Morganucodon ist eine frühe säugetierähnliche Gattung. p79 Sie lebte während der jüngsten Obertrias oder des frühesten Jura. p299

Im Gegensatz zu vielen anderen frühen Säugetieren ist Morganucodon aus reichlich und gut erhaltenem Material bekannt. Das meiste davon stammt von Glamorgan in Wales (Morganucodon watsoni).

Laut Kemp ist es unmöglich zu sagen, ob es sich bei den Felsrissen (Rissen), in denen die Überreste gefunden wurden, um die jüngste Trias oder die früheste Jurazeit handelt. p142

Morganucodon erschien erstmals vor etwa 205 Millionen Jahren. "Es war ein kleines Tier mit einem Schädel von 2–3 cm Länge und einer Körperlänge von etwa 10 cm [4 Zoll]. Im allgemeinen Aussehen hätte es wie eine Spitzmaus oder Maus ausgesehen". p143

Wesentliche Merkmale

  • Körpergröße: sehr klein; Schädel 2–3 cm, Körperlänge (ohne Schwanz) um die 10 cm.
  • Zähne: deutlich differenzierte Zahnreihen mit Schneidezähnen, Eckzähnen, Prämolaren und Molaren. Die Molaren zeigen komplexe Höckeranordnungen, die präzisen Verschluss (Okklusion) erlaubten und das Zerkleinern von Insekten erleichterten.
  • Kiefer- und Ohrentwicklung: wichtig für das Verständnis der Evolution der Säugetiere: Morganucodon besaß eine teilweise doppelte Kiefergelenkstruktur – sowohl das ursprüngliche reptilienartige Quadrato-artikulare-Gelenk als auch ein neues Dentale–Squamosale-Gelenk. Die hinteren Kieferknochen (Articulare, Quadratum) waren noch mit dem Kiefer verbunden, befanden sich jedoch bereits auf dem Weg, zu den Gehörknöchelchen des Mittelohrs zu werden.
  • Postcraniale Anatomie: der Körperbau deutet auf ein aktives, flinkes Tier hin; die Gliedmaßen waren relativ unter den Körper gestellt, was eine geschicktere Fortbewegung gegenüber spreizfußigen Reptilien ermöglichte.
  • Lebensweise: höchstwahrscheinlich ein nachtaktiver Insektivor (Insektenfresser); flinke, grabungs- oder vegetationbewohnende Lebensweise wird angenommen.

Bedeutung für die Evolution der Säugetiere

Morganucodon gilt als Schlüsseltaxon für das Verständnis des Übergangs von reptilienähnlichen Synapsiden zu echten Säugetieren. Die Kombination aus fortgeschrittener Zahnokklusion, dem neuen Dentale–Squamosale-Kiefergelenk und der noch teilweise vorhandenen reptilartigen Kieferverbindung dokumentiert einen Zwischenzustand in der Umwandlung der hinteren Kieferknochen zu den Gehörknöchelchen (Amboss und Hammer).

Fossiler Befund, Alter und Verbreitung

Die bekanntesten Funde stammen aus Fissurenfüllungen in Südwales (Glamorgan) und benachbarten Regionen Englands; es sind aber auch Reste aus anderen Teilen Europas bekannt. Stratigraphisch lassen sich die Fundschichten in das Ende der Trias oder den Beginn des Jura datieren, ungefähr vor 205 Millionen Jahren. p299

Neuere Forschungsergebnisse

Neuere Studien haben Aspekte wie Wachstumsraten, Lebensdauer und Stoffwechsel von Morganucodon untersucht. Untersuchungen der Zahnstrukturen (z. B. Zementringe) und der Knochenhistologie legen nahe, dass diese frühen säugetierähnlichen Tiere bereits einige säugetierähnliche Eigenschaften besaßen (z. B. präzise Zahnokklusion, gesteigerte sensorische Fähigkeiten), während andere Merkmale wie Stoffwechsel und Wachstumsraten noch nicht vollständig dem modernen Säugetierzustand entsprachen. Diese Befunde helfen dabei, das komplexe Bild des allmählichen Erwerbs „moderner“ Säugetiermerkmale zu vervollständigen.

Zusammenfassung

Morganucodon ist ein kleines, gut bekanntes, frühes säugetierähnliches Tier, das eine Reihe von Merkmalen zeigt, die den Schritt von reptilienähnlichen Vorfahren zu echten Säugetieren dokumentieren. Seine fossilen Überreste sind besonders wertvoll, weil sie Details zur Entwicklung von Zähnen, Kiefergelenk und Mittelohr liefern und somit zentrale Fragen zur Entstehung der Säugetiere beantworten helfen.