Die Zwölf Apostel (jemand, der ausgesandt wurde) waren Männer, die gemäß den synoptischen Evangelien und der christlichen Tradition aus den Jüngern (Studenten) Jesu Christi für eine Mission ausgewählt wurden. Das Judentum hatte ein Amt, das als Apostel bekannt war (שליח).
Im Markus-Evangelium heißt es, dass Jesus Christus diese zwölf ursprünglich paarweise in Städte in Galiläa aussandte.
Begriff und Bedeutung
Der Begriff „Apostel“ stammt vom griechischen Wort apostolos und bedeutet „Gesandter“ oder „Ausgesandter“. In den Evangelien werden die Zwölf ausgesandt, um die Botschaft Jesu zu verkünden, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. Ihre Sendung beschreibt sowohl einen konkreten Missionsauftrag (kurzfristige Aussendungen) als auch eine dauerhafte Autorität in der jungen Gemeinde.
Auswahl und Ursprung
Die Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) berichten, dass Jesus eine Gruppe von Jüngern auswählte und zwölf davon besonders benannte. Die Zahl zwölf hat symbolischen Charakter: Sie erinnert an die zwölf Stämme Israels und signalisiert, dass mit der Sendung der Apostel eine neue Sammlung oder Erneuerung des Volkes Gottes beginnt. Die Berufung erfolgte meist persönlich durch Jesus und verband Nachfolge, Unterricht und konkrete Sendung.
Die gewöhnlich genannten Namen der Zwölf
Die Namen der Zwölf variieren leicht zwischen den Evangelien und der Apostelgeschichte, üblicherweise werden aber folgende Personen genannt:
- Simon (genannt Petrus)
- Andreas (Bruder des Petrus)
- Jakobus, Sohn des Zebedäus
- Johannes, Bruder des Jakobus
- Philippus
- Bartolomäus (häufig gleichgesetzt mit Nathanael)
- Matthäus (auch Levi genannt)
- Thomas
- Jakobus, Sohn des Alphäus
- Thaddäus (auch Judas Thaddäus, in manchen Listen Jude, Sohn des Jakobus)
- Simon der Zelot
- Judas Iskariot (später ersetzt durch Matthias)
Nach dem Verrat und Tod von Judas Iskariot wird in der Apostelgeschichte (Apg 1) Matthias als sein Nachfolger gewählt. Paulus von Tarsus wird zwar nicht zu den Zwölf gerechnet, bezeichnet sich selbst jedoch als Apostel im weiteren Sinn, weil er von Christus berufen wurde.
Auftrag und biblische Mission
Die Sendung der Apostel umfasst mehrere Aspekte:
- Verkündigung: Proklamation des nahen Reiches Gottes und der Umkehrbotschaft Jesu.
- Zeichenhandlungen: Heilungen, Exorzismen und Wunder, die die Autorität der Botschaft bestätigen.
- Leitung der Gemeinde: Aufbau von Hausgemeinden, Taufe und Lehre, später auch Konfliktregelung und Sendung weiterer Missionare.
- Zeugnis bis zum Martyrium: In der Überlieferung werden mehrere Apostel als Märtyrer genannt, was das ernsthafte Zeugnis ihrer Sendung unterstreicht.
Quellen und Unterschiede
Die wichtigsten biblischen Quellen zur Berufung und Sendung der Zwölf sind:
- Matthäus 10 (Aussendung der Zwölf)
- Markus 6 (Aussendung in die Städte Galiläas)
- Lukas 6 und 9 (Berufung und Sendung)
- Apostelgeschichte 1 (Ergänzung zur Wahl von Matthias)
Die Evangelien unterscheiden sich in Reihenfolge und einzelnen Namen; solche Unterschiede spiegeln unterschiedliche Überlieferungstraditionen wider und führen in der Forschung zu Diskussionen über historische Details.
Bedeutung in Kirche und Theologie
Historisch und theologisch spielen die Zwölf eine zentrale Rolle für das Selbstverständnis der frühen Kirche: Sie gelten als Träger der apostolischen Autorität und als Zeugen der Auferstehung. In vielen Kirchen werden die Apostel in Liturgie, Ikonografie und Heiligenkalendern besonders geehrt. Theologisch wird ihr Amt oft als Vorbild für Bischöfe und andere kirchliche Leitungsämter herangezogen (Apostolische Sukzession).
Traditionen und Nachwirkung
Über die neutestamentliche Überlieferung hinaus existieren zahlreiche apokryphe Erzählungen und kirchliche Traditionen über Wirken, Reisen und Märtyrertod der Apostel in verschiedenen Regionen (z. B. Petrus in Rom, Thomas in Indien). Diese Berichte sind unterschiedlich zuverlässig, haben aber großen Einfluss auf die Ausbreitung des Christentums und die regionale Frömmigkeitsgeschichte gehabt.
Kurzfazit
Die Zwölf Apostel sind sowohl historische Gestalten innerhalb der neutestamentlichen Überlieferung als auch symbolträchtige Repräsentanten der gesandten Gemeinde. Ihre Benennung, Sendung und das sich anschließende Wirken bilden einen Grundpfeiler für das Verständnis von Kirche, Apostolat und missionarischer Sendung im Christentum.