologne (deutsch: Polen-Rundfahrt) ist ein Etappenrennen im Straßenradsport. Sie besteht in der Regel aus sieben oder acht Etappen und wurde erstmals 1928 ausgetragen. Bis 1952 fand das Rennen nicht jedes Jahr statt, doch seither gibt es die Veranstaltung jährlich (jedes Jahr), mit Ausnahme der Kriegsjahre und einzelner politisch bedingter Unterbrechungen. Während der Zeit, in der Osteuropa politisch-kommunistisch geprägt war, existierte in den betreffenden Ländern kein ausgebauter Profisport im modernen Sinne; deshalb war die Tour de Pologne bis in die frühen 1990er Jahre überwiegend ein Rennen für Amateure, und die Gesamtsieger kamen lange Zeit meist aus Polen.

Geschichte und Modernisierung

Die Tour hat sich seit ihren bescheidenen Anfängen stark verändert. Ab den 1990er Jahren wurde das Rennen durch intensive organisatorische Anstrengungen professionalisiert; eine Schlüsselfigur dabei ist Czesław Lang, ehemaliger Profi und Olympia-Medaillengewinner, der als Rennleiter die Veranstaltung modernisierte, internationale Sponsoren gewann und die Teilnahme professioneller Teams förderte. Durch diese Modernisierung stieg die internationale Bedeutung der Rundfahrt kontinuierlich.

Aufstieg zum internationalen Rennen

Obwohl die Tour de Pologne lange Zeit nur regional bekannt war, entschied der Internationale Radsportverband (UCI) 2005, das Rennen in die UCI ProTour aufzunehmen. Damit verpflichteten sich die damals erstklassigen Teams zur Teilnahme, und die Qualität des Feldes stieg deutlich. In der Folge wurde die Tour de Pologne Teil des internationalen Profi-Kalenders und ist heute fester Bestandteil höherer UCI-Kategorien (nachfolgend in das UCI WorldTour-Programm integriert worden), was TV-Präsenz, Medieninteresse und Sponsoring weiter erhöhte.

Streckenprofil und Veranstaltungsformat

Die Rundfahrt führt quer durch Polen und wechselt jährlich oft Start- und Zielorte; typische Etappenorte sind größere Städte wie Krakau, Warschau oder Danzig, daneben werden auch Regionen mit bergigem Terrain im Süden (z. B. an den Ausläufern der Karpaten) oder flachere Abschnitte im Norden genutzt. Die Strecke kombiniert Sprintetappen, hügelige Abschnitte, gelegentliche Bergetappen sowie Zeitfahren (Einzelzeitfahren oder Prolog). Diese Mischung macht die Rundfahrt für Sprinter, Klassikerspezialisten und Allrounder interessant.

Wertungen und Trikots

Wie bei vielen Etappenrennen gibt es mehrere Wertungen:

  • Gesamtwertung (für die schnellste Gesamtzeit),
  • Punktewertung (für regelmäßige Topsprinter und Prämien),
  • Bergwertung (für die besten Kletterer auf ausgewiesenen Anstiegen),
  • Nachwuchswertung (für junge Fahrer) sowie
  • Mannschaftswertung (Gesamtleistung der Teams).

Die konkrete Farbe der Trikots und die genaue Ausgestaltung der Wertungen können von Jahr zu Jahr variieren, je nach Sponsor und organisatorischen Entscheidungen.

Bedeutung und heutige Rolle

Die Tour de Pologne ist heute eines der wichtigsten Radrennen in Osteuropa. Sie bietet Profi-Teams eine Gelegenheit, Form zu testen, Punkte für den UCI-Kalender zu sammeln und sich öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Gleichzeitig ist die Rundfahrt ein wichtiges Schaufenster für den polnischen Radsport: Sie fördert den Nachwuchs, steigert das Interesse am Radsport im Inland und wirkt sich positiv auf Tourismus und regionale Wirtschaft aus.

Teilnehmer und Sieger

Seit ihrer Öffnung für Profis gewinnen heute sowohl internationale Stars als auch polnische Spitzenfahrer Etappen und Gesamtwertungen. Die Vielfalt der Etappen begünstigt verschiedene Fahrertypen, sodass Sprint- und Bergspezialisten sowie starke Zeitfahrer ihre Chancen erhalten. Die genaue Liste der Sieger ist umfangreich und zeigt die Entwicklung vom national geprägten Rennen hin zu einem international besetzten Etappenrennen.

Insgesamt hat sich die Tour de Pologne von einem nationalen Wettbewerb zu einem international renommierten Etappenrennen entwickelt, das sich dauerhaft im professionellen Radsportkalender etabliert hat.

Das Peloton bei der Polen-Rundfahrt 2004.Zoom
Das Peloton bei der Polen-Rundfahrt 2004.

Gewinner

Jahr

Gewinner

Staatsangehörigkeit

Etappen

Entfernung

1928

Feliks Wiecek

 Polen

8

1491 km

1929

Jozef Stefanski

12

2250 km

1933

Jerzy Lipinski

9

1721 km

1937

Boleslaw Napierala

9

1336 km

1939

Boleslaw Napierala

8

1291 km

1947

Stanislaw Grzelak

4

606 km

1948

Waclaw Wojcik

11

1963 km

1949

Francesco Locatelli

 Italien

12

1994 km

1952

Waclaw Wojcik

 Polen

11

1959 km

1953

Mieczyslaw Wilczewski

13

2311 km

1954

Marian Wieckowski

12

1925 km

1955

10

1563 km

1956

8

1221 km

1957

Henryk Kowalski

11

1968 km

1958

Boguslaw Fornalczyk

11

2038 km

1959

Wieslaw Podobas

11

1621 km

1960

Roger Diercken

 Belgien

8

1336 km

1961

Henryk Kowalski

 Polen

8

1329 km

1962

Jan Kudra

8

1278 km

1963

Stanislaw Gazda

8

1482 km

1964

Rajmund Zielinski

10

1394 km

1965

Jozef Beker

9

1318 km

1966

Jozef Gawliczek

10

1272 km

1967

Andrzej Blawdzin

11

1682 km

1968

Jan Kudra

12

1757 km

1969

Wojciech Matusiak

13

1795 km

1970

Jan Stachura

12

1611 km

1971

Stanislaw Szozda

12

1291 km

1972

José Luis Viejo

Spain

10

1194 km

1973

Lucjan Lis

 Polen

12

1512 km

1974

André Delcroix

 Belgien

11

1593 km

1975

Tadeusz Mytnik

 Polen

10

1440 km

1976

Janusz Kowalski

10

1499 km

1977

Lechoslaw Michalak

10

1460 km

1978

Jan Brzezny

11

1415 km

1979

Henryk Charucki

9

1335 km

1980

Tschensthal Lang

10

1282 km

1981

Jan Brzezny (2)

9

1 195 km

1982

Andrzej Mierzejewski

8

892 km

1983

Tadeusz Krawczyk

9

1147 km

1984

Andrzej Mierzejewski

9

1219 km

1985

Marek Lesniewski

10

1224 km

1986

Marek Kulas

10

1490 km

1987

Zbigniew Piatek

8

1162 km

1988

Andrzej Mierzejewski

7

1016 km

1989

Marek Wrona

8

1271 km

1990

Mieczyslaw Karlowicz

9

1207 km

1991

Dariusz Baranowski

8

1222 km

1992

8

1149 km

1993

12

1794 km

1994

Maurizio Fondriest

 Italien

7

1110 km

1995

Zbigniew Spruch

 Polen

7

1254 km

1996

Viatcheslav Djavanian

 Russland

8

1346 km

1997

Rolf Järmann

  Schweiz

8

1499 km

1998

Sergej Iwanow

 Russland

8

1434 km

1999

Tomasz Brożyna

 Polen

7

1164 km

2000

Peter Zuteilung

 Polen

7

1164 km

2001

Ondřej Sosenka

 Tschechische Republik

8

1249 km

2002

Laurent Brochard

 Frankreich

8

1273 km

2003

Cezary Zamana

 Polen

8

1133 km

2004

Ondřej Sosenka (2)

 Tschechische Republik

8

1264 km

2005

Kim Kirchen

 Luxemburg

8

1246 km

2006

Stefan Schumacher

 Deutschland

7

1226 km

2007

Johan Van Summeren

 Belgien

7

1224 km

2008

Jens Voigt

 Deutschland

7

1258,6 km

2009

Alessandro Ballan

 Italien

7

1158 km

2010

Daniel Martin

 Irland

7

1256,5 km

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