Bronislava Nijinska – Choreografin des modernen Balletts (1891–1972)
Bronislava Nijinska (1891–1972): Pionierin des modernen Balletts, Choreografin von Les Noces, Le Train Bleu und Les Biches – visionäre Lehrerin und prägende Tanzrevolutionärin.
Bronislava Nijinska (8. Januar 1891 [alter Stil 27. Dezember 1890] - 22. Februar 1972) war eine russische Ballerina, Choreografin und Lehrerin polnischer Abstammung. Ihre Eltern waren Berufstänzer und bildeten die Grundlage ihrer frühen Ausbildung. Sie war eine von drei Geschwistern und die Schwester des berühmten Balletttänzers Vaslav Nijinsky. Nijinska gilt als eine der prägendsten Figuren des modernen Balletts des 20. Jahrhunderts.
Ausbildung und frühe Jahre
Schon als Kind erhielt Nijinska Unterricht in Tanz und Bewegung von ihren Eltern: neben klassischen Elementen brachten sie ihr polnische, ungarische, italienische und russische Volkstänze bei. Ihr Vater vermittelte ihr zudem Akrobatik, die später in ihrer choreografischen Arbeit oft sichtbar wurde. Mit vier Jahren gab sie zusammen mit ihren Brüdern ihr Debüt in einem Weihnachtsprogramm in Nischni Nowgorod.
Sie setzte ihre formale Ausbildung beim italienischen Meister Enrico Cecchetti fort und trat 1900 in die kaiserliche Ballettschule ein, wo sie bis 1908 Schülerin war. Dort gehörten Lehrer wie Nicolai Legat und Mikhail Fokine zu ihrem weiteren Unterrichtsumfeld. Diese solide klassische Grundlage war die Basis für ihre späteren innovativen Schritte als Choreografin.
Künstlerische Laufbahn
Nijinska tanzte zunächst beim Imperial Ballet in St. Petersburg und arbeitete später mit den Ballets Russes zusammen. Unter der Leitung Sergei Diaghilews entwickelte sie sich nicht nur zu einer gefeierten Tänzerin, sondern auch zu einer der wichtigsten Choreografinnen der Company. Für die Ballets Russes schuf sie mehrere Werke, die als Meilensteine des modernistischen Tanzes gelten und ihr internationales Renommee begründeten.
Zu ihren bekanntesten Schöpfungen zählen die modernen Ballettwerke:
- Les Noces (1923) – ein expressives Werk zur Musik von Igor Strawinsky, das durch seine rhythmische Strenge und die Betonung von Gruppen-, Masken- und Zeremonialelementen auffällt;
- Le Train Bleu (1924) – ein modernes, leicht ironisches Ballett mit Musik von Darius Milhaud;
- Les Biches (1924) – ein elegantes, gesellschaftskritisch gefärbtes Stück mit Musik von Francis Poulenc, das vor allem durch seine formale Klarheit und spielerische Erotik besticht.
Stil, Lehrtätigkeit und Wirkung
Nijinskas choreografische Sprache zeichnete sich durch die Betonung von Ensemble, Choreografien mit maßgeblichem architektonischem Aufbau, akrobatischen Elementen und einer modernen Rhythmik aus. Sie arbeitete eng mit zeitgenössischen Komponisten und bildenden Künstlern zusammen und setzte oft auf reduzierte, wirkungsvolle Bühnenbilder und Kostüme, die die choreografische Struktur betonten.
Neben ihrer Arbeit als Choreografin war Nijinska eine engagierte Lehrerin und organisatorische Kraft: sie gründete und leitete Ballettschulen und -ensembles, inszenierte zahlreiche Neuaufführungen und vermittelte ihr Wissen an mehrere Generationen von Tänzern und Choreografen in Europa und später in Nordamerika. Ihre Methoden und Ideen wirkten nachhaltig auf die Entwicklung des neoklassischen und modernen Tanzes.
Spätere Jahre und Vermächtnis
In den späteren Jahrzehnten ihres Lebens inszenierte Nijinska immer wieder ihre Schlüsselwerke neu und sorgte so für deren Verbreitung in den Repertoires internationaler Compagnien. Sie zog in die Vereinigten Staaten und lebte zuletzt in Pacific Palisades, Kalifornien, wo sie am 22. Februar 1972 verstarb. Sie war zweimal verheiratet und hatte zwei Kinder.
Bronislava Nijinska wird heute als Pionierin des modernen Balletts anerkannt. Ihre innovativen Kompositionsprinzipien — besonders die Bedeutung von Gruppenbildung, rhythmischer Klarheit und räumlicher Gestaltung — beeinflussen bis heute Choreografen und Tanzensembles. Werke wie Les Noces gehören weiterhin zum Repertoire bedeutender Compagnien und belegen ihren bleibenden Einfluss auf die Tanzgeschichte.
Fragen und Antworten
F: Wer war Bronislava Nijinska?
A: Bronislava Nijinska war eine russische Ballerina, Choreografin und Lehrerin polnischer Abstammung.
F: Was haben ihre Eltern ihr beigebracht, als sie jung war?
A: Ihre Eltern brachten ihr polnische, ungarische, italienische und russische Volkstänze bei. Ihr Vater brachte ihr auch etwas Akrobatik bei.
F: Wann hat sie ihr Debüt in einem Weihnachtsprogramm gegeben?
A: Sie gab ihr Debüt in einem Weihnachtsprogramm mit ihren Brüdern in Nischni Nowgorod, als sie vier Jahre alt war.
F: Wo hat sie trainiert, bevor sie an die Imperial Ballet School kam?
A: Sie wurde von dem italienischen Tänzer Enrico Cecchetti ausgebildet, bevor sie 1900 an die Kaiserliche Ballettschule kam.
F: Für welche Balletttruppen hat sie getanzt?
A: Sie tanzte für das Kaiserliche Ballett in St. Petersburg und für die Ballets Russes.
F: Welche wichtigen Titel des modernen Tanzes wurden Nijinskas Choreographie zugeschrieben?
A: Wichtige modernistische Tanztitel, die Nijinskas Choreographie zugeschrieben werden, sind Les Noces (1923), Le Train Bleu (1924) und Les Biches (1924).
F: Wie viele Kinder hatte Bronislava? A: Bronislava hatte zwei Kinder aus zwei Ehen.
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