Agilodocodon war ein spitzbübisch großer Docodont aus dem Mittleren Jura. Es ist das früheste bekannte baumkletternde säugetierähnliche Therapsid. Heute wird Agilodocodon jedoch in die Gruppe der Mammaliaformen (frühe Verwandte der echten Säugetiere) eingeordnet; die Bezeichnung „Therapsid“ wird in modernen Klassifikationen dafür nicht mehr bevorzugt.
Merkmale
Agilodocodon scansorius war von der Kopf- bis zur Schwanzspitze nur etwa 13 Zentimeter lang und wog schätzungsweise ca. 27 Gramm. Gebogene, verhornt erscheinende Krallen sowie besonders bewegliche Knöchel- und Handgelenke deuten auf eine gut an das Klettern angepasste Anatomie hin, wie sie bei modernen baumbewohnenden Säugetieren zu finden ist. Die Kopfform mit einer relativ langen Schnauze verlieh ihm ein äußerliches Erscheinungsbild, das an ein Eichhörnchen erinnert.
Ernährung und Zähnliche Besonderheiten
Die Vorderzähne von Agilodocodon scansorius sind spatenförmig ausgebildet. Ausgehend von dieser Form wurde vorgeschlagen, dass das Tier an Baumrinde nagen und pflanzliche Säfte oder Harze aufnehmen konnte — letztere wurden in der ursprünglichen Beschreibung mit Kaugummi verglichen, weil Harz eine klebrige Konsistenz hat, oder direkt als Aufnahme von Saft interpretiert.
Kontroverse und alternative Deutungen
Diese Ernährungsinterpretation ist jedoch nicht unumstritten. Ein anderer Paläontologe wies darauf hin, dass die Zähne von Agilodocodon „ganz anders“ geformt seien als bei modernen saftfressenden Primaten und dass der lange, dünne Unterkiefer möglicherweise zu schwach für dauerhaftes Rindenknabbern gewesen sei. Kritiker schlagen als alternative Ernährungsweisen vor, dass Agilodocodon eher ein Insektenfresser oder ein opportunistischer Allesfresser gewesen sein könnte, der sowohl Insekten als auch Pflanzenteile fraß.
Forschung, Fund und Bedeutung
Das Fossil von Agilodocodon scansorius lieferte wichtige Hinweise darauf, dass schon sehr frühe mammaliaforme Formen in Baumhabitaten lebten und spezialisierte Kletteranpassungen entwickelten. Die Interpretation beruht auf der Kombination von Skelettmerkmalen (Krallenform, Gelenkmobilität) und Zahnform. Moderne Untersuchungen nutzen oft CT-Scans und vergleichende Funktionsanalysen, um Bewegungs- und Fressfunktionen zu rekonstruieren; trotzdem bleibt bei einzelnen Aspekten — etwa der genauen Nahrung — eine Restunsicherheit.
Unabhängig von der genauen Ernährungsweise zeigt Agilodocodon, dass frühe Verwandte der Säugetiere bereits im Jura verschiedene ökologische Nischen, einschließlich arborealer Lebensweisen, besetzten. Das macht den Fund zu einem wichtigen Stück im Puzzle der frühen Säugetier-Evolution.