Candiru (candirú) (spanisch, auch als Canero oder Zahnstocherfisch bekannt) sind parasitäre Süßwasserwelse aus der Familie der Trichomycteridae. Man findet sie im Amazonas – besonders häufig im Bereich zwischen dem Amazonas und dem Rio Negro, in der Nähe der brasilianischen Stadt Manaus – und sie gehören zu den bekanntesten und gefürchtetsten Fischen dieser Gewässer, oft noch mehr gefürchtet als der Piranha. Die Candiru haben die Form eines Aals, sind meist sehr schlank und oft durchscheinend, wodurch sie im Wasser schwer zu sehen sind. Die Körpergröße variiert je nach Art: viele Arten sind nur wenige Zentimeter lang, doch von einigen ist bekannt, dass sie bis zu etwa 15 cm (≈ 6 Zoll) erreichen können.
Aussehen und Taxonomie
Candiru gehören zur großen Familie der Trichomycteridae, die viele verschiedene Gattungen umfasst. Die bekannteste Gattung, die häufig mit dem Namen "Candiru" gleichgesetzt wird, ist Vandellia, doch der gebräuchliche Name wird auch für verwandte, ähnlich geformte Arten genutzt. Typische Merkmale sind:
- schlanker, aalähnlicher Körper
- teilweise durchsichtige Haut
- angepasste Mundwerkzeuge und oft kleine Zähne oder Widerhaken, mit denen sie sich an Wirtsfischen festhalten können
Lebensweise und Ernährung
Viele Candiru-Arten sind Parasiten oder Ektoparasiten: sie dringen in die Kiemenhöhlen von anderen Fischen ein und saugen dort Blut oder ernähren sich von Gewebe, Schleim und Parasiten. Sie finden ihre Wirte vermutlich durch eine Kombination aus chemischen Signalen (z. B. durch Abgabe von Ammoniak oder anderen Stoffwechselprodukten) sowie durch die Wahrnehmung von Wasserbewegungen. Nicht alle Trichomycteridae-Arten sind jedoch blutsaugend: innerhalb der Familie gibt es auch freilebende Arten mit unterschiedlichen Ernährungsweisen.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet der Candiru beschränkt sich auf den Amazonasbecken und Nebenflüsse. Besonders viele Funde gibt es in klaren, langsam bis mäßig fließenden Gewässern mit vielen Verstecken wie Wurzelwerk, Felsen und Unterwasserpflanzen. Das bereits erwähnte Verbreitungszentrum liegt im Bereich zwischen dem Amazonas und dem Rio Negro, nahe Manaus.
Mythen und Fakten über Angriffe auf Menschen
Die Candiru haben sich einen besonders berüchtigten Ruf erarbeitet durch Berichte, wonach sie in menschliche Körperöffnungen (insbesondere die Harnröhre) eindringen würden. Diese Geschichten sind weit verbreitet und wurden in populären Medien oft dramatisiert. Wichtige Punkte dazu:
- Authentische, medizinisch gut dokumentierte Fälle sind extrem selten und wissenschaftlich umstritten. Viele Berichte basieren auf Erzählungen und Mythen.
- Die Hypothese, dass Candiru gezielt von Urin angezogen werden und in die Harnröhre eindringen, ist nicht gut belegt. Experimente zeigen, dass die Fische eher durch Signale von Wirtstieren (z. B. durch Kiemenwasser) und Wasserbewegungen geleitet werden.
- Wissenschaftler halten ein Eindringen in den Menschen für sehr unwahrscheinlich, doch können Zwischenfälle nicht völlig ausgeschlossen werden – wie bei vielen seltenen medizinischen Ereignissen.
Vorbeugung und Umgang
- Vorsicht beim Baden in ungesehenen Gewässern: Vermeiden Sie es, längere Zeit unbeweglich in Bereichen mit dichter Vegetation oder Wurzelwerk zu verweilen.
- Das bewusste Urinieren im Wasser ist weit verbreitet geraten worden, als Schutzmaßnahme; die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist jedoch nicht wissenschaftlich bestätigt. Allgemein gilt: Panik ist unnötig, gesunder Menschenverstand reicht meist aus.
- Bei einem vermuteten Biss oder Eindringen eines Fremdkörpers in eine Körperöffnung sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Versuchen Sie nicht, den Fisch gewaltsam herauszuziehen, da das zu schweren Verletzungen führen kann.
Forschung, Bedeutung und Schutz
Candiru sind aus biologischer und ökologischer Sicht interessante Tiere, weil sie spezialisierte Lebensweisen und Anpassungen an parasitäres Verhalten zeigen. Die Forschung ist schwierig, da viele Arten klein, scheu und schwer zu beobachten sind. Der Schutz ihrer Lebensräume – sauberer Flüsse, intakte Auenwälder und stabile Ökosysteme – ist wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt im Amazonasbecken. Habitatverlust, Verschmutzung und Veränderungen durch Staudammbauten können auch diese spezialisierte Fauna bedrohen.
Zusammenfassend: Die Candiru sind kleine, oft parasitisch lebende Welse des Amazonasbeckens, die wegen ihrer Erscheinung und der zahlreichen Legenden um sie herum viel Aufmerksamkeit erhalten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ein komplexeres Bild als die populären Mythen, und reale Gefahren für Menschen sind nach heutigem Kenntnisstand sehr selten.