Jetzt ist die Zeitspanne zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Sie kann lang (wie ein Äon in geologischer Zeit) oder kurz (wie eine Pikosekunde) sein, aber sie wird fast immer verwendet, um sich auf die Zeitspanne zwischen dem gegenwärtigen Augenblick und einem Zeithorizont zu beziehen, in dem eine Entscheidung getroffen werden muss. Sie kann verwendet werden, um jemanden zu bitten oder zu fordern, eine Entscheidung zu treffen, auch wenn er sie hinauszögern möchte.
"Ich möchte jetzt wissen, was Sie denken."
"Was denken Sie jetzt?"
"Jetzt ist die Zeit für alle guten Menschen gekommen, ihrem Land zu Hilfe zu kommen."
Mathematik und Messen gehen davon aus, dass alles, was in einer Gleichung verwendet wird, zu Beginn der Berechnung oder Axiomatisierung den gleichen Größen entspricht wie am Ende. Das bedeutet, dass es mathematisch korrekt ist zu sagen, dass die Idee von "gleich" bedeutet "gleich von dem Zeitpunkt, an dem der Prozess beginnt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er endet". In der Allgemeinen Semantik und in E Prime ersetzen die Wörter gleich, bleiben (für die Vergangenheit bis jetzt) und werden (für jetzt in die Zukunft) aus diesem Grund das Verb "sein".
Wegen dieser Zeitabhängigkeit wird Algebra heute oft als Schnappschussalgebra oder Algebra des Sehens bezeichnet. Wenn irgendeine Handlung oder ein Ereignis zwischen den Schritten der algebraischen Analyse möglich wäre, dann müsste man theoretisch von vorne beginnen, als ob man überhaupt keine Kenntnis des neuen Zustands hätte. Aus diesen Gründen wird die Idee der Statistik und auch des Wissens- und Wissensmanagements manchmal in Frage gestellt, zum Beispiel in dem Buch Lügen, verdammte Lügen und Statistik. Ein wichtiges Thema ist der Vergleich von Zahlen, die in der Vergangenheit und jetzt, nachdem sich einige Schlüsselbedingungen geändert haben, gesammelt wurden.
Was bedeutet "jetzt" im Alltag?
Im täglichen Sprachgebrauch bezeichnet jetzt den unmittelbar wahrnehmbaren oder erlebten Moment. Wie lange dieses "Jetzt" dauert, hängt vom Kontext ab:
- In einer Unterhaltung meint "jetzt" meist den gegenwärtigen Augenblick oder die nächsten Sekunden bis Minuten.
- Bei Entscheidungen kann "jetzt" einen kurz- bis mittelfristigen Zeithorizont bezeichnen — solange, bis eine Reaktion oder Handlung erwartet wird.
- In Redewendungen oder Aufforderungen ("Jetzt oder nie", "Mach es jetzt") steht "jetzt" für Dringlichkeit und fordert ein sofortiges Handeln.
Zeit und Wahrnehmung: Psychologie und Philosophie
Psychologisch spricht man vom sogenannten "specious present" (der scheinbare Gegenwart), also der subjektiv empfundenen Zeitspanne, die wir als Gegenwart wahrnehmen. Diese kann — je nach Aufmerksamkeit und Situation — Sekunden bis Minuten umfassen. Philosophisch ist das "Jetzt" schwierig exakt zu fassen: Ist das Jetzt ein unendlich kurzer Zeitpunkt oder eine kurzgestreckte Dauer? Diskussionen zur Zeit betreffen auch die Frage, ob nur die Gegenwart real ist (Presentismus) oder ob Vergangenheit und Zukunft ebenso real sind (Eternalismus).
Physik: Relativität und das Fehlen eines absoluten Jetzt
In der klassischen Physik erscheint die Zeit als universelle, für alle Beobachter gleiche Dimension. Die spezielle Relativitätstheorie zeigt jedoch, dass es keine absolute Gleichzeitigkeit gibt: Verschiedene Beobachter können unterschiedliche "Jetzt"-Schnitte durch die Raumzeit haben. Damit wird das einfache, globale "Jetzt" physikalisch problematisch und relativ zur Bewegungs- und Beobachtungssituation.
Mathematik, Messung und praktische Folgen
Bei Mathematik und Messungen wird häufig implizit angenommen, dass Ausgangs- und Endgrößen über eine Rechnung oder Messreihe konstant interpretierbar sind — ein nützlicher, jedoch idealisierender Blick. Die Idee der Schnappschussalgebra fasst diesen Ansatz zusammen: Man behandelt den Zustand zu einem bestimmten Messzeitpunkt als Grundlage für weitere Rechnungen.
In der Statistik und im Wissensmanagement ist wichtig zu beachten, dass sich Bedingungen ändern können. Daten, die "jetzt" gesammelt werden, spiegeln nur den Zustand zu diesem Zeitpunkt wider; Vergleiche mit älteren Daten erfordern Kontrolle und Anpassung, wenn Schlüsselbedingungen verändert sind.
Praktische Hinweise
- Wenn jemand "jetzt" verlangt, klären Sie den Zeithorizont: Meint die Person "in diesem Moment", "innerhalb einer Stunde" oder "sofort"?
- Bei Messungen und Analysen immer dokumentieren, zu welchem genauen Zeitpunkt die Daten erhoben wurden.
- In Entscheidungsprozessen deutlich machen, ob "jetzt" eine verbindliche Frist darstellt oder nur eine empfohlene Dringlichkeit.
Zusammenfassend ist jetzt ein flexibler, kontextabhängiger Begriff: sprachlich und praktisch sehr nützlich, philosophisch und physikalisch aber schwer endgültig zu definieren.