Tsetsefliegen (Glossina): Afrikas blutsaugende Überträger der Schlafkrankheit

Tsetsefliegen (Glossina) – Afrikas blutsaugende Überträger der Schlafkrankheit: Ursachen, Arten, Lebensräume und Schutzmaßnahmen. Jetzt mehr erfahren!

Autor: Leandro Alegsa

Tsetsefliegen sind große Stechfliegen, die in den tropischen Regionen Afrikas leben. Sie beißen Wirbeltiere und trinken deren Blut. Sie sind die Insektenüberträger einiger schwerer Krankheiten.

Sie sind viel untersucht worden, weil sie die Schlafkrankheit und andere Krankheiten verbreiten können.

Die Gattung Glossina umfasst etwa 34 Arten in drei Artengruppen. Eine Artengruppe lebt in der Savanne, eine andere Gruppe lebt in der Nähe von Flüssen und die dritte Gruppe in den Tropenwäldern.



Aussehen und Verhalten

Tsetsefliegen sind im Vergleich zu vielen anderen Fliegen relativ groß (meist 6–16 mm). Sie haben einen charakteristischen, stechenden Saugrüssel (Proboscis), der starr unterhalb des Kopfes nach vorne gerichtet ist. Auf den Flügeln ist bei vielen Arten ein markantes Muster und eine sogenannte „Beilzelle“ sichtbar, die für Fachbestimmungen genutzt wird.

Diese Fliegen sind tagaktiv und orientieren sich an Bewegung, Körperwärme und Gerüchen von Wirbeltieren. Viele Arten werden besonders von der Farbe Blau angezogen, was in der Bekämpfung (z. B. Köderfallen) ausgenutzt wird.

Lebenszyklus und Fortpflanzung

Anders als die meisten Fliegen legen Tsetsefliegen keine Eier ab. Die Weibchen betreiben adenotrophe Viviparie: ein Larve entwickelt sich im Mutterleib und wird von speziellen Drüsensekreten ernährt. Nach Abschluss der inneren Entwicklung wirft das Weibchen eine voll entwickelte Larve, die sich kurz darauf vergräbt und verpupt. Aus der Puppe schlüpft nach einigen Wochen bis Monaten (je nach Temperatur) die erwachsene Fliege.

Dieser Lebenszyklus macht Populationskontrollen zeitaufwendig, weil die Generationszeit relativ lang ist und nur wenige Nachkommen pro Weibchen entstehen.

Krankheitsübertragung und medizinische Bedeutung

Tsetsefliegen übertragen vor allem Einzeller der Gattung Trypanosoma. Beim Menschen verursacht Trypanosoma brucei die afrikanische Trypanosomiasis (auch Schlafkrankheit genannt). Die Erkrankung verläuft in zwei Stadien: zuerst Fieber, Kopfschmerzen und Lymphknotenschwellungen, später neurologische Symptome bis hin zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus und unbehandeltem Tod.

Bei Haustieren und Wildtieren verursachen Trypanosomen die sogenannte Nagana, die zu Leistungsabfall, Gewichtsverlust und großen wirtschaftlichen Schäden in der Viehwirtschaft führen kann.

Bekämpfung und Prävention

Die Kontrolle von Tsetsefliegen kombiniert verschiedene Methoden:

  • Fallen und Targets: blau oder schwarz gefärbte Köder (oft mit Insektizid behandelt) locken Fliegen an und töten sie.
  • Insektizidbehandelte Tiere: Auffassung von Rindern und anderen Nutztieren mit Kontaktinsektiziden reduziert die Übertragung und Fliegenpopulationen.
  • Sterile-Insekten-Technik (SIT): Freilassung steril gemachter Männchen kann lokale Populationen ausrotten, wenn sie richtig angewandt wird.
  • Habitatmanagement: Entbuschung entlang Siedlungs- und Viehpfaden kann Nist- und Ruheplätze reduzieren.
  • Überwachung und medizinische Maßnahmen: Früherkennung, Screening von Menschen und Tieren sowie Behandlung Infizierter sind zentral, um Krankheitsausbrüche zu stoppen.

In vielen Regionen werden integrierte Programme angewandt, da einzelne Maßnahmen selten ausreichen.

Verbreitung und Arten

Tsetsefliegen kommen ausschließlich in Subsahara-Afrika vor; ihr Vorkommen hängt von Klima, Vegetation und Wirtsverfügbarkeit ab. Wie oben erwähnt, teilt man die Gattung Glossina grob in Artengruppen nach Habitat: Savanne, Flussufer und Wald. Einige Arten haben ein sehr eingeschränktes Verbreitungsgebiet, andere sind weiter verbreitet.

Bedeutung für Mensch und Tier

Die Folgen des Tsetsefliegenbefalls sind vielschichtig: Neben der direkten Gesundheitsgefahr durch die Übertragung von Trypanosomen führt eine hohe Fliegenlast zu wirtschaftlichen Einbußen in der Landwirtschaft. Regionen, in denen Tsetsefliegen stark vorkommen, sind oft in ihrer Entwicklung eingeschränkt, weil Viehzucht und damit verbundene Lebensgrundlagen beeinträchtigt sind.

Wichtig: Schutzmaßnahmen reichen von persönlichem Schutz (Schutzkleidung, Insektenschutzmittel) bis zu breit angelegten Programmen zur Bekämpfung der Fliegen und zur Behandlung betroffener Personen und Tiere. Forschung und internationale Zusammenarbeit bleiben entscheidend, um die Verbreitung der Schlafkrankheit weiter zu reduzieren.

Lebenszyklus

Tsetse haben einen ungewöhnlichen Lebenszyklus. Weibliche Tsetse-Weibchen befruchten immer nur ein Ei auf einmal und halten jedes Ei in ihrer Gebärmutter, während sich der Nachwuchs während der ersten Larvenstadien innerlich entwickelt. Während dieser Zeit füttert das Weibchen den sich entwickelnden Nachwuchs mit einer milchigen Substanz, die von einer veränderten Drüse in der Gebärmutter abgesondert wird.

Im dritten Larvenstadium verlässt die Tsetse-Larve schließlich die Gebärmutter und kriecht in den Boden. Dort bildet sie eine harte äußere Schale und wird zur Puppe. Sie vollendet ihre Metamorphose in eine erwachsene Fliege. Dies dauert zwanzig bis dreißig Tage, während die Larve auf gespeicherte Ressourcen angewiesen ist.

Normalerweise ernähren sich Insektenlarven vor der Verpuppung, aber die Tsetse-Entwicklung (bevor sie als voll ausgewachsene Insektenlarven auftaucht) erfolgt ohne Fütterung. Die Entwicklung basiert nur auf Nahrungsressourcen, die vom weiblichen Elternteil zur Verfügung gestellt werden, was zeigt, dass Blut eine reiche Nahrungsquelle ist. Das Weibchen muss genügend Energie für ihre Bedürfnisse, für die Bedürfnisse ihrer sich entwickelnden Nachkommen und zur Speicherung der Ressourcen erhalten, die ihre Nachkommen benötigen, bis sie als Erwachsene heranwachsen.



Kontrolle der Fliege

Vor dem 20. Jahrhundert lebten Menschen und ihr Vieh einfach nicht in Gebieten, die von Tsetsefliegen befallen waren. Im 20. Jahrhundert verursachte der Einsatz von Pestiziden nach dem Zweiten Weltkrieg so viele Probleme, wie er löste. Jetzt werden subtilere Methoden bevorzugt. Tsetsefliegen können mit großen blauen Tüchern als Köder gefangen werden. Eine weitere gute Methode ist das Freilassen bestrahlter männlicher Fliegen, die steril sind. Da die Weibchen sich nur einmal in ihrem Leben paaren, reduziert das die Population stark.





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