John Taverner nicht verwechseln mit dem zeitgenössischen britischen Komponisten Sir John Tavener.

John Taverner (geboren um 1490 – gestorben am 18. Oktober 1545) gilt als einer der wichtigsten englischen Komponisten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er war außerdem Organist und wirkte vor allem in kirchlichen Kontexten.

Leben

Zu Taverners Herkunft und früher Jugend sind nur wenige gesicherte Informationen überliefert. Das Geburtsjahr wird meist als um 1490 angegeben; nähere Angaben fehlen.

  • Frühe Jahre: Es wurde früher vermutet, Taverner sei Chorsänger in Tattershall gewesen; diese Annahme lässt sich jedoch nicht durch Einträge in den dortigen Sängerlisten belegen. Stattdessen erscheint es wahrscheinlicher, dass er später als Laienschreiber in der Gegend tätig war, möglicherweise in Lincolnshire.
  • Oxford und Cardinal College: Taverner erhielt eine Anstellung am Cardinal College (heute Christ Church) in Oxford. Seine Zeit dort endete vorzeitig infolge der kirchenpolitischen Umwälzungen unter König Heinrich VIII., die auch die Formen des Gottesdienstes und der liturgischen Musik veränderten. Es ist überliefert, dass Taverner wegen verbotener Bücher in Schwierigkeiten geriet; der Collegevorsteher entschied jedoch, ihn nicht zu bestrafen, mit der Begründung, er sei "nur ein Musiker".
  • Späte Jahre: Um das Jahr 1530 kehrte Taverner offenbar nach Lincolnshire zurück, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. In diesen Jahren scheint er kaum neue Musik veröffentlicht zu haben, blieb jedoch materiell gut gestellt.

Werke und kompositorisches Schaffen

Taverner schuf hauptsächlich Vokalmusik für den kirchlichen Gebrauch. Seine erhaltenen Werke geben einen Einblick in die musikalischen Praktiken Englands vor und während der frühen Reformation.

Zu seinen Gattungen gehören:

  • Messen – Taverner komponierte acht Messen; die bekanntesten gelten als wichtiger Bestandteil des englischen Repertoires des 16. Jahrhunderts. (Messen)
  • Magnificat – Vertonungen des Lobgesangs der Maria, die im Stundengebet verwendet wurden. (Magnificats)
  • Motetten – freie, polyphone Vokalsätze zu liturgischen oder liturgisch inspirierten Texten. (Motetten)

Ausgewählte Werke und musikalische Merkmale

  • Western Wynde – Die bekannteste Messe Taverners ist die sogenannte Western Wynde, eine Parodiemesse. Damit ist gemeint, dass der Komponist eine vorhandene Melodie (hier eine beliebte Volksmelodie) als Grundlage für die polyphone Verarbeitung in der Messe nutzte.
  • Gloria tibi trinitas – Eine weitere berühmte Messe von Taverner. Aus dem Benedictus dieser Messe leitete sich eine melodische Formel ab, die in der Folgezeit als Grundlage für Instrumentalstücke diente und die Entstehung der sogenannten In nomine-Kompositionen anstieß. Das Stichwort In nomine bezieht sich auf die Textstelle "in nomine Domini" und bezeichnet instrumentale Sätze, die diese Melodie thematisch verwenden.

Stilistisch zeichnen sich Taverners Werke durch folgenden Merkmale aus:

  • Ausgewogene polyphone Satztechnik mit aufmerksam gestalteten Solostimmen und Chorteilen.
  • Verwendung einprägsamer Melodien als Bausteine für kontrapunktische Verarbeitung (z. B. in Parodiemessen).
  • Einfluss sowohl der kontinentalen Musiktradition als auch eigenständiger englischer Praktiken, wie sie in der Praxis der In nomine-Komposition sichtbar werden.

Rezeption und Überlieferung

Taverners Musik war in England weithin bekannt und wurde bis ins 17. Jahrhundert hinein gepflegt. Einige seiner Vorlagen, vor allem die aus der Messe Gloria tibi trinitas entnommene Melodie, fanden in zahlreichen späteren Instrumentalsätzen (die In nomine-Stücke) Verwendung.

Die Quellenlage ist fragmentarisch; viele Werke sind nur in wenigen Handschriften überliefert. Die Beurteilung seines Einflusses stützt sich deshalb sowohl auf erhaltene Kompositionen als auch auf Zeugnisse über die Nutzung seiner Musik in späteren Generationen.

Kurze Zusammenfassung

  • John Taverner war ein führender englischer Kirchenkomponist und Organist des frühen 16. Jahrhunderts.
  • Er verfasste hauptsächlich Messen, Magnificat-Vertonungen und Motetten und beeinflusste mit seinen Melodien die englische Instrumentalmusiktradition.
  • Sein Leben ist nur bruchstückhaft überliefert; nach einer Zeit in Oxford verbrachte er seine letzten Lebensjahre in Lincolnshire.