Im geschriebenen Latein ist der Apex (Plural: "apices") ein diakritisches Zeichen, das in seiner Form einem akuten Akzent (´) ähnelt. Der Apex wird verwendet, um anzuzeigen, dass ein Vokal lang und nicht kurz ist – das heißt, der betroffene Vokal wird länger ausgesprochen als sein kurzvokalisches Gegenstück.
Form und Lage
Die Gestalt des Apex ist nicht einheitlich: er erscheint meist als feine, nach rechts oben geneigte Linie, kann aber in Krümmung, Länge und Endform variieren. Manche Exemplare sind sehr kurz und kaum halbe Buchstabenhöhe, andere reichen über die ganze Höhe eines Buchstabens. Gelegentlich endet die Linie in einem kleinen Haken, der nach links weist. Anstatt genau zentriert über dem Vokal zu sitzen, wird der Apex häufig etwas nach rechts verschoben.
Historische Verwendung im Latein
Der Apex findet sich vor allem in epigraphischen und handschriftlichen Quellen der römischen Zeit. Er diente antiken Schreibern dazu, die phonemisch relevante Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen kenntlich zu machen – eine Unterscheidung, die für die metrische Struktur der Dichtung und für die Aussprache wichtig war. Die Verwendung war jedoch nicht durchgängig normiert; in vielen Texten blieb die Vokallänge unmarkiert, und andere Verfahren (z. B. Verdopplung von Buchstaben oder kontextbezogene Lesarten) ergänzten oder ersetzten die Markierung.
Entwicklung zum akuten Akzent
Mit der Zeit ging aus dem Apex der moderne akute Akzent hervor. Dieser wird in mehreren europäischen Schriftsystemen weiterhin genutzt, allerdings meist mit anderer Funktion oder konventioneller Form. Insbesondere markiert der akute Akzent in Sprachen wie Tschechisch und Slowakisch, Ungarisch und Irisch die Vokallänge (in manchen Sprachen zusätzlich die Betonung). In älteren Schriftstufen war er auch in Isländisch gebräuchlich. Die direkte Verbindung zwischen dem römischen Apex und späteren Akzentformen ist ein Beispiel für die allmähliche Umfunktionierung und Standardisierung diakritischer Zeichen in verschiedenen Sprachräumen.
Darstellung in modernen Editionen und digitalen Texten
In modernen wissenschaftlichen Editionen werden die langen Vokale des Lateinischen oft mit einem Makron (¯) markiert, weil dieses Zeichen die Längendifferenz klar und lesbar darstellt. Historische Apex-Zeichen werden in digitalen Texten meist durch den kombinierenden Akut (U+0301) nachgebildet; ein eigenes Unicode-Zeichen, das speziell als „Apex“ bezeichnet ist, existiert nicht. Wegen der formalen Ähnlichkeit kann der Apex in Manuskripten leicht mit anderen kleinen Zeichen (z. B. Apostroph oder Schreibakzent) verwechselt werden, weshalb Editoren beim Übertragen von Quellen besondere Sorgfalt walten lassen.
Kurz gefasst: Der Apex ist ein historisches lateinisches diakritisches Zeichen zur Kennzeichnung der Vokallänge. Seine Gestalt variiert stark, seine Verwendung war nicht einheitlich, und er gilt als Vorläufer des akuten Akzents, der in mehreren modernen Sprachen zur Kennzeichnung von Vokallänge oder Betonung dient.

