Die Handbücher
Eine sehr kleine Orgel darf nur ein Manual (Klaviatur) haben. Die meisten Orgeln haben mindestens zwei. Bei englischen und amerikanischen Orgeln ist das untere Manual das Hauptmanual und wird als das Große bezeichnet. Das obere Manual wird Schwellwerk genannt, weil es Pfeifen bedient, die sich in einem "Schwellkasten" befinden, dessen Klappen geöffnet oder geschlossen werden können. Dadurch wird die Musik lauter oder leiser (Crescendo oder Diminuendo). Der Organist bedient den Schwellkasten mit einem schwenkbaren Pedal (wippt hin und her). Es befindet sich in der Mitte direkt über dem Pedalbrett. Bei alten englischen Orgeln wird der Schwellkasten mit einem seitlichen Hebel bedient. Dieser ist recht schwierig zu bedienen. Die meisten davon sind inzwischen durch zentrale Schwellkästen ersetzt worden.
Wenn es ein drittes Handbuch gibt, wird es in englischsprachigen Ländern Chor genannt. Ursprünglich nannten die Engländer sie "Stuhlorgeln", weil sie ein eigenständiges Instrument waren. Der Organist musste sich umdrehen und in die andere Richtung schauen, um sie zu spielen. Es wird vermutet, dass sich das Wort "chair" allmählich in "choir" änderte, weil es oft zur Begleitung des Chores verwendet wurde. In deutschen Orgeln wurde das dritte Manual "Positiv" genannt. Der Name "Rückpositiv" wurde verwendet, weil sich die Pfeifen hinter dem Rücken des Organisten befanden, während dieser der Hauptorgel zugewandt saß. Diese begannen in den 1950er Jahren bei den Orgelbauern wieder populär zu werden, als man der Meinung war, dass die romantische Orgel nicht für alte Musik geeignet sei, und einige Orgelbauer begannen, wieder barocke Prinzipien zu verwenden, damit die Musik von Komponisten wie Bach so klingen konnte wie früher. Das Chormanual ist dem Spieler am nächsten, das Große ist in der Mitte und das Schwellwerk ist am weitesten entfernt. Der Chor oder das Positiv enthält oft weiche Register, die sich zur Begleitung des Chores eignen. Bei französischen Orgeln ab dem späten 19. Jahrhundert sind die drei Manuale unterschiedlich angeordnet: Das Große ("Grande Orgue") ist dem Spieler am nächsten, das "Positif" ist das mittlere Manual und steht wie eine kleinere Version des Großen, und das Schwellwerk ("Recit") ist das oberste Manual. Dies macht es dem Organisten leicht, die Musik, die allmählich lauter wird, aufzubauen, indem er oben beginnt und allmählich nach unten geht.
Das vierte Manual wird Solo genannt, weil die Register dieses Manuals verwendet werden, um die Melodie als Solo zu spielen. Dieses Manual ist noch weiter vom Spieler entfernt als das Schwellwerk. Große Kathedralorgeln haben normalerweise vier Manuale. Das Solo wird wahrscheinlich ein sehr lautes Register haben, das in der Tat "Tuba" oder "Tuba Mirabilis" genannt wird.
Wenn es ein fünftes Handbuch gibt, kann es das Echo genannt werden, weil es sehr leise Register hat, die das Echo wiedergeben. Alternativ, besonders bei amerikanischen Orgeln, könnte es auch eine Bombarde sein. Die Bombarde enthält in der Regel laute, fette Zungenregister, einschließlich der als "Bombarde" bezeichneten Register. Zum Beispiel: eine Staats- oder Päpstliche Trompete könnte auf diesem Manual stehen, die über allen anderen Registern zu hören ist. Die Bombarde ist von französischen Orgeln entlehnt, wo sie als Standardregister auf fast allen Manualen und Pedalen zu finden ist. Ein Bombarde-Manual zu haben, ist für einen Organisten so etwas wie ein Luxus. Man findet es zum Beispiel an der Orgel von Westminster Abbey.
Es ist äußerst ungewöhnlich, mehr als fünf Manuale zu haben, aber in Amerika gibt es einige wenige sehr große Orgeln. Die Wanamaker-Orgel bei Macy's in Philadelphia hat sechs Manuale. Die größte Orgel der Welt befindet sich in der Atlantic City Convention Hall. Sie hat sieben Manuale und über 33.000 Pfeifen. Die größte Orgel der Welt funktioniert jedoch nicht, da es zu teuer wäre, sie zu betreiben.
Verwendung der Handbücher
Der Besitz von zwei oder drei Manualen ermöglicht schnelle Klangwechsel während eines Stückes. Der Spieler kann auch auf zwei Manualen gleichzeitig spielen: eines mit der linken und eines mit der rechten Hand. Dies ist besonders nützlich, um eine Melodie lauter als die Begleitung zu machen (auf einem Klavier kann dies durch stärkeres Drücken erreicht werden). Die Manuale können auch miteinander gekoppelt werden, z.B. kann man durch Herausziehen des Registers "Swell to Great" alle Töne aus dem Swell auch auf dem Großen herausbringen. Bei einer Orgel mit mechanischer Traktur sieht man die Tasten des Schwellwerks "von selbst spielen" wie bei einem Pianola, aber bei einigen älteren Orgeln kann es für die Finger des Organisten harte Arbeit sein, wenn die Manuale gekoppelt sind, da die Traktur dadurch sehr schwer wird.
Die Pedale
Die Noten auf den Pedalen sind wie die Noten auf einer Klaviatur angeordnet, sind aber offensichtlich viel größer. Der Spieler muss lernen, nach "Gefühl" zu spielen, sonst muss er seine ganze Zeit damit verbringen, auf seine Füße zu schauen. Er spielt jeden Ton, entweder mit der Zehe oder mit der Ferse und entweder auf der Innenseite des Fußes oder auf der Außenseite. Die Orgel der American und British Standard enthält 30 Töne, die einen Tonumfang von fast 2 ½ Oktaven (C bis F, oder manchmal C bis G: 32 Töne) ergeben. Sie liegen nicht ganz in einer geraden Linie, sondern fächern sich ein wenig auf, um das Spiel zu erleichtern (man nennt es ein "strahlendes, konkaves Pedalbrett"). In deutschen und französischen Orgeln und Orgeln, die vor 1920 gebaut wurden, ist das Pedalbrett gerade, ohne jegliche Fächerkrümmung. Viele Organisten finden, dass dies das Spielen erschwert. Organisten brauchen ein gutes Paar Schuhe: solche mit guten schmalen Absätzen und vorzugsweise spitzen Zehen. Die Sohlen müssen ziemlich glatt sein, aber nicht zu glatt, damit der Spieler den Fuß von einem Pedal zum anderen schieben kann. Organisten behalten normalerweise gerne ein Paar Schuhe, die nur zum Orgelspiel getragen werden, damit die Sohlen keinen Kies oder Schmutz von der Straße haben.
Die Haltestellen
Die Register auf einem Orgelspieltisch geben verschiedene Klänge ab, wie die Instrumente eines Orchesters, und haben Namen, die dem Organisten sagen, welche Art von Klang sie erzeugen werden. Die Register befinden sich in der Regel links und rechts vom Organisten und sind gezogen ("drawstops" oder "pulls", weil sie "gezogen", d.h. gezogen werden). Einige Orgeln haben "Registerzüge" oder "Wippenregister", die sich vor dem Spieler befinden und zum Ein-/Ausschalten vorwärts und rückwärts geschaukelt werden können.
Die Register einer Orgel können in Familien eingeteilt werden.
Die Chorregister sind die Basisregister, die grundlegenden Register, die gut für den Aufbau des großen, soliden Klangs sind. Ein Diapason oder Prinzipal ist ein Chorregister.
Die Flötenregister klingen wie Flöten in einem Orchester. Sie sind sanfter als die Diapasonen und klingen gut für sehr schnelle und leichte Musik.
Die Zungenblätter sind Register wie Oboe, Klarinette, Trompete, Fagotto, Posaune. Jede Pfeife hat innen ein Rohrblatt. Ihr Klang ist sehr stark und nasal (als ob man durch die Nase spricht).
Die Streicher sind leise Register, die wie Streichinstrumente klingen. Es sind Register wie Violone und Gambe.
Es gibt eine andere Möglichkeit, die Haltestellen zu gruppieren. Jede Haltestelle hat eine Nummer unter dem Namen. Die Nummer kann 16, 8, 4, 2, 1 oder sogar 2 2/3 oder 1 3/5 sein. Wenn die Nummer 8 ist, spricht man von einer "Acht-Fuß-Haltestelle". Dies ist die normale Tonhöhe: die Note wird so klingen, wie sie geschrieben ist, z.B. beim Spielen des mittleren C. Ein 4-Fuß-Register wird eine Oktave höher klingen als geschrieben, ein 2-Fuß-Register wird zwei Oktaven höher klingen. Ein 16-Fuß-Register wird eine Oktave tiefer klingen als ein 8-Fuß-Register. 8 Fuß ist daher die normale Tonhöhe, und die anderen werden dazu addiert, um einen größeren, helleren Klang zu erzeugen. 16-Fuß-Register sind in Pedalstimmen normal.
Mutationsregister sind Register, in denen ein Ton nicht eine ganze Anzahl von Oktaven über der normalen Tonhöhe erklingt. Beispiele sind die Tierce 1 3/5 (die 2 Oktaven und eine Terz darüber erklingt) und die Nazard oder Zwölfton 2 2/3 (eine Oktave und eine Quinte).
Benutzung der Haltestellen
Ein Organist muss lernen, welche Kombinationen von Registern zusammen gut klingen und wie man sie gut ausbalanciert. Jede Orgel ist anders und hat ihren eigenen Charakter.
Die Kombination von Registern, die ein Organist für ein bestimmtes Musikstück auswählt, wird als "Registrierung" bezeichnet. Die Liste aller Register, die eine bestimmte Orgel hat, wird als "Spezifikation" bezeichnet. Die Spezifikation einer Orgel zeigt die Namen der Register für jedes der Manuale und für die Pedale sowie die Liste der Koppeln.
Orgeln haben auch Knöpfe, die "Kolben" genannt werden, mit deren Hilfe man die Registrierung in der Mitte eines Stückes ändern kann. Es gibt "Zehenkolben", die mit den Füßen bedient werden, und "Daumenkolben", die direkt unter jedem Manual angebracht sind, so dass sie mit dem Daumen gedrückt werden können, während die Finger weiterspielen. Große Orgeln haben oft "Generalkolben", die jede beliebige Kombination von Registern in der Orgel verändern. Diese sind oft computergesteuert, so dass die Spieler sie je nach der Musik, die sie spielen wollen, unterschiedlich einstellen können. Wenn mehrere Spieler das Instrument regelmäßig benutzen, kann jeder von ihnen seine eigenen persönlichen Einstellungen für die Kolben haben, die sie sperren können, so dass kein anderer sie ändern kann.
Die Pfeifen
Jeder Register steuert eine Reihe von Pfeifen, die als "Rang" bezeichnet werden. Jeder Rang erzeugt einen anderen Klang (eine Reihe für den "Diapason"-Klang, eine weitere Reihe für die "Flöte", eine weitere für die "Trompete" und so weiter). Die Register steuern den Luftstrom durch die Ranks. Einige Register können mehr als einen Rang steuern. Zum Beispiel hat ein Mixturregister mit drei Ranks 182 Pfeifen (3 Ranks mit je 61 Pfeifen) und in einigen Orgeln ist die Celeste ein Register mit 2 Ranks. Die Celeste-Pfeifen sind etwas schärfer gestimmt als der Rest der Orgel, so dass, wenn sie zusammen mit einem anderen ruhigen Register wie dem Salicional gespielt werden, ein angenehm pochender Schlag entsteht, da zwei Pfeifen leicht verstimmt sind. Orgelpfeifen werden normalerweise aus Metall oder Holz hergestellt. Hochwertige Orgelpfeifen aus Metall enthalten in der Regel 75 Prozent Zinn oder mehr, und der Rest ist Blei. Die Pfeifen werden auf Windladen in einem "Orgelgehäuse" in einem speziellen Raum, der als Orgelkammer bezeichnet wird, aufgestellt. Eine Windlade ist eine kastenähnliche Vorrichtung, die Paletten enthält, die geöffnet und geschlossen werden, um einer Pfeife Luft zuzuführen, damit sie erklingt. Die Paletten werden durch Zugdrähte und Rollen im Falle eines Nachführinstruments betätigt, können aber auch pneumatisch oder direkt elektrisch mit Hilfe von Magneten betätigt werden.
Wenn die Orgel eingeschaltet ist, wird immer Luft in die Windlade gepumpt. In den Tagen vor der Elektrizität musste jemand (ein Orgelgebläse) die Luft mit Hilfe eines Blasebalgs in die Windlade pumpen. Das war harte Arbeit. Große Orgeln hätten für diese Arbeit mehr als ein Orgelgebläse benötigt.