Okuni (出雲の阿国, Izumo no Okuni, geboren um 1572) war eine Japanerin aus der Zeit der kriegführenden Staaten (15. bis 16. Jahrhundert), die mit der japanischen Unterhaltung namens Kabuki begann. Ihr Name bedeutet "Okuni aus Izumo". Ihre darstellenden Künste entwickelten sich aus dem traditionellen Tanz. Okuni gründete den Kabuki.

Biografischer Hintergrund

Über das Leben Okunis ist nur wenig Verlässliches überliefert; viele Angaben sind Teil von Legenden. Vermutlich stammte sie aus der Provinz Izumo und arbeitete zeitweise als Miko (Schreinjungfrau) oder Tänzerin. Anfang des 17. Jahrhunderts trat sie in Kyoto öffentlich auf und gewann schnell Aufmerksamkeit durch ungewöhnliche und lebhafte Aufführungen. Aufgrund des Mangels an gesicherten Quellen sind Geburts- und Sterbedaten sowie persönliche Lebensumstände nur ungefähr bekannt.

Wie Kabuki entstand

Okunis Aufführungen verbanden Tanz, Gesang, Schauspiel und Humor zu einer neuen, populären Form des Straßentheaters. Sie trat zunächst mit einer reinen Frauengruppe auf und stellte in ihren Stücken oft sowohl weibliche als auch männliche Rollen dar. Diese Verbindung aus Energie, Parodie auf Hof- und Kriegerwelt sowie eindrucksvollen Kostümen und Gesten bildete den Keim dessen, was später als kabuki bekannt wurde. Das Wort "kabuki" leitet sich wahrscheinlich vom Verb kabuku ab, das so viel wie "aus der Reihe tanzen" oder "exzentrisch handeln" bedeutet.

Stil und künstlerische Merkmale

  • Vermischung von Tanz und Schauspiel: Okunis Darbietungen legten großen Wert auf bewegte Choreografien, die erzählerische und emotionale Elemente verbanden.
  • Kostüm und Makeup: Auffällige Kostüme und betonte Gestik trugen zur Bildhaftigkeit der Stücke bei; viele dieser Elemente entwickelten sich im Laufe der Zeit weiter und wurden zu festen Bestandteilen des Kabuki.
  • Frauentruppen: Die ersten Kabuki-Aufführungen wurden vorwiegend von Frauen gegeben; die Bühnenpraxis änderte sich jedoch später aus politischen und moralischen Gründen.

Veränderungen und staatliche Eingriffe

Die wachsende Popularität führte zu Problemen mit den Behörden: Kabuki-Aufführungen wurden wegen angeblicher Sittenlosigkeit und öffentlicher Unruhe kritisch gesehen. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erließ das Tokugawa-Shogunat mehrere Verbote und Reglementierungen, die schließlich dazu führten, dass Frauen nicht mehr auf der Kabuki-Bühne auftreten durften. Dadurch entstand die Tradition der männlichen Darsteller, die Frauenrollen (sogenannte onnagata) spielten, und das professionelle, stark stylisierte Kabuki, wie es später bekannt wurde.

Vermächtnis

Okuni gilt als Schlüsselfigur in der Entstehung des Kabuki. Obgleich viele Details ihres Lebens im Dunkeln bleiben, ist ihr Einfluss auf die japanische Theatergeschichte unbestritten: Aus ihren frühen Aufführungen entwickelte sich eine der wichtigsten klassischen Bühnenformen Japans, die bis heute lebendig ist. Kabuki wird in Japan und international als bedeutendes Kulturgut gepflegt und weiterentwickelt; traditionelle Spielweisen, Rollenbildungen und Bühnentechniken weisen direkte Wurzeln in den Formen auf, die bereits Okuni populär machte.

Weiterführende Hinweise

  • Viele Aspekte von Okunis Leben sind historisch unsicher; Quellen mischen Fakten und Legende.
  • Die heute bekannte Kabuki-Tradition hat sich über Jahrhunderte entwickelt und enthält regionale Spielarten und feste Rollentypen (onnagata, aragoto, wagoto etc.).
  • Wer Kabuki erleben möchte, findet in größeren japanischen Städten feste Spielstätten und Aufführungen mit langer Kontinuität.