Fluss Couesnon (französische Aussprache: [kwenɔ̃]) ist ein Fluss in Nordwestfrankreich. Er entspringt im Département Mayenne und mündet in die Bucht von Mont-Saint-Michel. Der letzte Abschnitt des Flusses bildet die historische Grenze zwischen den Herzogtümern Normandie und Bretagne. In früheren Jahrhunderten wechselte der Couesnon mehrfach zwischen zwei Flussbetten, die nördlich und südlich des Mont Saint-Michel lagen; am Ende hat er sich dauerhaft im südlichen Bett niedergelassen. Daraus entstand der bekannte Spruch "Der Wahnsinn des Couesnon brachte den Mont Saint-Michel in die Normandie" (auf französisch "le couesnon en sa folie mit le Mont en Normandie"). Die heutige Verwaltungsgrenze, die die beiden Regionen trennt, folgt jedoch nicht dem Flusslauf: sie verläuft etwa sechs Kilometer westlich des Berges.
Verlauf und Geographie
Der Couesnon durchfließt überwiegend ländliche Gebiete mit Wiesen, Weiden und Marschen, bevor er in die Gezeitenzone der Bucht von Mont-Saint-Michel gelangt. Im Mündungsbereich beeinflussen starke Gezeitenströmungen das Verhalten des Flusses und die Ablagerung von Sedimenten. Die Bucht selbst gehört zu den markantesten Gezeitenräumen Europas und ist geprägt von großen Wattflächen und Salzwiesen.
Geschichte und Kultur
Der wechselnde Verlauf des Couesnon hat lokalhistorisch große Bedeutung: Durch natürliche Mäandrierungen, Schlammablagerungen und menschengemachte Eingriffe veränderte sich die Lage der Mündung immer wieder. Der eingangs genannte Spruch spiegelt populäre Deutungen und Rivalitäten zwischen Normandie und Bretagne wider. Der Mont-Saint-Michel und seine Umgebung sind historisch und kulturell eng mit dem Fluss und der Bucht verbunden; die Landschaft ist außerdem Teil des UNESCO-Welterbes der Abtei und der Bucht von Mont-Saint-Michel.
Umwelt, Ökologie und Schutz
Die Mündungs- und Marschlandschaften des Couesnon sind wichtige Lebensräume für Wat- und Zugvögel sowie für typische Pflanzen der Salzwiesen. Wegen der dynamischen Sedimentprozesse sind diese Bereiche ökologisch sensibel. Naturschutzmaßnahmen und ein integriertes Management der Bucht zielen darauf ab, die natürliche Gezeitenbewegung zu erhalten und die Artenvielfalt zu schützen.
Technische Eingriffe und Renaturierung
Über die Jahrhunderte haben Deiche, Dämme und Straßen (u. a. eine befahrbare Dammstraße zur Insel) das Strömungsverhalten und die Sedimentation in der Bucht beeinflusst. Als Folge kam es zu verstärkter Verschlickung rund um den Mont Saint-Michel. Um die Gezeitenströmung wieder zu verbessern und die natürliche Abtragung von Sedimenten zu unterstützen, wurden in den 2000er–2010er Jahren größere Maßnahmen umgesetzt: Die starre Dammstraße wurde durch eine höhere, offenere Brückenlösung ersetzt und angrenzende Renaturierungsarbeiten durchgeführt, damit Wasser ungehinderter zirkulieren kann. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Inselwirkung des Mont Saint-Michel und die natürlichen Dynamiken der Bucht langfristig zu erhalten.
Anmerkungen
- Der Couesnon hat sowohl landschaftlich als auch kulturell eine besondere Bedeutung für die Region rund um Mont-Saint-Michel.
- Die administrative Grenze zwischen Normandie und Bretagne orientiert sich heute nicht am Flusslauf, weshalb Mont-Saint-Michel formal auf der normannischen Seite liegt, obwohl die Flusslage historischen Streit erzeugte.
- Die Mündungszone bleibt aufgrund der starken Gezeiten und ständigen Sedimentbewegung ein dynamisches Gebiet, das sowohl für den Naturschutz als auch für die Besucherlenkung besondere Aufmerksamkeit erfordert.



