Aspiration ist ein phonetisches Merkmal, bei dem das Aussprechen eines Konsonanten mit einem hör- oder fühlbaren Luftstoß (Atemhauch) verbunden ist. Ein einfacher Test: Wenn Sie ein dünnes Blatt Papier vor den Mund halten, bewegt es sich beim Sprechen eines aspirierten Konsonanten; bewegt es sich nicht, ist der Laut nicht aspiriert.

Was genau bedeutet Aspiration?

In der Phonetik bezeichnet Aspiration den zusätzlichen Luftstrom nach der Freigabe eines Verschlusses (bei Stopps) oder am Beginn mancher Affrikaten. In der Lautschrift (IPA) wird Aspiration üblicherweise mit dem hochgestellten Zeichen ʰ markiert, z. B. /pʰ/, /tʰ/, /kʰ/. Bei aspirierten stimmhaften Konsonanten, wie sie in einigen indischen Sprachen vorkommen, steht statt ʰ oft das Zeichen ʱ, das eine zusätzliche Behauchung bzw. Bruststimme (breathy voice / Murmur) anzeigt.

Aspiration im Englischen

Im Englischen sind insbesondere die stimmlosen Stopps /p, t, k/ (und in gewissem Maße Affrikaten wie /t͡ʃ/) wort- oder betontsilbenanfangs aspiriert. Beispiele in IPA:

  • "pick" – /pʰɪk/
  • "tick" – /tʰɪk/
  • "kick" – /kʰɪk/
  • "chick" – /t͡ʃʰɪk/ (Affrikaten zeigen oft nur eine schwächere Form von Aspiration)

Wichtige Bedingungen: Aspiration im Englischen ist kontextabhängig. So ist /p/ in "pit" aspiriert, während /p/ in "spit" (nach /s/ im Onsetcluster) nicht aspiriert ist: /spɪt/. Ebenso sind Silbenendpositionen meist nicht aspiriert ("tip" /tɪp/ ohne Aspiration). Generell unterdrückt ein vorangehendes /s/ die Aspiration der folgenden stimmlosen Stopps.

Stimmhaft vs. stimmlos; Aspiration vs. Bruststimme

Aspiration ist nicht dasselbe wie Stimmhaftigkeit. Viele Sprachen unterscheiden stimmhafte und stimmlose Konsonanten; einige (z. B. bestimmte indoarische Sprachen) haben zusätzlich eine Unterscheidung zwischen aspirierten stimmhaften Konsonanten, die mit breathy voice (Murmer) realisiert werden, und unaspirierten stimmhaften Konsonanten. Diese aspirierten stimmhaften Laute werden in IPA oft als /bʱ, dʱ, gʱ/ etc. transkribiert.

Beispiel: Hindi

Hindi besitzt phonemisch aspirierte stimmhafte und stimmlos-aspirierte Stopps. In der Schrift und in vielen Umschriften erscheinen sie als Konsonant + "h" (z. B. "bh", "dh"). Ein bekanntes Beispiel ist der Name Bhattacharya, bei dem "bh" einen aspirierten /b/ darstellt und in IPA als /bʱ/ wiedergegeben werden kann.

Beispiel: Mandarin-Chinesisch und Schriftsysteme

Im Mandarin-Chinesisch fehlt die phonemische Unterscheidung zwischen stimmhaften vs. stimmlosen Verschlusslauten; stattdessen kontrastiert Mandarin überwiegend zwischen aspirierten und unaspirierten (aber stimmlosen) Stopps und Affrikaten. In der gebräuchlichen Pinyin-Umschrift werden die aspirierten Laute mit denselben Buchstaben wie im Englischen für Aspiration geschrieben: p, t, k in Pinyin stehen für /pʰ, tʰ, kʰ/, während b, d, g in Pinyin für die unaspirierten Gegensätze /p, t, k/ stehen (auch wenn diese Laute im Deutschen als stimmhaft erscheinen könnten, sind sie phonetisch voiceless unaspirated). Ein Beispielwort wie "Gaokao" (Pinyin) entspricht phonetisch ungefähr /kau̯.kau̯/.

Eine ältere Umschrift, Wade-Giles, markiert Aspiration durch ein Apostroph nach dem Konsonanten (z. B. k' für /kʰ/). Dadurch weicht die Schreibweise gegenüber Pinyin ab.

Notationen im IPA und typische Verhaltensregeln

  • IPA-Zeichen für Aspiration: ʰ (z. B. /pʰ/).
  • Für aspiriert stimmhafte (breathy) Laute: ʱ (z. B. /bʱ/ in manchen indischen Sprachen).
  • Aspiration ist oft positionell: häufig im wort- oder betontsilbenanfang, meist nicht nach /s/ und selten in Wortenden.
  • Manche Sprachen zeigen Preaspiration (ein Atemgeräusch vor dem Konsonanten), andere kombinieren Aspiration mit anderen Phonationsarten.

Weitere Beispiele und Hinweise

  • Englisch: "pick" /pʰɪk/ ≠ "spick" (mit /s/ davor) /spɪk/ (kein ʰ).
  • Hindi: "bʱ" (geschrieben "bh") = /bʱ/ (breathy voiced).
  • Mandarin (Pinyin): "p" = /pʰ/, "b" = /p/ (unaspiriert), entsprechend für t/d, k/g.

Zusammenfassend: Aspiration gehört zu den wichtigen artikulatorischen Eigenschaften von Konsonanten, die in vielen Sprachen phonologisch relevant ist. Ihre Wahrnehmung (hörbar/fühlbar) lässt sich leicht mit einfachen Experimenten nachvollziehen, ihre Notation erfolgt meist mit dem IPA-Zeichen ʰ, und die genaue Funktion und Ausprägung variiert zwischen den Sprachen.