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Italienisches Libyen (1911–1947): Kolonie, Besatzung und Widerstand

Italienisches Libyen (1911–1947): Kolonialherrschaft, Mussolinis Besatzung, Deportationen und der bewaffnete Widerstand um Omar Mukhtar — Geschichte von Unterdrückung und Widerstand.

Das italienische Libyen war von 1911 bis (offiziell) 1947 eine Kolonie des Königreichs Italien. Italien eroberte Libyen 1911 aus dem Osmanischen Reich. Die libyschen Muslime leisteten in den Folgejahren erheblichen Widerstand gegen die christlichen italienischen Besatzer; besonders heftig war der Kampf in den Jahren rund um den Ersten Weltkrieg.

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Frühe Besetzung und erste Widerstandsphasen (1911–1922)

Der Krieg von 1911–1912 (Italo-Türkischer Krieg) führte formal zur Abtretung der osmanischen Gebiete in Nordafrika an Italien. Nach dem Abschluss des Friedensvertrags setzten sich jedoch lokale Führer, religiöse Orden und Stammesgruppen zur Wehr. Die größte organisierte Gegenbewegung bildete sich um die Sennusi-Ordensstrukturen in Cyrenaica und um Führer wie den späteren Emir Idris, der 1922 nach Ägypten ins Exil ging. Im Ersten Weltkrieg gab es weitere Aufstände und Kämpfe, teils auch in Verbindung mit den Interessen der europäischen Kriegsparteien.

Faschistische "Befriedung" und Unterdrückung (1922–1934)

Mit der Machtübernahme des Diktators Benito Mussolini verschärfte sich die Kolonialpolitik deutlich. Von 1922 bis 1928 führten italienische Truppen unter General Badoglio eine erste «strafende Befriedung» durch. Sein Nachfolger vor Ort, der Marschall Rodolfo Graziani, setzte Mussolinis Anweisungen rigoros um und verlangte die volle Handlungsfreiheit zur Niederschlagung des Widerstands. Mussolini stimmte dem rasch zu; die militärische Repression wurde intensiviert.

Die italienische Politik weitete sich zu einem umfassenden Krieg gegen die Bevölkerung aus: systematische Internierungen, Deportationen ländlicher Bevölkerungsgruppen und die Konzentration von Zivilisten in Lagern sollten den Rebellen die soziale Basis entziehen. Nach einem umstrittenen Waffenstillstand am 3. Januar 1928 kam es zu groß angelegten Sammelaktionen, Vertreibungen und zur Einrichtung von Internierungslagern, vor allem in Nord-Kyrenaika. Schätzungen zufolge wurden in dieser Phase Zehntausende Menschen vertrieben; die Opferzahlen durch Mangel, Krankheiten und harte Lagerbedingungen gehen nach verschiedenen Schätzungen in die Tausende bis Zehntausende.

Omar Mukhtar und das Ende des organisierten Widerstands

Aus Cyrenaica kam der stärkste Widerstand: Omar Mukhtar, ein Scheich aus dem Stamm der Sennusi, wurde zum symbolträchtigen Führer des Befreiungskampfes. Er und seine Gefolgsleute führten jahrelang einen Guerillakrieg gegen die italienischen Kontingente. Nach seiner Gefangennahme am 15. September 1931 wurde Omar Mukhtar in Benghazi hingerichtet; dies markierte das faktische Ende des organisierten bewaffneten Aufstands, wenngleich lokaler Widerstand weiter bestand. Um den Widerstandskern herum blieb eine begrenzte Opposition bestehen, teilweise um den Sennusi-Emir Idris, der im Exil eine politische Anlaufstelle darstellte.

Koloniale Verwaltung, Siedlungspolitik und Ökonomie (1934–1939)

1934 vereinigte Italien die zuvor getrennten Provinzen Tripolitanien, Cyrenaica und Fezzan zur offiziellen Kolonie «Italienisches Libyen». In den 1930er Jahren wurde die Kolonialverwaltung professionalisiert: Infrastrukturprojekte (Straßenbau, Häfen, städtebauliche Maßnahmen), landwirtschaftliche Siedlungsprogramme und die Ansiedlung italienischer Kolonisten sollten eine dauerhafte Herrschaft sichern. Als Teil der propagandistischen Politik erklärte Mussolini Libyen ab Ende der 1930er Jahre zur «Quarta Sponda» (vierte Küste) Italiens und förderte die italienische Ansiedlung – die einheimische Bevölkerung blieb dabei rechtlich und sozial deutlich benachteiligt.

Die wirtschaftliche Entwicklung war zweigeteilt: Einerseits wurden moderne Einrichtungen für Verwaltung, Hafen- und Straßenverbindungen geschaffen und einige Agrarkolonien angelegt; andererseits führte die Enteignung von Land, Zwangsarbeit und die Umverteilung von Ressourcen zu sozialen Spannungen und zur Marginalisierung großer Teile der libyschen Bevölkerung.

Zweiter Weltkrieg und Ende der italienischen Herrschaft (1940–1947)

Im Zweiten Weltkrieg wurde Libyen zum Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den Achsenmächten und den Alliierten (Nordafrika-Feldzug). Städte wie Tobruk und Sirte, weite Küstenabschnitte und inlandnahe Militärstützpunkte wechselten mehrmals den Besitz. Ab 1943 waren die italienischen Truppen aus Libyen praktisch vertrieben; die Briten übernahmen die Verwaltung von Cyrenaica und Tripolitanien, während Fezzan kurzzeitig unter französischer Militärverwaltung stand.

Mit dem Friedensvertrag von 1947 verzichtete Italien offiziell auf alle Ansprüche an Libyen. Die politische Zukunft des libyschen Territoriums blieb zunächst offen: Unter alliierter Verwaltung und später im Rahmen von UNO-Debatten führte der Weg schließlich 1951 zur Unabhängigkeit Libyens als Königreich unter Idris, doch die koloniale Epoche hinterließ tiefe Spuren.

Folgen und Erinnerung

Die italienische Kolonialherrschaft in Libyen hatte nachhaltige Folgen: Demographische Veränderungen durch Kolonisten, wirtschaftliche Umgestaltung zugunsten kolonialer Interessen, traumatische Erfahrungen durch Repression, Deportation und Lager sowie eine lange Phase politischer Instabilität. In Libyen und international wurde die Zeit der Besatzung zu einem prägenden Erinnerungsort; Figuren wie Omar Mukhtar sind bis heute Symbolfiguren des Widerstands. In Italien hingegen bleibt die Kolonialzeit ein umstrittenes Kapitel der Geschichte, das in Politik, Kultur und Wissenschaft weiterhin diskutiert wird.

Zusammenfassung: Die italienische Kolonialherrschaft in Libyen (1911–1947) war geprägt von militärischer Eroberung, langanhaltendem einheimischem Widerstand – mit Führern wie Omar Mukhtar – und von rücksichtslosen «Befriedungs»- und Kolonisationsmaßnahmen unter dem faschistischen Regime. Sie endete faktisch im Zweiten Weltkrieg und wurde 1947 völkerrechtlich aufgegeben; die Folgen wirkten jedoch lange nach.

Gründung von "Libyen

1934 war Libyen vollständig befriedet, und der neue italienische Gouverneur Italo Balbo begann eine Politik der Integration zwischen den Arabern und den Italienern. Neue Gesetze im Jahr 1939 erlaubten den Muslimen, der Nationalfaschistischen Partei und insbesondere der "Muslimischen Vereinigung des Lictor" (Associazione Musulmana del Littorio) beizutreten. Die Reformen von 1939 ermöglichten auch die Schaffung libyscher Militäreinheiten innerhalb der italienischen Armee. Während des Nordafrikafeldzuges des Zweiten Weltkrieges brachte dies vielen muslimischen Libyern, die sich in die italienische Armee einschrieben, starke Unterstützung für Italien

Gouverneur Balbo schuf "Libyen" 1934 mit der Vereinigung von Tripolitanien, Cyrenaica und Fezzan in einem einzigen Land. Von 1934 bis 1940 entwickelte er das neue "italienische Libyen" und schuf eine riesige Infrastruktur mit 4.000 km Straßen, 400 km Schmalspurbahnen, neuen Industrien und vielen neuen landwirtschaftlichen Dörfern.

Die libysche Wirtschaft florierte, vor allem im Agrarsektor. Sogar einige Produktionstätigkeiten wurden entwickelt, vor allem im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelindustrie. Viele Gebäude wurden gebaut. Darüber hinaus stellten die Italiener zum ersten Mal in Libyen eine moderne medizinische Versorgung zur Verfügung und verbesserten die sanitären Bedingungen in den Städten. Es wurde auch ein riesiges Netz von Verbindungen nach Italien geschaffen, sowohl auf dem See- als auch auf dem Luftweg (wie die Linea dell'Impero, eine Flugstrecke, die Libyen mit Rom und mit Äthiopien/Somalia verband).

Das hat Howard Christie geschrieben:

Die Italiener gründeten zahlreiche und vielfältige Unternehmen in Tripolitania und Cirenaica. Dazu gehörten eine Sprengstofffabrik, Eisenbahnwerkstätten, das Fiat-Motorenwerk, verschiedene lebensmittelverarbeitende Betriebe, elektrotechnische Werkstätten, Eisenwerke, Wasserwerke, Landmaschinenfabriken, Brauereien, Brennereien, Keksfabriken, eine Tabakfabrik, Gerbereien, Bäckereien, Kalk-, Ziegel- und Zementwerke, die Esparto-Grasindustrie, mechanische Sägewerke und die Petrolibya Society (Trye 1998). Die italienischen Investitionen in ihre Kolonie sollten die Vorteile neuer Kolonisten nutzen und sie autarker machen. Die italienische Gesamtbevölkerung Libyens betrug 110.575 von einer Gesamtbevölkerung von 915.440 im Jahr 1940 (General Staff War Office 1939, 165/b).

Gouverneur Balbo förderte den Bau vieler neuer Dörfer für viele tausend italienische Kolonisten in den Küstengebieten des "italienischen Libyen" und neuer Dörfer für die Araber.

Libyen war ein wichtiger Kriegsschauplatz im Zweiten Weltkrieg. Am 13. September 1940 nutzten die italienischen Streitkräfte die "Via Balbia" (Mussolinis Autobahn im Norden Libyens) für den Einmarsch in Ägypten. Britische und alliierte Streitkräfte aus Ägypten unter dem Kommando von Wavell führten einen erfolgreichen zweimonatigen Feldzug in (Tobruk, Bengasi, El Agheila). Gegenoffensiven unter Rommel in den Jahren 1940-43 fanden hier ebenfalls statt. Im November 1942 eroberten die Alliierten Cyrenaica zurück; im Februar 1943 wurden die letzten deutschen und italienischen Soldaten aus Libyen vertrieben.

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AlegsaOnline.com Italienisches Libyen (1911–1947): Kolonie, Besatzung und Widerstand

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